354 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
dringentis quadraginta et sex versibus constat et itnus decies ductus denariutnperficit. Aus dem Gedicht hat allein Durandus Troarnensis de corp. et sang.Christi 7 (ed. Achery p. 99) sechs Distichen erhalten, die keinen besonderenInhalt haben, sondern aus den gewöhnlichen geistlichen Bildern und Vor-stellungen bestehen. Die Hs. von Sirmond ist verloren, desgleichen deralte Codex von Rouen, der s. XII vorlag (B. 82, 52 Ferculum Salomonis);so beruht jenes Fragment nur auf Durandus und die Explanatio nur aufalten Drucken. An diese Explanatio hat Hincmar vierzehn Fünfzehnsilberangeschlossen, in denen er vom Gedicht und von der Erklärung sprichtVs. 5 Quae piano sermone dicta strinxi lege carminum, Et prosa diserta iunxi,diversis ut calleas; er verheißt 9 Et si dignum stricta ducis explicari plenius,Adsum votis, forte nobis si donantur otia. Die Explanatio mit sinnverwirrenderZahlenmystik ed. Sirmond 1, 756 = Migne 125, 817. Über die drei Ausgabendes Gedichts von Hincmar von Laon an Karl und die zwei Ausgaben desGedichts des Oheims gegen den Neffen s. Traube PL. 3, 408. Scharfe Aus-fälle gegen den Neffen s. Carm. 7, II, 15 f. 25 ff. Hss.: Vat. Pal. 296 s. XI,Paris. 2865. Endlich ist ein Gedicht zu erwähnen, das Hincmar ans Endeder Vita Remigii stellte, aufgenommen von Flodoard Hist. Rem. 1, 21 p. 438;Hss.: Bern. 168 s. X —XL Kritische Ausgabe der Gedichte von L. Traube,PL. 3, 409—420.
Gesamtausgaben: ed. Sirmond 1645, 2 Bde. = Migne 125.126, 9—648. — Vgl. Ebert2, 248 ff. Zur Kenntnis juristischer Literatur: H. Dirksen, Hinterlass. Schriften 2,130;Conrat, Neues Archiv 24, 349. — Wattenbach 1, 323—327.
48. Notker der Stammler.
Notker ist um 840 wohl in Jonswil geboren, wo sein Bruder Otherebegütert war. Er trat ins Kloster St. Gallen ein und wurde hier von Iso,der den Prudentius kommentierte, 1 ) und von dem Iren Moengal, der denNamen Marcellus angenommen hatte und früher Abt in Bangor gewesenwar, unterrichtet. Ein angeborner Sprachfehler brachte ihm den Beinamender Stammler ein, den selber zu erwähnen er sich nicht im geringstenscheute. Dieses körperliche Gebrechen verhinderte jedoch nicht, daß er imKloster Lehrer wurde und als solcher den späteren Abtbischof Salomo III.und dessen Bruder Waldo unterrichtete und damit den Grund zu seinerspäteren vertrauten Freundschaft mit diesen beiden Männern legte. Wegenseiner Kenntnisse wurde Notker öfters zum Schreiben von Urkunden heran-gezogen und in späteren Jahren versah er auch das Amt des Bibliothekarsund des Hospitarius. 2 ) Aber die wesentliche Bedeutung des Mannes liegtauf einem andern Gebiet. Er ist einer der bedeutendsten literarischenCharaktere und vielleicht der größte Dichter des Mittelalters, wenn manihm auch in neuester Zeit mehr beigelegt hat, als ihm wirklich zukommt.In seinen Dichtungen erscheint Notker als ein wirklicher Poet: währenddie größte Mehrzahl der Zeitgenossen die Poesie nur schulmäßig in rhe-
') Vgl. hierzu Migne 60,529, Scholion von Konstanz S. 107 (aus Neugart, Cod. di-
zu Vs. 1131. plom. Alemanniae Bd. 1), einige sind abge-
2 ) Die einzelnen Urkunden nennt Dumm- druckt bei Migne 131, 1163 ff.
ler, Das Formelbuch d. Bischofs Salomo III. i