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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
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Agobard von Lyon. 383

| fest an das geltende Recht und wiesen sogar Schriftstücke des Kaisersgegen ihn und den Vizegrafen von Lyon zu ihrem Schutze auf. Deshalbschrieb jetzt Agobard an den Kaiser selbst und legte ihm alle Klagepunktewider die Juden dar, als deren letzten er aufführt, daß die Juden in Lyonund anderwärts Christen geraubt und nach Spanien verkauft hätten. Wahr-scheinlich blieb auch dies Schreiben ohne den gewünschten Erfolg, unddaher vereinigte Agobard in einem neuen Schreiben seine eindringlichstenVorstellungen mit denen des Erzbischofs Bernhard von Vienne und desBischofs Faof von Chälons, indem er dem Kaiser auseinandersetzt, welchemAberglauben und irrigen Vorstellungen die Juden ergeben seien, und rätam Schlüsse dem Kaiser, es möchten alle Stellen einmal gesammelt werden,die sich in den Werken der Väter als Erklärung oder Verkündigung bibli-scher Stellen über den Antichrist fänden, da man es bei den Juden dochmit diesem zu tun habe. Diese umfängliche Schrift gründet sich in ihremersten Teile fast ganz auf Aussprüche der Väter. 1 ) Wahrscheinlich warim südlichen Gallien das Christentum den Angriffen der Juden besonders'preisgegeben, denn Agobard beruhigte sich auch jetzt noch nicht, sondernwandte sich an seinen Amtsbruder, den Erzbischof Nibridius von Narbonne.Er teilt ihm mit, daß er kürzlich allen seinen Diözesanen jeden engerenVerkehr mit den Juden verboten habe. Deren Rabbiner Evrard 2 ) sei aller-dings in Verbindung mit Beamten dagegen aufgetreten und habe kaiserlicheEdikte vorgeschützt, aber bis zur Stunde habe er nicht nachgegeben; erbeschwöre den Nibridius, seiner Pflicht als Bischof eingedenk zu sein undseinen gesamten Klerus zur Abwehr gegen die jüdische Gefahr zu verbinden.Aus diesen Agitationsschriften gegen die Juden erkennt man deutlich, daßAgobard durch den Widerstand, den er fand, bewogen wurde, immer weiterzu gehen, und es am liebsten gesehen hätte, daß man überhaupt allen Ver-kehr mit den Juden abbrach; allerdings scheint seine Polemik keinen Erfolggehabt zu haben.

Griff Agobard in dieser wichtigen Angelegenheit als Kirchenfürst sogarein kaiserliches Edikt an, so nahm er an andern weltlichen Dingen durchpublizistische Schriftstellern ebenfalls den bedeutendsten Anteil. So hatteer 822 beim Reichstag zu Attigny in ausführlicher Rede den Gedanken derRestitution der Kirchengüter angeregt, die seit der Zeit Karl Martells ingroßem Umfange vom Staate weggenommen worden waren. Indes wederhier noch auf dem Reichstag zu Compiegne 823, als die Sache wohl inAgobards Abwesenheit von neuem zur Sprache kam, wurde sie in einemfür die Kirche günstigen Sinne entschieden, vielmehr wurden jetzt inSeptimanien und der Provence heftige Anklagen gegen Agobard laut, daßer den Frieden gestört habe. Er sah sich daher genötigt, in einer längerenSchrift sein Verfahren zu rechtfertigen, wobei er die Rechtmäßigkeit desweltlichen Besitzes der Kirche und der Steuerfreiheit der Kirchengüternachzuweisen sucht.

') Nämlich Cyprian, Hieronymus, Caesa- 1 2 ) ep. 9 p. 200, 29 Evrardus maxime qui

rius, Eusebius, Clemens Romanus, Paulins Iudaeorum nunc magister est.Leben des Ambrosins und Konzilsakten.