Agobard von Lyon.
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überlegen sei. 1 ) Alsbald ließ auch Agobard wieder von sich hören. Dennals die Heere sich zusammengezogen hatten, erschien eine Flugschrift vonihm, die er an alle Welt richtete. Hierin hatte er jede Rücksicht und Scheubeiseite geworfen und erzählte nun frei und offen allem Volke von demProzeß gegen die Kaiserin Judith, deren Untreue die Schuld an dem großenZerwürfnis gegeben wird. Diese Schrift ist trotz ihrer geistlichen Färbungmaßlos heftig gehalten; sie redete so offen, daß nach ihrer Kenntnisnahmeder schmähliche Verrat, den man auf dem Lügenfelde an Ludwig beging,sich beinahe rechtfertigen läßt. Und auch an den weiteren demütigendenSchritten gegen den Kaiser nahm Agobard besonders teil. In einer neuenSchrift mit passenden Beispielen aus dem Alten Testament rechtfertigteer die über Ludwig zu verhängende Kirchenbuße oder bereitete vielmehrdas Gewissen des Volkes auf sie vor. 2 ) Und über die Buße selbst setzteAgobard ebenfalls ein Schriftstück auf, wie sie auf der Synode zu Compiegnebeschlossen wurde und sich dann im Medarduskloster zu Soissons abspielte.Hier handelte Agobard in vollem Einverständnis mit dem Erzbischof Ebovon Rheims, der ihn schon früher mündlich zu einer Sammlung biblischerStellen über die Furcht aufgefordert hatte, eine Bitte, die Agobard durchein Handbuch über Hoffnung und Furcht erfüllte, von dem sich aber nurdie Vorrede an Ebo erhalten hat.
Uns mag heute die spätere Politik des Mannes nicht gefallen, abertrotzdem haftet ihm etwas Ehrfurchtgebietendes an. Er ist ganz ein Mannder Tat, kein Gelehrter und Schönschreiber, und doch ein in gewissemSinne glänzender Stilist, denn er zündet in seinen Schriften und reißt mitsich fort, wahrscheinlich besonders deshalb, weil er an das glaubt, was erschreibt. Und über Nichtigkeiten und Sophistereien hat er nicht geschrieben,es sind stets den Geist und das Gewissen bewegende und aufregende Momente,über die er sich klar und kurz ausläßt.
Aber auch diesem bedeutenden Manne, der mehr als ein andrer Geist-licher seiner Zeit die Gewissen von halb Europa leitete, schlug die Stundeder Erniedrigung. Als der Kaiser 835 nämlich restituiert worden war,wurde Agobard entweder abgesetzt oder er entfloh aus seinem Sprengel;wahrscheinlich wandte er sich an Kaiser Lothar' nach Italien. Doch hater durch Ludwigs Gnade sein Bistum zurückerhalten, als Lothars Sacheganz aussichtslos geworden war. Aber auch die letzten Jahre seines Lebenswaren nicht ohne Kampf, und mehrmals noch bediente sich der streitgewohnteHerr der Feder, um zum Siege zu gelangen. Als er nämlich vertriebenwar. scheint der frühere Bischof und spätere Abt Amalar eine höhereStellung in Lyon 8 ) erlangt zu haben, die er dazu benutzte, das Antiphonar
') Dieser Satz ist damals allerdings nochrein theoretisch zu verstehen, die praktischeNutzanwendung sollte aber nicht lange aufsich warten lassen, denn dieKirchenbußeLud-wigs hat sie schon gebracht.
-) So heißt Ludwig erst in c. 2 (Migne
104, 316 A) christianissimus et piissimus im-
perator domnus Ludov Ichs, und später c. 6(col.
319 B) domnus dudum Imperator, c. 7 (col.
Handbuch der Mass. Altertums-wissenschaft. IX,
320 A) domnum quondam nostrum imperato-rem . . . necessarium est religiosissimo quon-dam imperatori ut redeat ad cor sunm agat-que poenitentiam.
3 ) Florus nennt ihn ep. 18 (MG. Ep. 5,268, 8) per praelatum eins Amalarium. Derganze Brief ergeht sich aufs heftigste gegenAmalar und bekundet, daß Florus eines Sinnesmit Agobard geblieben war.
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