Angelomus von Luxeuil. 419
ihm dann überreichen sollte. Angelomus verfehlte nicht, seinen Abt, denBischof Drogo, hiervon in Kenntnis zu setzen und dieser gab die erbeteneErlaubnis. So stellte er, wie er in dem Widmungsbriefe an den Kaiserberichtet, das Werk aus den Schriften der Väter, besonders des Gregor,sowie aus den Erklärungen seines Lehrers und aus eignen Beobachtungenzusammen, indem er solche meist zu einer Einheit verband. Übrigens ver-wahrt er sich am Schluß des Widmungsbriefes dagegen, daß man in demWerke keinen Ausdruck fleischlich und geschichtlich auffassen dürfe, sonderndaß alles allegorisch zu fassen sei. In einem Nachwort zu dem Werke anden Kaiser wiederholt Angelomus den von Aldhelm (ed. Giles p. 328 f.) vor-getragenen Irrtum, 1 ) daß nämlich Kaiser Theodosius den Priscian ab-geschrieben habe, und verwendet diese Stelle zu geistlichem Rate.
Zeugnisse. Die Zugehörigkeit zu Luxeuil ergibt sich aus dem Verbrüderungsbuchevon Reiohenau, s. MG. Libri Confrat. S. Galli, Aug. Fabar. ed. Piper p. 217 unter Nominafratrum de cenobio Luxovium. Die Zeit ergibt sich aus der Zeit Drogos von Metz (823—855)und Lothars I. (840—855). Ungewiß.ist die Reihenfolge der Werke, doch scheint der Genesis-kommentar der erste zu sein, da A. in der Widmung (Ep. 5, 621,7) nur sagt licet aliquidpraelibassem, was weder auf die Erklärung des Hohenliedes noch auf die der Bücher derKönige paßt, und weil Drogo bei dem Wei'ke noch keine Rolle spielt. Nach der Aufschriftder Widmung Angelomus humilis levita' 1 ) war er damals Diakon; ob er Presbyter geworden,geht aus den sonstigen Auf- und Unterschriften nicht hervor. Zu seinem Lehrer Mellinus —er wie Angelom selbst sind wohl Romanen gewesen — s. Ep. 5, 620, 9 magistro viro quidemeruclitissimo 'Mettino sacerdote, vgl. 620, 31. 622, 34. 623, 29. 626. 37. zum Presbyter Leotrics. p. 620,4 f. 18 f.; beide Kleriker sind sonst unbekannt. Selbsturteil des Angelomus p. 621, 5praesertim cum nulla sim scientia liberalium artium obpletus, non sißlogismorum scematum-que ac troporum figuris ornatus . . . sed indoctus exsors elogio, vgl. p. 623, 2 ff. und 626, 10 ff.Zu Bischof Drogo von Metz s. p. 623,16 ff. und besonders 20 non solum quidem quia filiuserat prestantissimi Karoli cesaris, immo frater mitissimi Hludoivici prineipis verum etiamquia preclarus erat ponüfex et äbbas mens egregius. Dies erat könnte dazu verleiten, an-zunehmen, daß Angelomus die Erklärung zu den Büchern der Könige erst nach Drogos Todegeschrieben habe; da sich aber die Stelle im Widmungsbrief an Lothar zum Hohenlied-kommentar fast wörtlich wiederholt und auch hier erat steht, und dies Werk sicher 851bis 852 verfaßt ist, so ist die Zeit für beide Werke noch vor Drogos Tode anzusetzen. Ver-anlassung zum Kommentar in Regum p. 622, 33 Igitur cum a quampluribus fratribus et etiama nonnullis prudentibus et nobilibus viris rogarer ut . . . aliquod opusculum in volumine Megumdigererem eo quod a nidlo doctorum per omnia 3 ) expositum apud nos haberetur antiquorum.Zur Bearbeitung s. p. 623, 26—31 und 625, 6 ff. Zum Aufenthalt am Hofe s. 625, 26 Nuperetenim exeubante nie in vestro sacro palatio sub optentu, inquam, traditionum liberaliumartium ... dignata est vestra sagax prudentia .. . accersire vestre sotterti presentiae mecum-que habere oraculum. Die Zeit ergibt sich aus 37 atque potissimnm de amissione sanetissimaeconmgis ... consolationis gratia, Irmingard starb am 20. März 851. 4 ) Zum Auftrag des Kaisersp. 625, 30 placuit imperando ... ut stili officio iuxta sensum antiquorum patrum et frugali-tafem ingenioli mei opusculum in Canticis canticorum Salomonis ... digererem ... atque pre-sentiae eulminis vestri ostendere non omitterem. Zur Anfrage bei Drogo p. 626, 22 ff., zur Be-arbeitung p. 626, 35 ff., zur Auffassung des Lesers p. 627, 34 ff. und 628,18 ff. Zum Nach-wort s. p. 629,19 ff.
Kommentar zur Genesis. Angelomus beginnt mit der Worterklärungder Überschrift des Buches, wie er überhaupt besonderen Wert auf sprachlicheDinge legt und gern die hebräischen und griechischen Namensformen heran-zieht, so daß er häufig zu Hieronymus' einschlägigen Schriften greifen muß.
J ) Er beruht auf falscher Lesung der Sub- \ 3 ) Auf diese Worte ist Nachdruck zu
skription bei Priscian. — Uebrigens bringtAngelomus gegen Ende des SchlußwortesP- 630.11 einen Hexameter augustale decus{et) Francorum gloria gentis.
-) Ep. 5, 620, 5; vgl. die Aufschrift desBegleitgedichts PL. 2, 675 N. 27.
legen, denn Angelomus benutzt den allerdingssehr lückenhaften Kommentar Isidors, dersich jedenfalls im Kloster fand.
4 ) Vgl. Ann. Bertiniani 853 (ed. Waitzp. 43).
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