Jonas von Orleans. 375
er eine besondere Vorliebe für die lateinische Dichtung erhalten haben.Denn er führt nicht nur an mehreren Stellen seiner Schriften Stellen ausantiken wie christlichen Dichtern an, sondern er weist auch im Jahre 834darauf hin, daß er früher im Verfertigen metrischer Gedichte — eine sap-phische Ode zur Begrüßung Ludwigs des Frommen in Orleans hat sichallein davon erhalten — Gewandtheit besessen habe. Man wird kaum fehl-gehen, wenn man unter diesen Gedichten poetische Briefe versteht, die injener Zeit ja häufig geschrieben wurden. 1 ) In der Heimat hat er auch diekirchlichen Weihen erhalten und auf geistliche Zwecke richtete sich wohldie in frühen Jahren unternommene Reise nach Asturien, deren er im Anfangseines Werkes über die Bilderverehrung gedenkt und die wohl noch vor 799fällt. Jedenfalls bildete sich Jonas zu einem besonders tüchtigen Klerikerund Seelsorger aus, da sonst seine Erhebung zum Bischof von Orleans (818)als Nachfolger des abgesetzten Theodulf nicht erfolgt wäre; noch in dem-selben Jahre begrüßte er Kaiser Ludwig vor seiner Stadt mit jener sap-phischen Ode. Wie ernst er es mit den übernommenen Pflichten als Bischofnahm, geht aus seiner Schrift über den Laienunterricht deutlich hervor.Auch der Klöster seiner Diözese nahm er sich an und führte die Trans-lation des heiligen Maximin nach St. Mesmin durch. An den westfränkischenSynoden nahm er regen Anteil und während er einerseits ein unbedingterVerfechter der kaiserlichen Autorität war, galten ihm die päpstlichen Macht-ansprüche als keineswegs durch die Geschichte der Kirche erwiesen undberechtigt. Diese Stellung bedingte das Ansehen, dessen sich Jonas bei denZeitgenossen erfreute. So forderte ihn Bischof Waltcaud von Lüttich auf,das Leben des 825 von Lüttich nach Andoin übertragenen heiligen Hubertin besseres Latein zu bringen, worüber sich Jonas im Widmungsbriefe mitder üblichen Bescheidenheitsphrase sehr wundert, indem er bei Waltcauddie Beredsamkeit der Lehrer der Hochschule rühmt, während er kaum überdas gewöhnliche Wissen verfüge; 2 ) der Verfasser der alten Vita sei entwederein Verächter des besseren Stils oder dessen unkundig gewesen. Dieser Briefist in seinem Ton und Wesen affektiert, denn auf der einen Seite wird diegeforderte und geleistete Arbeit literarisch hoch aufgebauscht, und andrer-seits stellt Jonas sein Licht gar zu sehr unter den Scheffel. Als nun KaiserLudwig im Jahre 833 auf dem Lügenfelde von Kolmar und durch die fol-gende Kirchenbuße das Schwerste zu erleiden gehabt hatte, wandte sichJonas im nächsten Jahre an den ihm zustehenden Landesherrn, den KönigPippin, in einem Fürstenspiegel. Lange Zeit hatte der kaisertreue Bischofvon dem durch seine Räte und durch Lothar verführten Fürsten nichtswissen wollen, jetzt näherte er sich ihm wieder, da Pippin auf die Auf-forderung Ludwigs des Deutschen dem Vater mannhaft beigestanden hatte.In diesem Fürstenspiegel, dessen Zweck es war, ähnliche Vorfälle, wie sie inden letzten Jahren sich im kaiserlichen Hause zugetragen hatten, zu verhüten.
') Jedenfalls stark übertreibend sagt I 2 ) Er galt aber seiner Zeit als gewandter
Bertold im Widmungsgedicht der Vita Maxi-mini an Jonas (Mabillon, Acta SS. 1, 573)Älter Homerus enim nostro iam diceris aevo,Est via cui fanäi Publius ipse Maro.
Stilist, denn Bertold (Mabillon, Acta SS. 1,573) rühmt von ihm Tu vacuare vales cunctashoc codice sordes, Quas ibi mendose scripsitarundo rudis.