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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

nahm Jonas eine große Anzahl von Kapiteln aus der Teilsynode von Parisaus dem Jahre 829 auf, was er um so eher mit seinem literarischen Ge-wissen verantworten konnte, als er die Beschlüsse jener Synode wohl selbstredigiert hatte.

Dieser Fürstenspiegel stellt im Anfang die Superiorität des Priester-tums gegenüber dem Königtum fest und erörtert die königliche Stellung, ihreRechte und besonders ihre vornehmsten Pflichten, worauf Jonas allgemeinvon christlichen Vorschriften und Pflichten handelt. Die ersten Kapitel desWerkes bestehen fast ausschließlich aus größeren und kleineren Stellen derWerke der Väter, 1 ) und Jonas schließt das Werk mit einem Abschnitt ausAugustins Grottesstaat, um hier die größte Autorität zu Worte kommen zulassen; das übrige stammt meist aus der Bibel.

Wie bedeutend die Schriftstellerei des Jonas mit den Synodaldekretenzusammenhängt, ergibt sich aber auch aus seiner Schrift über den Unter-richt der Laien oder dem Laienspiegel. Jedenfalls vor 829 wandte sichder Graf Mathfred von Orleans an den Bischof mit der Bitte, ihm möglichstbald eine kurze Darlegung über christliche Eheführung zu geben. Jonasantwortete in dem Widmungsbriefe des Werkes, daß er lange geschwankthabe, ob er dazu befähigt sei; endlich habe er sich schnell entschlossen,doch wohne ihm nicht die gehörige Autorität inne, und deshalb habe erdie Schrift auf die Bibel und die Auslegungen der Väter begründet. Jonasgeht im Laienspiegel weit über Mathfreds Bitte hinaus, denn nur ein Teildes 2. Buches (Kap. 116) enthält die gewünschte Belehrung über die Ehe.Die praktisch gehaltene und für das Leben bestimmte Schrift befaßt sichmit den Forderungen des gewissenhaften Seelsorgers, die an das Christen-leben überhaupt zu stellen sind. Ihre Disposition zeigt deutlich, daß wires mit einer Gelegenheitsschrift zu tun haben, deren einzelne Stücke mehrin zufälliger als besonders durchdachter Reihenfolge entstanden, so daß esauch an Wiederholungen nicht fehlt. Die allgemeine Disposition wird vonK. Amelung 2 ) so bestimmt, daß die Einleitung 1, 110 die Voraussetzungder christlichen Sittlichkeit, der Hauptteil 1, 113, 10 deren Betätigung dar-stellt, der Schluß 3, 1220 eine Ermahnung zur Sittlichkeit mit Hinweisauf Tod und Gericht enthält. Innerhalb dieser Hauptgliederung herrscht aberin dem Buche große stoffliche Freiheit, und insofern muß ich Ebert rechtgeben, der (2, 229) eine lobenswerte schriftstellerische Leistung darin nichterblicken kann. Bezüglich des Stoffes ist Jonas, wie er selbst auch sagt,völlig abhängig, lange Stellen aus der Bibel wechseln mit großen Stückenaus den Schriften der Väter ab, und Jonas setzt zuweilen nur einige ver-bindende Worte dazwischen. Es ist also die Art der Schriftstellerei Alch-vines, die wir hier finden, sie gründet ihre Behauptungen und Beweisedurchaus auf die Werke der Väter. Ohne Zweifel fällt dabei manches Streif-licht auf die Sitten der Zeit, aber die Abhängigkeit von früheren Erschei-

J ) Namentlich benutzt sind Tsidors Sen-tentiae und des Fulgentius Liber de veritatepraedestinationis et gratiae, außerdem Gela-sius' Brief an Anastasius, Beda in epist. Pauli,die Historia ecclesiastica und der irische Trak-

tat De duodecim abusivis saeculi (vgl. hierzuHellmann. Texte u. Untersuchungen z. alt-christl. Lit. 34, 1, 1).

2 ) Leben und Schriften des Bischofs Jonasvon Orleans S. 48 ff.