370 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
werden die Flüsse und Städte des Ostens zur Trauer aufgefordert und ErichsHeldentaten und Tod gerühmt. Vgl. Ebert 2,87f. Meyer, Münch. Sitzber. 1882,1, 86 N. II, 2, Giannoni S. 118. — Weitere Gedichte sind: De Lazaro, be-glaubigt durch die Aufschrift im Paris. 1154 s. X f. 110b Versus Paulini deLazaro; es besteht aus 28 (die letzte nur halb) Strophen zu vier Versen vontrochäischen Fünfzehnsilbern (s. Meyer a. a. 0. S. 81 N. I, 8) und gibt denetwas erweiterten Bericht des Johannesevangeliums. 1 ) Mit einer gewissenWahrscheinlichkeit kann das Gedicht Versus de destructione Aquilegiaenumquam restaurandae (aus Vindob. 891 s. X f. 67 und Hag. 830 s. IX) wegendes Alters der letzten Hs. und wegen seines Inhalts auf Paulin zurückgeführtwerden, obwohl es eine alte Überlieferung angeblich dem Paulus diaconusbeilegte (s. Giannoni S. 119f.). Es ist ein Abecedarius in 23 Strophen zu jedrei jambischen Trimetern mit einem vierten adonischen Verse (s. W. Meyera. a. 0. S. 86 N. II, 8) und hat zum Inhalt eine von tiefstem Schmerz erfüllteKlage über die Zerstörung der Stadt durch Attila; 2 ) s. Ebert 2,88 undv. Winterfeld, Neues Archiv 25, 395. Dieselbe Form besitzt ein GedichtDe nativitate domini nostri Iesu Christi (im Paris. 1154 s. Xf. 123 u.a.),42 Strophen, die Kindheitsgeschichte Jesu Christi bis zum Kindermordführend, sehr wortreich, mit Anlehnung an Prudentius; da Paulin dasLazarusthema behandelt hat, wäre dieser Stoff auch bei ihm möglich. Dannein Gedicht in derselben Form (Abecedarius, 24 Strophen) Versus confessionisde luctu poenitentiae (so im Paris. 1154 f. 99b; eine andere Hs. legt dasGedicht dem Hilarius bei, s. Dümmler PL. 1, 147 app. crit.), ein Beichtgedichtan Christus, am Schluß mit Absage an die Ketzer (Str. 22); s. GiannoniS. 121 f. W. Meyer S. 86 f. N. II, 9 und 10. Alle übrigen Gedichte (DümmlerPL. 1, 136 N. 4 auf Petrus, 5 auf den Peter-Paulstag, 6 auf die AuferstehungChristi, 7 auf die Darbringung Jesu im Tempel, 8 auf die Missionstätigkeitdes Marcus und 9 auf eine Kirche) sind bezüglich ihrer Autorschaft ganzunsicher.
TJeber die Hss. der Gedichte s. Dümmler, PL. 1,124 ff. Ausgabe: ib. 126—148,Giannoni S. 118—122. Traube, Neues Archiv 27,790.
50. Dungal.
Der Ire Dungal ist höchst wahrscheinlich als junger Mann, zur Zeitals Karl noch König war, ins Frankenreich gekommen und früh ins KlosterSt. Denis eingetreten. Denn wenn ihm Traube mit Recht einige Gedichtebeilegt, die früher unter dem Namen eines Hibernicus exul 3 ) gingen, sodürfte er wohl schon 784 diesem Kloster angehört haben, da er ein Epitaphdes 784 gestorbenen Abtes Fulrad verfaßte. Er stand wegen seiner Gelehr-
') Strophe 26 hat typologische Deutung ! ram, non fui sie redactus et coangustiatus si-
Possunt etiam per duas has sorores congrueDiie vite figurari utreque perspicue.
2 ) Giannoni S. 120 n. 3 zieht zum Ver-gleich die Veisus de Aquilegia heran.
3 ) Zu dieser Annahme stimmt, daß Dun-
cut modo sinn. Vgl. hiermit ep. 9 p. 583, 25ex quo in hanc terram advenerim, oceasiomihi copiosa hac de re reclamandi conque-rendique assidue non oecurreret; der Aus-gangspunkt hierzu könnte das Konzil von
gal in ep. 3 (MG. 4, 579, 12) von sich aus- I Nicäa 787 gewesen sein, so daß die Ankunftsagt qui antea, postquam veni in istam ter- \ Dungais im J. 784 nicht zu früh erscheint.