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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

verdanken wir aber Dungais Stellung im Bilderstreit, der durch Claudius vonTurin von neuem entzündet worden war. Dieser hatte auf einen Brief desAbtes Theudemir von Psalmody sein großes Apologeticum im Jahre 824ergehen lassen und nach drei Jahren 1 ) schrieb Dungal, wohl auf Befehl desKaisers, seine Responsa gegen Claudius, die er Ludwig und dessen SohneLothar widmete. Er erklärt hier in der Vorrede, daß er auf die unsinnigenund lästerlichen Auslassungen des Turiner Bischofs mit Aussprüchen derAutorität und Gelehrsamkeit der Väter im Namen der beiden Kaiser ant-worten wolle. Im Anfang der Schrift sagt er, daß der Auszug aus desClaudius Apologeticum ihm die Feder in die Hand gedrückt habe, und daßer nicht gegen den rohen und ungebildeten Stil des Mannes sich wende, 2 )sondern dessen vom katholischen Glauben abweichende Ansichten bekämpfenwolle. Die Waffen, mit denen er das tut, sind freilich stumpf 3 ) und konntenbei einem solchen Gegner wie Claudius nichts ausrichten.Welche Ver-messenheit," sagt er,das zu bekämpfen und zu zerstören, was vom Beginndes Christentums nun 820 Jahre oder mehr überall in Geltung gewesen ist!"Gleich dieser erste Satz dokumentiert die Schwäche seiner Beweisführung,die eben darin besteht, das als richtig und gut anzuerkennen, was ist, weiles war und ist. Er geht daher nicht von den ältesten christlichen Zeitenaus, sondern versetzt einfach den Gebrauch der Kirche in den Zeiten derVäter ins apostolische Zeitalter und bringt als Entgegnung eine Schrift, diesich fast vollständig aus Stücken der patristischen Werke zusammensetzt,nämlich des Gregor von Nyssa, Johannes Chrysostomus, Ambrosius, Augustin, 4 )Hieronymus, Gregor und Beda, dazu der Briefe des Paulin von Nola. Mitbesonderer Emphase wirft er sich dem Claudius gegenüber auf, wo er Prisciananführt, den er wenig gewählt das lumen Romanae facundiae 6 ) nennt. Außer-dem aber müssen dem Dungal bei seiner Beweisführung die christlichenDichter helfen, in deren Werken ja häufig von Heiligen und von der Ver-ehrung des Kreuzes die Rede ist; so liest man in den Responsa seitenlangeAnführungen aus den Gedichten des Prudentius (Apotheosis, Psychomachie,Peristephanon und Cathemerinon) und des Paulin von Nola (besonders dieGedichte auf den heiligen Felix), daneben zahlreiche Stellen aus Fortunat undeine aus Sedulius. Kräftig macht Dungal am Ende der Schrift Stimmung gegenClaudius, wo er sagt, er habe außerdem so gottlose und schändliche Dingeüber ihn gehört, daß ein Christ sie nicht aufschreiben und auch nichtweitererzählen könne; hierüber habe sich Claudius geweigert, vor einerVersammlung von Bischöfen zu erscheinen, die nur eine Synode von Eseln

') Siehe Hist. litt, de la France 4, 495.

2 ) "Was er freilich ausfuhrlich genug tut,vgl. Migne 105,486 AB.

3 ) Im Gegensatz zu den merkwürdigenWorten im Briefe an Karl ep. 1 p. 577,411,die fast einen Geist wie Lupus voraussetzen.

4 ) Claudius' Verhältnis zu Augustin wirdhingegen stark verunglimpft (Migne 105,498 B) Sancto antem Augustino lascive blan-ditur et adulatur singulari cum praeferenslaude quasi suae fautorem vecordiae, et cum

sit omnium artium inscius liberalium nititurprocacissime eius dialectica per se ipsum sineullo uti magisterio et ad ea quac affirmaremaluerit ipsam imprudentissime detorquere.6 ) Col.484B Alterum autem verbum quodest colo, Priscianus gut propter nobilisshniclaritatem ingenii lumen Romanae facundiaemeruit vocitari, triplicem sensum habere de-monstrat ita dicendo: Colo quoque pro dilif/oet habito et aro accipitur (Instit. 8, 37).