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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

J.F.Marcks, Diepolit.-kirchl.Wirksamkeitd.Erzb. Agobard v.Lyon,Viersen 1888. Rob.Enge,De Agobardi arcbiep. Lugdun.cum ludaeis contentione. Freiberg 1888. Ebert 2,2101?. Reuter,Gesch. d. relig. Aufklärung im Mittelalter 1, 2441.

53. Claudius von Turin.

Da der Bischof Claudius fast ausschließlich als theologischer Schriftstellerin Betracht kommt, so kann er hier nur kürzer erwähnt werden. Claudiusstammte aus Spanien und soll der Schüler des Adoptianisten Felix von Urgelgewesen sein. Dann wäre er vielleicht im Jahre 800 mit diesem ins Franken-reich gekommen. Er wandte sich wohl zuerst nach Lyon, wo ihn ErzbischofLeidrat mit Erfolg in das Bibelstudium einführte und wo er den erstenseiner zahlreichen Bibelkommentare, den zur Genesis, begann. Er muß dortein gutes Andenken hinterlassen haben, denn als sich Leidrat später nachSoissons ins Kloster zurückgezogen hatte, beklagte er sich im Jahre 821bei dem Abt Theudemir von Psalmody, daß ihm Claudius seit so langerZeit nicht geschrieben habe, und versprach, bald an ihn schreiben zu wollen.Der Genesiskommentar scheint Claudius lange beschäftigt zu haben, da erin ihm die historische und allegorische Erklärungsweise anwandte, er be-endete ihn erst kurz vor dem Jahre 811 und sandte ihn an Abt Dructeramnus.Damals befand er sich schon längere Zeit als Presbyter bei König Ludwigan dessen aquitanischem Hofe; von der Pfalz Chasseneuil *) aus datierteerdie Widmung zu seinem ersten Kommentar, in dem er nach dem VorgangeBedas 2 ) die Quellen deutlich angab; den Empfänger aber und den Leserbittet er, sein Werk nicht nach dem schlichten und ungebildeten Stil zubeurteilen, in dem es geschrieben sei, was er in einem Briefe an AbtTheudemir von Psalmody damit entschuldigt, daß er zum Studium der welt-lichen Literatur nicht gekommen sei und keinen Lehrer darin gehabt habe.Das Werk hat sich nur in einer einzigen im Jahre 811 zu Chasseneuil voneinem Faustinus geschriebenen Handschrift erhalten.

Nach Karls Tode ist Claudius bei Kaiser Ludwig am Hofe geblieben,da er sich durch hervorragende Bibelkenntnis auszeichnete, was späterauch seine theologischen Gegner zugeben mußten. Im Jahre 815 3 ) bat ihnder Abt Justus von Charroux, als er eben mit einem andern Werk beschäftigtwar, eine Erklärung zu Matthäus zu schreiben. Er gehorchte diesem Wunscheund schrieb ein sehr umfängliches Werk, das er allerdings wegen seinerArmut, wie er sagt, und wegen körperlicher Gebrechen nicht erst aufWachstafeln, sondern gleich auf Pergamentblätter aufgezeichnet hatte, waser dem Justus entschuldigend mitteilt, wobei er ihn bittet, das Werk baldigstabzuschreiben und die Urschrift zurückzusenden, da es seinen Brüdern d. h. der übrigen Hofgeistlichkeit noch unbekannt sei. Auch hierspricht Claudius ziemlich ausführlich von seinen Quellen, 4 ) die er benutzt

') Auch in der Pfalz Ebreuil in der Au-vergne hat er sich wahrscheinlich aufgehalten,s. ep. 3 (MG. Ep. 4, 596, 21 ff.).

2 ) Später schrieb er an Theudemir ep. 7(MG. Ep. 4, 603. 7), daß Beda dies nur inseinen Erklärungen zu Marcus und Lucas ge-tan habe.

3 ) In dies Jahr fällt nach ep. 2 (MG. Ep.4, 593, 37 ff.) die Bitte des Justus; der Briefaber und die Uebersendung des umfangreichenWerkes fällt wohl einigeZeit später und durftevon Du mm ler kaum zum J. 815 gesetztwerden.

4 ) Er nennt p. 594, 12 Origenes, Hilarius,