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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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412 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil,

geschriebenen zu sein, in denen der Reim völlig durchgeführt ist. Außerdieser unbedingt affektierten Schreibart ist noch zu erwähnen, daß sich beiEngelmod ein ganz ungewöhnliches Haschen nach seltenen Worten zeigt,

Zeugnisse. Zum Leben Engelmods s. Gallia christiana 9,344; Dümmler, NeuesArchiv 4,315; Traube, PL. 3, 54. Da er erst 862 Bischof wurde und Radbert damals nichtmehr am Leben, geschweige denn noch Abt war, so ist die Aufschrift Versus Engelmodiepiscopi nicht richtig, wie schon Traube p. 55 n. I gesehen hat. Daß diese Sammlung nichtvollständig sein kann, ergibt sich aus 1,44 Seria non nostri complaansse tibi, was aufGedichte dogmatischen oder hagiographischen Inhalts zu gehen scheint. Zu Agius s. Traubep. 55 n. I und Lupi Perrar. ep. 21 (Ep. 6, 29,11 ff.); die Pabel Vs. 103 f. führt Traube auf denProsa-Phädrus oder auf den lateinischen Babrius 1 ) zurück; vgl. G. Thiele, Der lat. Aesop(Heidelb. 1910) N. XXII S. 6872. 2 ) Den Adressaten des zweiten Gedichts sucht Traube(PL. 3, 747 f.) in Drogo, dem Bruder Ludwigs des Frommen, der 828 Bischof in Metz wurde.Das Gedicht an Radbert ist noch wortreicher und gespreizter als die andern. Zur Sprache undMetrik der Gedichte s. Traube p. 54 n. 5. Zum Reim in elegischen Gedichten s. Walah-frids (?) Gedicht 5, 50 (PL. 2,397), in hexametrischen ib. a p. 398 und 51. 53. 55. 57. 59.60(p. 399403). Zu den seltnen Worten s. Traube p. 54 n. 5 (camillus 3,79 kann aus Pauliep. Pesti p. 66, 7 ff. oder aus Serv. in Georg. 3, 301 stammen). Für die Gedichte dienten Vergilund Fortunat als Hauptvorbilder, s. die Noten bei Traube. Zu 1, 83 ff. ist Boethius Demusica 1, 1 benutzt, zu 1, 71 f. Isidor Etym. 16, 3, 2.

Einzige Hs. Paris. 7499 s. Xf. 5962 (verloren ist die von Labbe, Bibl. nova mscr.libr. p. 58 namhaft gemachte, s. Traube p. 747). Kritische Ausgabe (für 1 und 2 zugleicherste) von Traube, PL. 3,5566. Vgl. Ebert 2,232, Wattenbach 1, 302 n. 2.

56. Ratramnus von Corbie. Aeneas von Paris.

Ratram gehört zu den gelehrten und ausgezeichneten Mönchen, diedas Kloster Corbie um die Mitte des 9. Jahrhunderts zahlreich beherbergte.Er war befreundet mit Lupus von Ferneres, der 849 an ihn und an Hincmarschrieb, um den Bischof Hilmerad von Amiens zu stützen. Bald darauferhielt Ratram von König Karl den Auftrag, sich über die Prädestinationzu äußern, da im Jahr 848 der berüchtigte Streit hierüber ausgebrochenwar, und soeben der Bischof Prudentius von Troyes sich hierin hatte ver-nehmen lassen. So verfaßte Ratram 850 ein nicht gerade umfängliches,aber von großer Geistesschärfe und konsequentem Denken zeugendes Werkin zwei Büchern, das er dem König mit zwei Widmungen überreichte. Erwar sich hierbei bewußt, daß seine Anschauungen Widerspruch hervorrufenwürden; deshalb bat er den König, sein Werk nicht in viele Hände kommenzu lassen, trotzdem er es auf den Aussprüchen der Väter aufgebaut hatte.Die Tendenz des Werkes ist eine ähnliche wie in der Lehre Godescalcs,sie fußt auf der Annahme einer doppelten Prädestination, also auch derVorherbestimmung der Bösen. Der damaligen Zeit aber erschien dieserGlauben als häretisch.

Veranlassung zu einer Schrift über die Geburt Christi gab ihm eine, wieer sagt, in Deutschland geltende, von der herrschenden abweichende Ansicht,nämlich daß Christus nicht auf dem gewöhnlichen Wege aus dem Leib derMaria hervorgegangen sei, sondern einen übernatürlichen Weg benutzt habe,

J ) In Grenfell and Hunt, The Am- J 2 ) In Carm. 2, 7 ff. scheint auch Avian

herst Papyri Bd. 2 steht eine lateinische Ueber- | (8,1) benutzt zu sein. Die einzige Hs. des

Setzung einiger Babriusfabeln durch einen i Phädrus, die sich in alten Aufschriften zeigt,

Schulknaben. Zum griechisch-lateinischen ' lag in Murbach s. IX (Strafib. Philologen-

Aesoptext in einem Paris, s. Radermacher, . vers. S.272) N. 31 Fabula Aviani et Esopi et

Rhein. Mus. 57,144 f. : Phedri.