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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
fecerint, qui moliebantur aliud. Zur Ungewißheit des Todesjahres gegen Mabillon (Acta SS4,2, 126) s. Traube p. 39 n. 8.
Matthäuskommentar. Über dieses umfängliche Werk (Migne 120,31—994) hat kürzlich im Zusammenhang mit ähnlichen Schriften in aus-gezeichneter Weise A. E. Schönbach gehandelt (Wiener Sitzber. 146, IV,145—173). Auch hier wird S. 147 hervorgehoben, daß mit Buch 9 einweiterer und letzter Abschnitt einsetze. Die Aufforderung durch die Brüderund die Absicht, die Jugend zu belehren, erhellt aus Ep. 6, 138, 23 ff. und140, 9 ff.
Zu den Quellen, die Radbert Ep. 6, 141, 21 ff. nennt, fügt SchönbachS. 150 die Evangelienharmonie des sog. Ammonius und S. 167. 171 das Werkdes Adamnanus de locis sanctis. 1 ) Besonders stark wird Hilarius aus-gebeutet, aber auch die Weltgeschichte des Orosius nicht verschmäht.Trotzdem Radberts Auslegung in nicht geringem Maße sich an die Tätigkeitder Schule anlehnt und aus der Praxis des Lehrens erwachsen ist, so er-greift er doch im Prolog zum dritten Buche ziemlich heftig das Wort gegendie Beschäftigung mit den alten Autoren, die er doch so gern anführt, 2 )und wendet sich gegen die Erklärung von Ciceros Academica und SomniumScipionis und gegen die des Vergil, wie er auch sonst in ungewöhnlichemMaße polemisch auftritt (Schönbach S. 156 f.), worin er eine gewisse selb-ständige Stellung dem Stoff gegenüber zu erkennen gibt. Nicht sicher ist hin-gegen, ob er Griechisch verstanden hat. Die vielfache Erwähnung und derGebrauch griechischer Worte möchten diese Frage fast bejahen, 3 ) s. auchSchönbach S.152, zu dessen Stellen ich noch col. 290 G. 722 C. 855 D undaus andern Schriften 1096 D und 1536 C hinzufüge. Auch ein besonderesInteresse am Hebräischen gibt sich außer andern Stellen besonders De partuvirginis 1 col. 1369 B kund, wo einige Worte aus Gen. 3, 16 im Gegensatzzu Symmachus, Origenes, Theodotion und zur Septuaginta hebräisch richtigwiedergegeben werden. Andere charakteristische Merkmale des Werkessind von Schönbach S. 157—165 ausführlich gewürdigt worden, wo auchS. 166—172 die Mosaikarbeit in der Zusammensetzung der Quellen an dreiKapiteln erwiesen wird.
Das Werk ist nur wenig abgeschrieben worden. In alten Katalogen habe ich es nurentdeckt in Corbie s. XII (B. 79, 270) Ratbertus in Matheum. Ueberlieferung von Buch 1—4im Paris. 12296 s. IX, von 5—8 im Paris. 12297 s. XII, von 9—12 im Paris. 12298 s. XII.Ausgaben: Eadberti op. ed. Sirmond p. 1 ff. Migne 120, 31 ff.; die wichtigsten Vorredenkritisch hrsg. von E. Dümmler, MG. Ep. 6,138—149.
Vita Adalhardi. Über die Entstehung dieses Werkes hat Traube(Münch. Abhdl. 19, 310 ff.) die Erklärung gegeben, daß nach dem Tode Adal-hards an die mit Corbie verbundenen Konfraternitäten ein Rotulus (Toten-rolle) gesandt wurde, den Radbert geschrieben hatte. Diese erste Nieder-
: ) Benutzt ist das Werk Migne 120,124 B. 125 C und 980 C D, aber nicht 149 A.
2 ) Er verdankt ihnen nicht wenig, s. dar-über Schönbach S. 153. 155. PhysiologischeLiteratur ist benutzt col. 53 A (Jungen desLöwen), 420 D (Schlangen), 422A(Taube); vgl.Monac. 14388 s.IX f. 173 a; die zwei anderenStellen vergleichen sich mit diesem Physio-
logus nicht.
8 ) Gegen nähere Kenntnis der Sprachewürden allerdings die Worte in der Aufschriftder Ekloge zur Vita Adalhardi (PL. 3,45) aliampropter amorem caritatis Fillidis nominesprechen, da hier Fillis mit (pilög zusammen-gebracht wird.