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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
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Amalarius. 397

kirchlichen Festen und Ämtern, sogar der Gewandung der Priester einenI oft weither geholten mystischen Sinn unterzulegen. Den Stoff schöpft ernach Sitte der Zeit aus den Werken der Väter und stellt mit üblicherBescheidenheit an das Ende des kompilierten Wortlautes, wo er selbst zureden anfängt, ein Kreuz. Das Werk widmete er der Autorität halber demKaiser selbst und hängte dem Widmungsbriefe eine Reihe gebetsäbnlicherFloskeln für Ludwig, Judith und die kaiserlichen Söhne an. Die Schriftselbst war besonders für den Klerus bestimmt zur eigenen Informierung undzur Belehrung für das Volk. Später hat er unter Verwendung römischerMitteilungen das Werk noch einmal umgearbeitet, als er nämlich 831 mitZustimmung des Kaisers nach Rom gereist war, um von Gregor IV. einrömisches Antiphonar zu erbitten.

Amalar trug sich nämlich mit dem Plane, ein Antiphonar für die MetzerKirche zu gewinnen, das die ursprüngliche Anordnung und den richtigenText besaß. Aber er konnte in Rom kein Exemplar erhalten, da Wala einigeJahre früher die entbehrlichen Exemplare mitgenommen hatte. Sie befandensich jetzt in Corbie, wohin sich Amalar nach der Rückreise aus Italienwandte. So entstand nun ein Antiphonar, das eine gewisse Harmoniezwischen der Römer und der Metzer Tradition herstellte. Zur Rechtfertigungund Erklärung seiner Arbeit verfaßte Amalar den Liber de ordine antiphonarii.Aber er stieß sowohl in Hinsicht dieser Arbeiten wie auch des kirchlichenOffizienbuches auf den scharfen Widerstand Agobards von Lyon, der inmehreren Streitschriften besonders gegen die Worte und Texte loszog, dieAmalar nicht aus der heiligen Schrift übernommen hatte. Doch als Agobardbeim Kaiser in Ungnade gefallen war, wurde Amalar 835 als Chorbischofin Lyon eingesetzt und versuchte nun auch hier die Liturgie nach seinenGrundsätzen zu reformieren. Da erwuchs ihm in dem Diakon Plorus einheftiger Gegner, der ihn mit Wort und Schrift bekämpfte und ihm besondersauf der Synode von Kiersi hart zusetzte. Namentlich vermochte ihm Florusnicht in der mystischen Auslegung zu folgen, die er im Offizienbuche soreichlich angewendet hatte. In Kiersi wurden Amalars anscheinend ketze-rische Ansichten zurückgewiesen 1 ) und als nun Agobard nach Lyon zurück-kehrte, mußte natürlich Amalar weichen, dessen Schriften nun aufs neuevon Agobard scharfer Kritik unterzogen wurden. Später ist Amalar, dessenSchriften trotz ihrer Verurteilung ziemlich viel Anhänger fanden, noch einmalals Theologe bedeutsam hervorgetreten, als es sich um den Streit mit Godescalchandelte. Hinkmar und Pardulus wandten sich nämlich auch an ihn, umgegen Godescalc und Ratram Stellung zu nehmen; es ist aber nicht sicher,ob und wie Amalar hierauf einging. Als um 853 ein Kleriker von Lyoneine Schrift De tribus epistolis verfaßte, war Amalar schon gestorben. Ausder Schrift aber wird ersichtlich, daß sich das Andenken des Mannes inLyon nicht gebessert hatte. Vielleicht brachte Amalar seine letzten Lebens-jahre in St. Arnulf in Metz zu. Sein Andenken ist übrigens durch die Streitig-keiten mit Agobard und Plorus nicht wesentlich beeinträchtigt worden, denn

a ) Namentlich der Satz Triforme est, corpus | 1154 D) und Florus adv. Amalariuml,4(MigneChristi, vgl. de off. eccl. 8, 35 (Migne 105, 1 119,74 0).