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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Die meisten der umfangreichen Kommentare sind noch nicht ediert, Gesamtausgabe derbisherigenDruckebeiMignel04,615—918. — Ebert 2,222ff. Dümmler, MG.Ep.4,586-589und Berl.SB. 1895,427—443. Laville, Claude de Turin (Toulouse). Emilio Comba, Claudiodi Torino (Firenze 1895).
54. Amalarius.
Amalar hat noch den Unterricht Alchvines genossen und ist in seinerJugend in Tours gewesen. Frühzeitig scheint er zum Bischof von Triererhoben zu sein, ein Amt, das er etwa von 809 bis 814 bekleidet hat. Indieser Zeit erließ Karl auch an ihn sein Rundschreiben über die Taufe,durch dessen Beantwortung der Kaiser über den Grund der zu der Gesamt-handlung nötigen Einzelvorrichtungen aufgeklärt sein wollte. Amalar be-antwortete die einzelnen Fragen zu Karls Zufriedenheit und erhielt vondiesem ein Dankschreiben. Vielleicht schon etwas früher wurde er vomKaiser nach Nordalbingien gesandt, um die zu Hamburg neuerbaute Kirchezu weihen, und 813 war er bei der Konsekration des Bischofs Frothar vonToul durch Vulfarius von Rheims tätig. In demselben Jahre betraute ihnKarl mit einem wichtigen diplomatischen Amte. Es galt damals für denKaiser, die von dem neuen oströmischen Kaiser Michael an den fränkischenHof gesandte Botschaft durch eine Sondergesandtschaft zu beantworten, undKarl bestimmte hierzu Amalar und den Abt Petrus von Nonantola. Als diefränkischen Gesandten jedoch in Konstantinopel anlangten, war Michaelschon gestürzt und sein Nachfolger Leo V. empfing sie. Nach längeremAufenthalt in der fremden Hauptstadt und nach gefahrvoller Meerfahrt, dievon Amalar in einem formal sehr unzureichenden Gedicht dargestellt wurde,kehrten sie in die Heimat zurück. Außer diesem Gedicht hatte Amalar aufder Heise ein Werk über die Messe zusammengestellt*) und beide Schriften,zusammen mit der Abhandlung über die Taufe und mit den zwei BriefenKarls schickte er nach der Rückkehr seinem Mitgesandten Peter auf dessenBitte zu. Bald darauf muß er seine bischöfliche Würde niedergelegt undeine Abtei erhalten haben 2 ) und in solcher Stellung wandte er sich anHildvin von St. Denis mit der Bitte um geistliche Belehrung über die Zeitendes Fastens und über andre kirchliehe Übungen; die Veranlassung zu dieserBitte lag darin, daß er auf seiner Reise auffällige Unterschiede zwischendem Gebrauche des Westens und des Ostens in Erfahrung gebracht hatte.Nach dem Jahre 820 veröffentlichte Amalar dann das Hauptwerk seinesLebens De ecclesiasticis offieiis. Diese umfängliche Schrift erwuchs ausseinem Wunsche, die Gründe für die bestehende Gottesdienstordnung sichzu erklären: zum rechten Verständnis des Meßopfers und der anderenZeremonien sei es aber vor allem nötig, nach den Gedanken und Absichtender Väter zu forschen. Doch ist Amalar weit davon entfernt, eine historisch-genetische Untersuchung anzustellen, denn dergleichen wäre über das geistigeMaß der damaligen gebildeten Geistlichkeit weit hinausgegangen. Vielmehrbegnügt er sich damit, den einzelnen gottesdienstlichen Gebräuchen, den
] ) Eine spätere Neubearbeitung sind wohldie Eclogae de officio missae etwa aus J. 838,deren Schluß R. Mönchemeier (Amalar vonMetz S. 254 ff.) herausgab, s. auch S. 93 ff.
2 ) Daß er nicht mit dem Abt Amalhartvon Hornbach identifiziert werden darf, hatR. Sahre, Der Liturgiker Amalarius S. XXIIauseinandergesetzt; vgl.MönchemeierS.25.