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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
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Radbert von Corbie. 4Ol

aetemi testamenti von ihm gedeutet würden; Amalar sendet ihm darauf seinVerständnis der Worte mit Hinweisung auf Exod. 24,6 und 8. Ferner hatteein Abt Hetdo bei ihm angefragt, welcher Autor bei dem Wort Seraphinzwischen maskulinischem und neutralem Geschlecht unterscheide; er weistden Fragsteller auf eine Stelle des Ezechielkommentars Gregors des Großenund auf Bedas Schrift über die Stiftshütte hin und verbindet damit zugleicheine Belehrung über Cherubin. Ausführlich beantwortet Amalar die Frageseines Schülers Guntard, der bei Florus ein junger Bischof genannt wird, 1 )warum er nach dem Genüsse des Abendmahls gewöhnlich ausspucke, wasman bei andern Priestern nicht sehe; er motiviert diese Gewohnheit damit,daß sie seiner Gesundheit zuträglich sei. Der Brief wurde übrigens späterdurch Florus stark inkriminiert bei Gelegenheit eines Angriffs auf AmalarsSatz Corpus Christi esse triforme et tripertitum. Es ist dies das Schreibendes Florus an fünf hohe Kleriker Ost- und Westfrankens, in dem auch aufein verlorenes Werk Amalars satirisch hingewiesen wird (Ep. 5,268,20)Novissime nunc novum digessit volumen et apud Lugdunum ornate indui acvittis sericis distingui fecit: quod ad palatium ferens vel pr\ncipi vel magistroconciüi dicitur oblaturus . . Vocat huius insulsissimae garrulitatis librumembolim opusculorum suorum et rectissime omnino; est enim midtipliciumerrorum eius velut cameli gibbus procrescens ac redundans augmentum. Jeden-falls bezog sich das Werk auf die zu Kiersi angebrochenen Streitfragenund war eine Rechtfertigungsschrift und hatte also nichts zu tun mit eineranderwärts genannten und verlornen Schrift über die Bücher der Könige, 2 )wenn überhaupt jener Amalheri mit Amalar zu identifizieren ist und dasVerständnis der Stelle richtig ist; denn es erscheint nach Amalars sonstigerSchriftstellerei nicht recht glaublich, daß er einen Bibelkommentar ge-schrieben habe. Zwei andere, ihm beigelegte Briefe können ihm nichtwirklich angehören.

Die Ueberlieferung der oben erwähnten Briefe weist auf ein größeres oder kleineresCorpus von Amalarbriefen bin, 3 ) aus dem wohl nur ein kleiner Rest erhalten ist. Dieserfindet sich im Sangall. 278 s.IX, Vindob. 914 s. X, Paris. 2399 s. XI, Vatic. 1146 s. XI, Mo-nac. 16105 a s. XI, deren Mehrzahl auch andere Schriften Amalars enthält. Einzelne Briefesind auch anderwärts zerstreut überliefert, s. Dümmler, Ep. 5, 259 ff. Kritische Ausgabedieser Briefe Ep. 5, 259266 (N. 811). Zu den zwei anderen Briefen 12 und 14 s. Mönche-meier S. 107 II und G. Morin, Rev. Ben6d. 1891, 433; der letztere Brief würde ein einfachesDuplikat zu N. 2 sein. Gesamtausgaben der Schriften Amalars in der Max. Bibl. patrumLugdun. tom. 14 und Migne 105, 815 ff. Vgl.Wattenbach 1, 308f. Ebert2,221f. Sahre,Prot. Realenzykl. 3 1, 428 ff.

55. Radbert von Corbie.

Radbert, der sich gern mit dem Beinamen Paschasius bezeichnet, istzu unbekannter Zeit und an unbekanntem Ort geboren. Er wurde imMarienkloster zu Soissons 4 ) erzogen und trat dann in Corbie als Mönch

x ) Ep. 5, 269,10.

a ) Im Besitz Friedrichs von Salzburg s. X(B. 34, 14) wird genannt liber regum Amal-heri. Die mir gütigst von O. Holder-Eggergeliehene Abschrift Wattenbachs bat abernach regum einen Punkt, und so ist es frag-

lich, ob die beiden ersten Worte zu Amal-heri gehören.

3 ) Das geht auch aus den für N. 8 und8 a mitüberlieferten Antwortschreiben hervor.

4 ) Später hat er das Martyrium des Ru-finus und Valerius, zweier Heiligen aus der

Handbuch der klass. Altertumswissenschaft. IX. 2. 26