378 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
halten wollte. Die Bekämpfung des Claudius durch Jonas ist nicht ebenglücklich ausgefallen, weil sich dieser viel zu sehr an Nebensächliches undUntergeordnetes gehalten hat; denn die Grundgedanken, die Claudius inseiner Schrift niedergelegt hatte und die sich mehrfach durch ihre un-erbittliche Logik auszeichneten, konnte Jonas überhaupt nicht widerlegen.Ihm kam es besonders darauf an, den feststehenden Gebrauch, wie er zuden Zeiten der Väter gewesen war, auch noch für die Gegenwart als geltendzu erweisen. Und so sucht er im ersten Buche darzutun, daß sich Claudiusmit. seiner Verwerfung der Heiligenverehrung unstreitig gegen altkirchlicheSitte aufgelehnt habe. Im zweiten Buche sucht er des Claudius Angriffegegen die Kreuzesverehrung abzuweisen, und das dritte beschäftigt sichmit einer nicht gerade glücklichen Bekämpfung der Verwerfung der Wall-fahrten, wie sie Claudius geäußert. Das Werk ist durchweg persönlich,meist wegwerfend gehalten und daher in hohem Grade lebendig. IndemJonas wohl Satz für Satz des Auszuges von Claudius' Apologeticum beleuchtetund zurückweist, braucht er zwar eine nicht geringe Menge von Väterstellen,aber doch nicht bei weitem so viele als in seinen übrigen Schriften. AuchDichter, wie Sedulius und Paulinus, müssen zum Beweise für seine Behaup-tungen über die Bedeutung des Kreuzes herhalten (Buch 2, Migne 106,348f.);gelegentlich werden sogar Vergü und Ovid (2 col. 362 f.) angeführt, um miteinigen Versen den Vergleich des Claudius mit dem trunkenen Silen durch-führen zu helfen. Ja an einer literarhistorisch wichtigen Stelle wird wahr-scheinlich die späte Prosabearbeitung des plautinischen Amphitruo benutzt,um Claudius mit dem Merkur oder mit Nocturnus zu vergleichen. — DieSchrift Dungais gegen Claudius hat Jonas gewiß gekannt, doch wird sie vonihm nirgends angeführt oder benutzt.
Aus mehreren alten Katalogen geht hervor, daß Jonas noch andereWerke verfaßt hat. So besaß man in Gorze im 11. Jahrhundert eine dog-matische Schrift Liber Ionae episcopi contra perfidos, deren Entstehungvielleicht mit dem Bilderstreit zusammenhängt. In St. Amand hatte man im12. Jahrhundert eine Predigtsammlung von ihm. Und im 16. Jahrhundertbesaß das Kloster Fulda einen Ymnarius 1 ) Ionae episcopi; ist die Änderungrichtig, so würde man daraus erkennen, daß Jonas auch für den Kultus inder Kirche schriftstellerisch tätig gewesen ist. Wahrscheinlich ist er imJahre 843 gestorben, denn die Synodalakten von Verneuil 844 berichten vonder Wahl seines Nachfolgers.
Zeugnisse. Zur Abstammung, Jugend usw. s. den Brief an König Pippin (MG. Ep. 5,349, 19) in cuius regno ortus et altus litterisque admodum imbutus comaque capitis depositaChristi militie sum mancipatus. Zum Alter: Jonas sagt 834 von sich (MG. Ep. 5, 353, 14)Qui quondam metricis ludebam promptus in odis, Corpore nunc quasso nil nisi flere libet.Zur Vorliebe für Dichtung s. ep. 2 (MG. Ep. 5, 357, 7), wo auch der Brief mit sechs Distichenschließt, de inst. laic. 3, 14 (Migne 106, 260 A), de cultu imag. 1 col. 319, 2 col. 348 f. 362f.;die sapphische Ode steht PL. 1, 529. Zur Reise nach Asturien s. de cultu imag. 1 col. 308 Dcuius discipulos apud Astures nie aliquando vidisse memini; da diese spanische Reise nachAmelung S. 4 vor 799 fällt, so ist er wohl noch vor 780 geboren. 2 ) Zur Bischofserhebungs. Amelung S. 5ff. Zur Uebertragung des hl. Maximin und zur Klosterpolitik s. AmelungS. 11 und 9 ff., zur synodalen Wirksamkeit S. 12 ff. Die Bitte Waltcauds s. ep. 1 (MG. Ep. 5,348, 9) in vitae s. Hugberti discriptione . . . displicuit tarnen sermo incultus. Quam vestrabenigna paternitas a nostra parvitate corrigi et secundum regulas loquendi voluit constringi.
') Die Hs. hat allerdings Ypriarius. "-) Vgl. auch Amelung S. 5.