Hincmar von Bheims. Prudentius von Troyes. 351
bestochen habe, um eine wichtige Hilariusstelle zu seinen Gunsten zu ändern. 5 )In dem Widmungsbriefe an König Karl setzt er dann die Veranlassung zuseinem Werke auseinander, in dessen Anfang er über den Ursprung desPrädestinationsstreites zunächst an der Hand der Chroniken Prospers undBedas referiert, um dann auf die kirchlichen Verhältnisse jener Zeit ein-zugehen und später auf Godescalc und dessen Gesinnungsgenossen zu kommen.Das ganze Werk ist eine große Kompilation aus einer Unzahl von Väter-stellen und läßt auf den gewaltigen Umfang des früheren Werkes vonHincmar schließen, das den ganzen Streit noch ausführlicher behandelthatte. Die weitschichtige Abhandlung über die Trinität ist an die ganzewestfränkische Kirche gerichtet und stellt eine kurze Schrift Godescalcs inden Anfang, deren einzelne Sätze der Reihe nach in neunzehn Kapitelnwiderlegt werden. Dem Schlüsse des letzten Abschnitts hat Hincmar seinewiederholten Bekehrungsversuche gegenüber Godescalc sowie einige Nach-richten über dessen Lebensende hinzugefügt. Die Schrift über die Ver-meidung der Laster und Übung der Tugenden knüpft an ein Gespräch an,das Hincmar mit König Karl wohl 869 in Senlis hatte und bei dem dieRede wohl auf Gregor den Großen gekommen war. Karl hatte den Erz-bischof gebeten, ihm den Brief Gregors an den Westgotenkönig Reccaredzu übersenden. Hieran knüpfte nun Hincmar eine reiche Blütenlese be-sonders aus Gregors Werken unter dem obigen Titel. Die Schrift über dieVerschiedenartigkeit der Seele beginnt mit einem auf Plato zurückgehendenAusspruche des Boethius; sie ist fast vollständig aus Augustin geschöpftund Hincmars Urheberschaft ist sehr zweifelhaft, da sie von Flodoard nichterwähnt wird und die alte, von Sirmond benutzte Handschrift nur einenquidam sapiens als Verfasser bezeichnet. Gewidmet ist das Werk allerdingsKarl dem Kahlen; angehängt ist ein augustinisches Florileg über die Seele.Das Sendschreiben wird erwähnt in Hrabani ep. 43 (MG. Ep. 5, 488, 5)hoc est inprimis vestrum quod düectis filiis simplicibus sanct$ sedis vestr§ con-fecistis und ep. 44 (490, 14) et opuscuhim quod fecistis ad reclusos et simplicesqui in vestra parrochia consistunt, contra Gotescalki errorem. Die Schriftsteht im Leid. univ. 141 s. X p. 57—119 und ist herausgegeben von W. Gund-lach, Ztschr. f. Kirchengeschichte 10.258—309. Wenn hier S. 266 f. desJoh. Chrysostomus Schrift De reparatione lapsi benutzt wird, so ist natür-lich nicht mit Gundlach S. 267 n. 1 an eine Übersetzung durch Hincmarzu denken, der ja kein Griechisch konnte. Das große verlorne Prädestinations-werk erwähnt Flodoard 3, 15 p. 502, dort auch der Widmungsbrief (Migne125, 49). Das zweite (oder dritte) Werk aus einem cod. S. Remigii zu Rheimsherausgegeben von Sirmond 1, 1—410, Migne 125, 55; Widmungsbrief beiFlodoard 3,16 p. 505. Die Stelle aus dem Prolog (Migne col. 55 B) utquoniam de ipsis sceclulis notariorum ante emendationem instante domino nostrorege. Carolo sub celeritate illud transcribi fecimus et idcirco in locis plurimisemdi et emendari quaedam necessitas compulit; der Prolog enthält col. 57 ff.eine Predigt des Florus, an deren authentischem Wortlaut col. 55 D und
] ) Migne 125, 55 D corrupto muneribusiuniore bibliothecario Äquensis palatii librumo. Hilarii rasit et ubi scriptum erat quia in
dei filio carnis humilitas adoratur,- immisitcarnis humilitas adoptatur.