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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Notker der Stammler.

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gewiesen werden, ferner Kirchengeschichten, hierauf Leben von Märtyrernund Heiligen und schließt mit einigen Lebensbeschreibungen von Iren,sowie mit Josephus und Hegesippus. Der Heiligenkatalog ist in Hinsichtauf die in St. Gallen vorhandenen hagiographischen Schriften nicht ebengroß, und auch sonst fehlt nicht wenig Bedeutendes aus der christlichenLiteratur, doch hat sich Notker wohl auf den Umfang der für die Aus-bildung des höheren Geistlichen unbedingt notwendigen Schriften beschränkt.So erscheint auch von den Griechen nur Origenes, dessen Homüien zuExodus und Leviticus und dessen Erklärung zum Römerbrief genannt werden,und dessen Kommentar zum Hohenliede Notker seinem Schüler durch einendes Griechischen kundigen Mann zur Übersetzung empfiehlt. 1 ) Von seltenerenlateinischen Schriften erwähnt Notker außer Ladken auch den Psalmen-kommentar des Arnobius, den er mit dem Rhetor verwechselt, 2 ) und dieErklärung zum Hohenliede des Justus von Urgel, 3 ) der hier fälschlich zumBischof von Lyon gemacht wird; außerdem erscheint S. 76, 21 Sed et überHermae qui pastor inscribitur.

Gänzlich aus diesem Kreise heraus treten die historiographischen ArbeitenNotkers, die sich auf dem Gebiete der wirklichen Geschichte, der geschicht-lichenSage, des Heiligenlebens und der martyrologischen Darstellung bewegen.

Zunächst verfaßte er eine Fortsetzung zu dem sog. Breviarium Erchan-berti, das zuerst einen sehr magern Auszug aus den Gesta regum Fran-corum bietet und dann einige dürftige, teilweise sagenhafte Notizen überdie Karolinger bis 827 gibt; es reicht von Faramund bis zu Ludwig demFrommen. Notker fügte eine Fortsetzung über die ostfränkischen Karolingerbinzu, wobei er gelegentlich die westfränkischen und italienischen Vertreterjenes Hauses berührt. Bald nach Karls III. Kaiserkrönung (881) hat er dasgeschrieben und er spricht hier mit besonderer Verehrung von diesemHerrscher. Der Verfasser der Fortsetzung ist mit dem Verfasser der GestaKaroli identisch, wie B. Simson nachwies, und da Zeumer und Zeppelin denBeweis geführt haben, daß diese von Notker verfaßt sind, so ist dessenVerfasserschaft gesichert.

Von der hervorragendsten Wichtigkeit aber sind die Gesta Karoli selbst.Sie sind von unvergänglichem Werte und gehören daher der Weltliteraturan. Notker denn daß er der Verfasser ist, haben Zeumer und Zeppelinerwiesen berichtet an verschiedenen Stellen seines Werkes über dessenAbfassung. Er war als Knabe bei einem alten Kriegsmann Adalbert ge-wesen, der mit dem bayerischen Grafen Kerold die großen Kriege Karlsgegen Sachsen, Slaven und Avaren mitgemacht hatte. Adalbert hatte demKnaben oft unter heftigem Widerstreben desselben von den Feldzügen Karlserzählt, und Adalberts Sohn Werinbert, der in St. Gallen Mönch war undzugleich das Amt des Lehrers versah, hatte diese Erzählungen fortgesetzt,

18 De aiograpliis vero in sequenti doceberis,doch läßt sich das Wort aiographa hier auchanders fassen.

1 ) Die Worte S. 66,26 et barbaris könntenden Wunsch einer Uebersetzung ins Deutschebedeuten.

2 ) Das Werk des Arnobius befand sich

s. IX in St. Riquier, Würzburg und Lorschund ist dem Eulosius von Cordova bekanntgewesen (Migne 115, 758 D. 756 A).

') Sie befand sich s. IX in Reichenau,St. Riquier und in St. Gallen (= Sangall. 110s.IX). Alte Hss. sind außerdem Monac. 14469s. IX und 14470 s. VIIIIX.