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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

bischof Ado von Vienne an das Kloster 870 machte; er schenkte nämlichaußer mehreren Heiligenleben sein von ihm kürzlich verfaßtes Martyrologium.Notker benutzte dieses als Unterlage und verband damit nicht nur stoff-liche, sondern auch sachliche Erweiterungen, indem er aus der in St. Gallenreichlich vorhandenen hagiographischen Literatur Einschiebungen machtedie sich zuweilen fast zu kleinen Lebensbeschreibungen auswachsen, so daßeine sehr große Anzahl seiner Notizen eine gewisse literarische Bedeutunggewinnen.

Auch in der musikalischen Theorie ist Notker in Verbindung mit seinenSequenzen tätig gewesen. Erhalten hat sich von ihm ein Brief an einenMönch Lantbert über die Bedeutung der Buchstaben als musikalischer Zeichen;diese haben nichts mit der Melodie zu tun, sondern bezeichnen lediglichdie Modulierung der Stimme und des Vortrags. Diese Zeichen hatte derrömische Sänger Romanus eingeführt und Notker gab sich die Mühe, ihreBedeutung jenem Mönche zu erklären. Ekkehart IV. gedenkt dieses Briefesund da er an dieser Stelle die Anweisung erwähnt, die Martian über dieAussprache der Buchstaben gibt, so ist ein innerer Zusammenhang beiderErklärungen nicht unwahrscheinlich, zumal in der Handschrift, die denBrief an Lantbert überliefert, diese Anweisung Martians unmittelbar aufden Brief folgt. Notker schrieb aber auch ein zusammenhängendes Werküber Musik, das von Sigebert von Gembloux und von Johannes Cotton nocherwähnt wird. Nun findet sich in einer aus St. Amand stammenden Hand-schrift zu Valenciennes ein Werk Commentum musicae artis ex opusculis Boetüexcerptam et a venerabili abbate Nogero elaboratum. Dies könnte das verlorengeglaubte Werk Notkers sein, denn an der Bezeichnung Notkers als Abtbraucht man keinen Anstoß zu nehmen, da sowohl Sigebert als auch derAnonymus Mellicensis und Honorius Augustodunensis dem Notker den Abts-titel beilegen. Coussemaker aber meint, 1 ) daß das fragliche Werk demHucbald angehört; 2 ) der genaue Titel spricht allerdings für Notker undauch die Zeit dürfte stimmen. Das Werk enthält zwei Teile, nämlich eineEnchirias de musica und einen Kommentar dazu mit dem Titel Scolaenchiriadis de musica. Da aber G. Morin dargelegt hat, daß jene Musicaenchiriadis mit ihrem zweiten die Scholien enthaltenden Teile von Hotger vonWerden stammt und die Handschrift von Valenciennes im alten Katalogvon St. Amand das Werk als musica Otgeri et enchiriadis aufführt, so istan Notker als Verfasser nicht zu denken und dessen musiktheoretischesWerk ist ohne Zweifel verloren. Möglicherweise gehört aber dem Notkereine kleine Schrift Erkenhardo discipulo de quattuor quaestionibus computian, 3 ) denn aus dem Briefe über die Buchstaben an Lantbert ergibt sich,

und Florus benutzte, wie er im Widmungs-briefe (in doppelter Fassung erhalten) an Karlsagt, s. MG. Ep. 6, 192 f. N. 28 A und B. ZuAdo vgl. Anon. Mellic. 40. zu Usuard Sige-bertus de scr. eccl. 85 und Anon. Mellic. 82(hier p. 82 ed. Ettl. Husirarcltis qui et Karo-lus). H. Quentin (Rev.Bened. 23,1 25) wiesnach, daß Ado vor 859 zu Lyon geschriebenhat; sein Martyrolog z. B. im Bonon. univ. lat.792 s. XII und Monac. 23413 s. XIII; Aus-

gabe bei Migne 123, 145.

') Histoire de l'harmonie au moyen ägeS. 21 n. 1.

2 ) Das ist aber völlig widerlegt von H. 11 er,Hucbalds echte und unechte Schriftenüber Musik S. 12 ff. 3352; derselbe handeltS. 6489 ausführlich über die Musica enchi-riadis. Die betr. Hs. ist jetzt Valentian. 359.

3 ) Die Schrift steht im Monac. 14804s. IX f. 172182 Notkeri tractatus de IUI