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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Claudius von Turin. 391

habe, unter denen Augustin ebenso hervorrage, wie unter den Gliedern desHauptes die Zunge. Wahrscheinlich war er, als Justus sich an ihn wandte,mit der Erklärung des Galaterbriefes beschäftigt, die er vielleicht noch 815an Abt Dructeramnus sandte, der ihn vor drei Jahren, als er noch in derAuvergne weilte, um den Kommentar zu einem paulinischen Briefe gebetenhatte. Er bemerkt in der Widmung, er habe die Schrift aus den betreffendenErklärungen von Augustin und Hieronymus zusammengestellt, jedoch auchandre Werke Augustins benutzt; übrigens besitze er zu den übrigen BriefenBruchstücke eigner Erklärungen, die er mit der Zeit vervollständigen werde.Hiervon muß der Kaiser erfahren haben, denn er wünschte die Erklärungder Briefe an die Epheser und Philipper von Claudius zu besitzen, die ihmdenn auch ein Jahr später, als der Galaterkommentar fertiggestellt war,zuteil wurde, 1 ) wobei Claudius eben diesen Kommentar dem Widmungs-exemplar an den Kaiser voranstellte. Wahrscheinlich war er kurz vorhervon Ludwig zum Bischof von Turin erhoben worden, denn er erklärt indem Briefe, noch Bruchstücke zu weiteren Pauluskommentaren zu besitzen,zu deren Vollendung er aber jetzt nicht kommen könne, da ihm Ludwigin diesem Jahre schwere Pflichten auferlegt habe. Der große Bibelkennerund Bibelinterpret mochte dem Kaiser besonders dazu befähigt erscheinen,die wenig nach der Kirche und ihren Lehren fragende Bevölkerung Ober-italiens auf den rechten Weg zu führen; er ahnte nicht, daß dieses MannesDurst nach Wahrheit hier der allgemeinen Kirche besondere Schwierig-keiten bereiten werde. Zunächst vollendete Claudius aber seine Kommen-tare zu den Paulusbriefen; die Kommentare zu den Briefen an die Römerund Korinther sowie zum Hebräerbrief widmete er dem Abt Theudemirvon Psalmody und ging in ihnen regelmäßig von Augustin aus, dessenSchriften von ihm im höchsten Maße verehrt und so eifrig studiert wurden,daß er als der beste Augustinkenner der ganzen Zeit zu gelten hat, dereigentlich allein dem Fluge dieses großen Geistes folgen konnte. 2 ) Abergerade deswegen wurde Claudius vom Klerus nicht verstanden, und vonhier aus erfolgte der erste Angriff gegen ihn (ep. 5 p. 599, 24 ff.). Er klagtnämlich in der Widmung zum Korintherkommentar an Theudemir, daß erfrüher in seiner Armut mehr in den heiligen Schriften habe studieren können;jetzt müsse er als Bischof sich vielen weltlichen Sorgen hingeben, im Winterbeschwerliche Reisen an den Hof unternehmen und mitten im Frühjahr(wohl 820), 3 ) um die Seeküste gegen Agarener und Mauren zu schützen,bewaffnet in den Krieg ziehen. Er hätte das jetzige Werk sowie die Er-klärung zum Pentateuch nicht übernommen, zu denen er von ihm undden Schülern in der Hofschule, denen er auf Befehl des Kaisers die Bibelerklärt, aufgefordert worden sei, wenn er die gegenwärtigen Nöte seines

Ambrosius, Hieronymus, Augustin, Rufin, Jo-hannes, Fulgentius, Leo, Maximus, Gregorund Beda.

Auch hier (ep.4, MG. Ep.4. 598, 22ff.)

tung des Claudius, die Augustins Theorienin Wirklichkeit umsetzen wollte, macht C.Schmidt, Ztschr. f. d. hist.Theologie 13,45ff.aufmerksam. Im Gefolge seiner augustmischen

hebt Claudius den Augustin als seinen Haupt- ' Tendenzen hat Claudius sogar inep. 6 p. 601,

führer hervor. I 1 ff. eine längere Stelle aus Cicero dem Augustin

2 ) Vgl.H.Reuter, Gesch. d. relig.Aufkl. | entlehnt,

im Mittelalter 1,19 ff. Auf die praktische Rieh- | 3 ) Vgl. Ann.regniFranc. ed. Kurze p.153.