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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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386 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

in der von ihm verbesserten Gestalt in Lyon einzuführen. Diese Verbesserung,zu der vier von Wala aus Rom mitgebrachte Antiphonare benutzt wurden, 1 )brachte Agobard in der heftigsten Weise gegen Amalar auf, so daß er eineSchrift über den Kirchengesang schrieb, in der er alle volkstümlichen Psalmenund Hymnen, sowie jeden poetischen Erguß, die den Wortlaut der biblischenStelle beeinträchtigten, abwies. Diese Schrift 2 ) diente zur Einführung einerzweiten über die Verbesserung des Antiphonars, die Agobard wieder dem vonihm verbesserten Antiphonar voranstellte. Er hatte in diesem alles dasausgelassen, was ihm überflüssig, unbedeutend, irreführend und lästerlicherschien und eine Einleitung Leidrats vorangestellt, und in seiner eignenEinführung verteidigte er sein Verfahren durch eine Reihe von Beispielen.Außerdem griff er Amalar noch in einer andern Schrift 3 ) an; sie wendetsich gegen dessen vier Bücher der kirchlichen Offizien und legt einige Stellenaus diesem Werke als falsch dar. Die Einigkeit der Lyoner Kirche gegenAmalars Neuerungen ergibt sich daraus, daß auch der Diakon Florus eineheftige Anklageschrift gegen diese Offizien wie gegen die andern WerkeAmalars schrieb. Außerdem hat Agobard noch zwei Schriften verfaßt, dereneine sich gegen die Bilderverehrung wendet und diese mit sehr scharfenWaffen bekämpft, die nicht nur der Bibel, den Vätern und den Konzils-beschlüssen, sondern auch dem einfachen Menschenverstände entlehnt werden.Agobard geht hier viel weiter als Jonas vor und berührt sich in manchemmit den als Häresie gekennzeichneten Auffassungen des Claudius von Turin.Die andere behandelt im Ton einer Homilie die Wahrheit 4 ) des katholischenGlaubens, zu dessen Erfassung es nicht nötig sei, den Ort zu wechseln undaus dem Reich zu einem andern Volk zu ziehen, da Gott ja überall zufinden sei (c. 2). Nach einem langen und arbeitsvollen Leben ist Agobardzu Saintes am 6. Juni 840 gestorben.

Zu bemerken ist hier, daß Agobard der Kirche zu St. Stephan in Lyoneine höchst wertvolle Handschrift gestiftet hat; nämlich den Paris. 1622s. IX, der den Vermerk auf fol. 3 a trägt. Jener Codex enthält Schriftendes Tertullian und ist wohl deren älteste Beurkundung im Mittelalter, dadie Aufschriften aus Lorsch 5 ) vielleicht etwas später fallen. Überhauptwird Tertullian von allen Kirchenvätern im Mittelalter am seltensten genannt.Es fragt sich nun, ob ein Einfluß Tertullians auf Agobard als Schriftstellerzu konstatieren ist, was erst durch Einzeluntersuchung nachzuweisen wäre.Vielleicht hat er von ihm die Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit des Tones.

Zeugnisse. Die Daten für das frühere Leben 6 ) stehen zum Teil nach Selbstaufzeich-nung in einer römischen Beda-Hs., hrsg. von Pertz, MG. SS. 1, 110 (als Ann. Lugdunenses)

*) Vgl. Bibl. patrum (Paris 1644) 10, 503.

-) R. Mönchemeier, Amalar von Metz(Münster 1893) S. 60 ff. legt sie wohl ohne ge-nügenden Grund dem Florus bei.

3 ) Hier ist c. 2 (Migne 104, 340 C) eineder ganz seltenen Stellen, an denen AgobardDichterworte (Prud. Cathemer. 7, 161 ff.) an-führt. Vgl. de imagin. 2 (M. 104, 201 B).

4 ) Der Wortlaut ist nach dem Schriften-verzeichnis im Paris. 2853 s. IX f. 1 (s. Ep. 5,150) hier gestört, vielleicht ist de fielet curazu lesen, was zu boni institiitione passen würde.

5 ) B. 37, 320. 321 p. 106. Vielleicht ge-hört auch Fulda s. XVI (Beihefte z. Zentralbl.f. Biblw. 26,106) Rep. 9 Ord. 4, 16 Apologeti-cumTertulliani contra Iudeos noch ins9.Jahrh.

6 ) Aus der Zeit vor seiner Absetzungstammt höchst wahrscheinlich ein in sapphi-schen Rhythmen geschriebenes Gedicht, dasihm ein Spanier gewidmet hat; denn die Ortho-graphie des Gedichts weist durchaus aufSpanien (falte, praeinstruimt = perinstruunt.acervitas. Bibrant. obto. quoaevus). Es besitztdas Akrostichon Agöbardo pax und steht im