350 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Sachsen (von Aldhelm benutzt? vgl. Manitius, Wiener Sitzber. 112, 599f.)mitbrachten; Leid. Voss. F 73 s. IX ist in Tours geschrieben, s. Delisle,Mem. de l'Iustitut, Acad. deslnscr. 32, 39. 47. Daß man sich in karolingisclierZeit viel mit Nonius beschäftigte, ergeben die zahlreichen Hss. aus s. IXund X; Aufschriften aus älterer Zeit sind höchst selten, ich kenne nur dreivor der Humanistenzeit, nämlich in Metz (St. Vincenz) und (zwei) in St. Amand,s. Rhein. Mus. 47 Suppl. S. 83, die nächste fällt erst ins Jahr 1443. Sichergekannt hat ihn Johann von Salisbury, der ihnPolycrat. 8,11 (ed. Giles3,262)anführt. — Hincmar fährt dann fort De composito autem hoc verbo, qnod estpromulgo, Paulus in glossis suis dicit hoc modo, es folgt Pauli epit. Festi ed.Thewrewk de Ponor p. 281, 4 f. Dann zitiert er Isidor, die Stelle findet sichaber nicht in dessen Schriften. Hierauf Et Placiades unvm superadiciens verbumcetera dicit similiter, womit aber nicht, wie SchrörsS. 466 n.52 meint, PlanciadesFulgentius gemeint ist, sondern vielmehr die Glossen des Placidus in derim Paris, nouv. acq. 1298 s. XI überlieferten Gestalt, da das Zitat Corp. gloss.lat. 5, 138, 37 steht. Zum Schluß bringt er für promulgo noch die Glossaeantiquorum, worunter die Glossae affatim zu verstehen sind, aber in einerForm, die ausführlicher ist als die überlieferte: er zitiert daraus Corp.gloss. 4, 557, 44. 556, 24. 26. 25,*) aber erweitert um die Worte promulgansporrigens und promulgat crescit incrementat promit. Außerdem führt Hincmarin einem Brief an Papst Hadrian (Sirmond 2, 703 = Migne 124, 881) eineStelle aus Controv. maior XIII des sog. Quintilian an, sowie de una et nontrina deitate 8 (Migne 125, 540D) eine längere Stelle aus Donat; 2 ) diesebezieht sich auf Keil, GL. 4, 376, 32—377, 2, ist aber gegen das Originalsehr erweitert und verändert.
Dogmatische Schriften. Vor seiner ersten großen (verlorenen)Schrift im Prädestinationsstreite verfaßte Hincmar ein längeres Sendschreibenan die Geistlichkeit seines Sprengeis, das erst vor kurzem bekannt wurde,und in dem Hincmar dreier Schriften Godescalcs gedenkt. Es wird in zweiBriefen Harbans aus dem Jahr 850 erwähnt und ist wahrscheinlich 849verfaßt. Das verlorne große Werk wird von Flodoard erwähnt, der auchden Widmungsbrief an Karl aufbewahrt hat. Der Brief läßt erkennen, daßHincmar das Werk zugleich im Namen seiner sämtlichen Suffragane anKarl richtete und daß er sich vielfach auf die Autorität eines Beda, Paulinvon Aquileja und Alchvine berufen hat, deren Schriften zur Zeit Karls desGroßen bei Gelegenheit der Ketzerei des Felix von der römischen Kircheals rechtgläubig anerkannt seien. In der Vorrede zu seinem Werk überdie Prädestination bemerkt Hincmar, daß es auf Befehl König Karls mitaller Schnelligkeit von den Schreibtafeln ohne vorherige Durchsicht ab-geschrieben sei, und er bittet daher, weil sich in der Reinschrift mancheÄnderungen nötig gemacht hätten, die Leser und Abschreiber um keineabsichtliche spätere Entstellung des Textes. Denn er wisse, daß einstBischof Felix von Urgel den jüngeren Bibliothekar der Aachener Pfalz
') Am Schluß propagata patefaeta aus j et non trina deitate 6 (125, 538 A) gelöst No-
Placidus 5, 137, 57. bis autem Latinis et Graecae linguae ignaris
2 ) Die Frage, ob Hincmar Griechisch ge- I non est hinc necesse diutius laborare.
könnt habe, wird durch seine Worte de una I