366 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
tulus sowie eine nicht geringe Anzahl von Stilähnlichkeiten zwischen denGesta und Notkers Briefen und anderen Schriften sowie sonstige Gleich-heiten haben Zeumer und Zeppelin unbedingt mit Recht zu dem Schlüssegebracht, daß das Werk von Notker stammt. Über seine Quellen und dieEntstehung des Werkes spricht sich Notker im Epilog des ersten Buchesaus, 1 ) über den Auftrag, den er von Karl III. erhalten, erzählt er im Beginnvon 1, 18. Ansätze zu historischer Auffassung und Erzählung finden sich,wie Notker z. B. 2, 16 kurz auf Pippin, den Vater des Majordomus Karlmann,zurückgeht; aber im allgemeinen berichtet er durchaus sagenhafte Stoffe,indem er das Bild vom großen Kaiser entrollt, wie es nicht in der Wirk-lichkeit ausgesehen hatte, sondern wie es im Volke fortlebte. Das Buchwurde später mit Einharts Leben Karls und mit den ihm zugeschriebenenAnnalen handschriftlich verbunden, so daß sich hieraus ein umfänglichesCorpus Gesta Karoli zusammensetzte.
Die Arbeit von Zeppelin (Schriften d.Ver. f. Gesch. d. Bodensees 19, 33 ff.) bringt S.44f.Stilähnlichkeiten, S. 46 etymologische Spielereien mit Verwendung deutscher Namen, vgl,den Anfang des Briefes 47 in den Formeln Salomos (S. 61 ed. Dümmler). Zeumer (Hist,Aufs, dem Andenken von G.Waitz gewidmet S. 97—118) macht S. 105 f. aufmerksam auf dieGleichheit in der Erwähnung von Julians Tod sowie Alchvines und Bedas und sammeltS. 106—113 eine Menge übereinstimmender Gleichheiten und notiert S. 114 f. hagiographischeQuellen. B.Simson (Jahrb. unter Karl d. Gr.2,612ff.) führt die von Notker benutzten Schriftenauf: Einharts Vita Karoli, die Vita Martini und die Dialoge des Sulpicius Severus, Walah-frid de exordiis etc., Bedas Kirchengeschichte. Zur Sprache vgl. 1, 2 p. 632 Aiulito autemAlbinus quidam de natione Anglorum, quod gratanter sapientes viros . . . Karolus susciperet.Die von der Vita Karoli und den Annalen gesonderte Ueberlieferung 2 ) ist spärlich. Benutztwurde von Pertz der Cod. Harmov. XIII, 858 s. XII, von Jaffa aber besonders eine etwaserweiterte Ueberlieferung im Stuttgard. theol. et phil. 4 N. 242 s. XII und in einer Hs. vonSt. Florian s. XV. Unvollständig ist Paris, nouv. acq. 310 (aus Tegernsee). Auszüge (mit zweigrößeren Einschaltungen De felicissima Hiltigarda uxore legittima Caroli Magni und De Ada-laide sororis alme Hiltigarde et fundatricis cenöbii Biwchö) gibt der Einsidl. 245 s. XVf. 8 b—16 b. Die von Jaffe bevorzugte Ueberlieferung greift an Meyer v. Knonau, Mitteil,z. vaterl. Gesch., hrsg. v. hist. Ver. in St. Gallen 13, 255 n. 2, dagegen wird sie gebilligt vonZeumer, Waitzaufsätze S. 116 ff. Ausgaben von Pertz, MG. SS. 2, 726, von Jaffe, Bibl.rer. Germ. 4, 631. Uebersetzung von W. Wattenbach, Geschichtschreiber d. deutsch.Vorzeit26, IX, 11; 1,16 übersetzte v. Winterfeld, Stilfragen a. d. lat. Dicht, des MittelaltersS.il ff.,anderes Manitius, Mären u. Satiren a. d. Latein. S. 89 ff.
Stephanushymnen. Die Form nach Prud. Cathem. 4 und 9 ohne Frei-heiten in der Versbildung und Prosodie. Hs. Sangall. 242 s. X p. 3. KritischeAusgabe PL. 4, 337—339. 3 )
Vita S. Galli. Aus einer St. Galler Handschrift gab Canisius 4 ) mehrereBruchstücke des verlorenen Werkes heraus und Weidmann 5 ) fand in einerAbschrift dieser Fragmente noch einige weitere Verse, die aber, wie dievorhergehenden, als (rhythmische) trochäische Dimeter zu setzen waren. Umdie Gruppierung der Fragmente sowie um die Aufzeigung ihrer kunst-vollen Gliederung hat sich v. Winterfeld 6 ) verdient gemacht. Die VorredeEkkeharts IV., die ausdrücklich angibt, daß die Schrift von Notker stammt,ist hier mitten in die Fragmente gestellt worden. Die Widmung an Hart-mann steht durch den Vermerk in dem alten Katalog von St. Gallen fest.
1 ) Vgl. außerdem den Anfang von 2, 1.
2 ) Mit den anderen Werken z. B. im Mo-nac. 569. 5336. 17736.
3 ) Früher bei Canisius, Lect. antiquae5,711. Vgl. Dümmler, St. Gall. Denkmale
S. 228 f. und 261.
4 ) Lectiones antiquae 5, 790—792.
5 ) Geschichte d. Bibl. v. St. Gallen S. 482.
6 ) Neues Archiv 28, 63—76.