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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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364 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

haben (885) und daß andere Stücke, die auch von Notker stammen, wahr-scheinlich erst späterer Zeit (885912) zuzuweisen sind.

In St. Gallen bewahrte man 1461 (Weidmann, Gesch. d. Bibl. von St. Gallen S. 41}B 15) Sequencie quas ipse (sc. Notlcerus. noster Balbulus) composuit auf. "Vielleicht war ejeine Abschrift des Ursequentiars, vielleicht ein vollständiges, weitergeführtes ExemplaiDiese Hs. ist verloren, wie auch das an Liutward gesandte Ursequentiar, und alle erhaltenenHss. vermischen den Bestand mit anderen Stücken (so Ekkeharts I. und Waldrams). DitUeberlieferung besteht hauptsächlich in Sangall. 376 s. XI, 378 s. XI, 380 s. XI ex., 381 und382 s. XI. 484 s. X XI (Melodienverzeichnis mit 44 neumierten Sequenzen; Auszug auseinem verlorenen Sequentiar, das älter war als die Hss. in St. Gallen); Einsidl. 121 s. XI in. ;Rhenaug. 132 s. XI; Berol. 694 s. XI; Bamberg. Ed. V. 9 s. XI in. (aus Reichenau). 1 ) Ausgabenz. B. Pez, Thes. anecd. 1, 1, 1842 (= Migne 131, 10051026). 2 ) Daniel, Thes. hymno-logicus 2, 331, einzelnes bei J.Werner, Notkers Sequenzen S. 102 ff., und einzelnes über-setzt von A. Schubiger, Die Sängerschule St. Gallens S. 47 ff. Der Brief NotkeTs an Liut-ward von Vercelli in kritischer Ausgabe von D ü m m 1 e r, St. Gall. Denkmale S. 224 undbesonders von J.Werner, Notkers Sequenzen S. 97 f.

Briefe. Gedichte. Eine Reihe von Briefen Notkers stehen wohl alsnachträgliche Einschiebung in den Formulae Salomonis, die sich aus Ur-kunden und Musterbriefen zusammensetzen und von den Brüdern Salomo undWaldo angelegt wurden und fast nur Beziehungen auf Konstanz, St. Gallenund Reichenau enthalten. In den Briefen finden sich nicht nur Ermahnungenzu wissenschaftlichen Studien, sondern Notker hat auch in einer für seineZeit bewundernswerten Weise den leichten Gesprächston mit gelehrten Ma-terien, geistreichen Wortspielen u. dgl. in Verbindung gesetzt, wofür nament-lich die Stücke 29 und 42 der Sammlung in Betracht kommen. Allerdingszeigt die Sprache zuweilen eine gewisse gelehrte Affektiertheit, was viel-leicht auf Rechnung von benutzen Glossaren zu setzen ist. In dem Gedichtüber die freien Künste verfällt Notker in die Rolle des Alten, der ausLiebe zu seinem Schüler (Salomo) jung werden muß. Das Gedicht verräteinen Verfasser, der der Sprache ungemein mächtig war, aber doch manchenprosodischen Fehler zuließ. Die moralischen Ermahnungen an seinen jungenFreund, den Bischof {Antistes domini), 3 ) und dessen Bruder Waldo kleidetder Dichter teilweise recht sinnig ein, während andere an Deutlichkeitnichts zu wünschen übrig lassen. Der kleine Dialog ist ungemein lebendiggehalten und hat vielleicht als Vorbild den in St. Gallen überlieferten Dosi-theus gehabt, wie W. Meyer glaubt; 4 ) der Schluß lautet: In specie enim auriseit argenti numquam delectatus sum, sed preces et orationes tuae amabiliorasunt mihi.

Die Briefe Notkers in Salomos Formelbuch sind N. 29. 42. 44. 45. 47. 48; vgl. hierüberdie Noten Dümmlers S. 120 ff., sowie Zeumer, Neues Archiv 8, 506 ff. und dessen Aus-gabe MG. Formulae p. 390 ff. In diesen Briefen Vorliebe für seltene und gesuchte Worte,z. B. in Brief 29 ut balbus edentidus et ideo blesus vel ut verius dicam semiblaterator mir-clastris vobis vel potlus insensatis cantare . . . debeam und sed naturaliter priorem recal-vastrum, in 42 murilegulorum more in foculari . . . educati. in 44 indoliciam celsitudini»restrae und oratorla parietina. Die Ausgabe der Formeln bei Dümmler, Das Formelbuchdes Bischofs Salomo III. S. 1 ff. und bei Zeumer, Formulae p. 390 ff. Beginn des Gedichtsüber die freien Künste Cogor amore tuo iuvenilem tollere clavam, O puer illustris, indolisarte tuet. Der Anschluß an Martian ist in den Noten von v. Winterfeld (PL. 4, 339ff.)

*) Außerdem die von J.Werner, Not-kers Sequenzen S. 4694 dem Inhalt nachangegebenen weiteren 22 Hss.

2 ) Die dem Notker früher beigelegteOstersequenz Pangamus creatoris gab in un-gereimter und gereimter Fassung heraus

v.Winterfeld, Ztschr. f. deutsch. Altert. 47,96 ff. W. Willmanns hat nachgewiesen, daßNotker keine Sequenz mit beabsichtigten Rei-men gedichtet hat.

3 ) v.Winterfeld, PL. 4, 343 (6, 1, 1).

4 ) Nach J.Schwalm,NeuesArch.27,742.