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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

Hss.: Cantabrig. Corp. Christi Coli. 192 a. 902; Vindob. 914 s. X; Paris. 9421 s. X, 2852s. X, 1 ) 329 s. IX; Einsidl. 109 s. X; Sangall. 278 s. IX; Vatic. 1146 und 1147 s. XI. Daß schonvor Wilhelms Auszug ein solcher vorhanden war, ergibt der Katalog von Lobbes 1049 (Revuedes bibl. 1, 12, 124) Excerptum de eodem Hb. I vol. I, vgl. auch Mönchemeier S. 204. Aus-gabe: Migne 105, 985 ff.

Liber de ordine antiphonarii. Im Prolog zu der Schrift hat Amalarseine auf die Herstellung eines richtigen Antiphonars bezüglichen Nachfragenund Forschungen in Rom und Corbie klar auseinandergesetzt (vgl. Migne 105,1243AB) und er erwähnt dort, daß der Papst Gregor ihn an den Arehi-diakon Theodor gewiesen habe, der ihn bei seinen Nachforschungen unter-stützen sollte (1245C und c. 44 col. 1292 C). In dieser Schrift führt Amalarsein Offizienwerk an (c. 44 col. 1293A) und gibt c. 72 und 73 (1309Bund1310A) aus Anth. lat. 640 die Verse 7-—9, außerdem c. 72 einen Horazvers,aber wahrscheinlich aus zweiter Hand; auch gibt er eine Stelle aus Co-minian. 2 ) Überhaupt zeugt das Werk von literarischer Kenntnis und Um-sicht, und es gewährt doch überhaupt einen klaren Einblick in die völligeVerschiedenheit der fränkischen und der römischen Kirche, wenn man sieht,wie der fränkische Bischof wegen der Offizien und Antiphonen sich in Kornbemüht, dort aber keine genügende Auskunft erhält und dann aus heimi-schen und römischen Antiphonaren ein neues, nach seiner Ansicht ge-reinigtes herstellt. Jedenfalls fällt der Vergleich sehr zugunsten desfränkischen Klerus aus, der sich in der Ferne unterrichtet, neues Materialzusammenträgt und verarbeitet und sich damit als schaffensbedürftig aus-weist, während man in Bom ruhig bei der alten Überlieferung bleibt unddiese nicht einmal richtig zu erklären versteht. Übrigens wird das Werkin alten Katalogen nirgends ausdrücklich genannt, ist aber wohl mehrfachdort mit dem Offizienwerk in Verbindung gewesen. Nur das Werk überdie Messe wird noch besonders in Lobbes angeführt (Rev. des bibl. 1,12,124).Ausgabe bei Migne 105,1243—1316 und das Werk über die Messe 3 ) da-selbst 1315—1332.

Kleinere Schriften. Außerdem haben sich noch einige Briefe Amalarserhalten. So erkundigt er sich beim Erzbischof Jeremias von Sens, obder Name Christi Jhesus, Gisus oder Jesus geschrieben werden müsse,worauf ihm die Antwort zuteil wird, daß Porphirius in seiner Anacrostica 4 )Jesus geschrieben habe; und bei Jonas von Orleans fragt er an, ob manrichtig IHC oder IHS abkürze, und er erhält als Antwort, daß die letztereSchreibweise lateinisch die richtigere sei. In sein eigentliches Gebiet schlugdie Anfrage, die Bischof Rantgar von Noyon an ihn richtete, wie dieEinsetzungsworte Christi für den Kelch beim Abendmahl bezüglich novi et

gula s. Benedicti praecipui abbatis ist nachMönchemeier S. 75 ff. eine Fälschung Ade-mars.

') ImParis.11580 s.XII istAgobardsBildvorhanden, s. Delisle, Le cab. des mscr. 2,114; diese Hs. stammt aus Corbie und istmit der Aufschrift Corbie 1200 (B. 136, 147)identisch.

2 ) Cap. 18 col. 1274D Neuma graecum estet interpretatur mutum tit Comminianns gram-maticus dicit; die Stelle steht aber nicht bei

Charisius, und es ist daher möglich, daßAmalar noch den Cominian benutzt hat, wiePetrus von Pisa ja auch eine bei Charisiusfehlende Stelle zitiert (Hagen, Anecd. Heiv.167. 6 ff.).

3 ) Die auf col. 1326 B angeführten Versesind wohl von Amalar selbst, während diecol. 1323 A zitierten andere Herkunft ver-raten.

4 ) Porfirius ed. L. Müller p. 40.