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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
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Hincmar von Bheims. Prudentius von Troyes. 345

er hat das wohl als Kapellan zwischen 830 und 833 getan. Etwa in der-selben Zeit wird er von Walahfrid als Magister in der Aufschrift eines anihn gerichteten Gedichts angesprochen; zugleich sendet ihm Walahfrid diein Beichenau befindlichen Gedichte des Modoin von Autun und bittet ihnum den Lukankommentar und um die kleinen Gedichte Vergils; zugleichaber ersucht er ihn um eine poetische Gegengabe. Daß Prudentius auchder Sitte der Zeit als Dichter huldigte, ergibt sich aus Distichen, die erin ein Bvangeliar eintrug. Nach 843 wurde er Bischof von Troyes undals solcher beteiligte er sich 851 am Prädestinationsstreite, in dem ihm; sein Metropolit Wenilo von Sens 1 ) auftrug, neunzehn Kapitel aus demhierauf bezüglichen Werke des Johannes Scottus zu widerlegen. Er unterzogsich dieser Aufgabe, indem er, wie er im Widmungsbriefe sagt, die Wortedes Johannes meist anführt und seiner eignen Darstellung zur Unter-scheidung stets das Crisimonzeichen voranstellt. Später scheint er aberseine Ansichten über die Prädestination geändert zu haben, denn Hincmarberichtet von ihm, daß er anfänglich gegen Godescalcs Lehre auftrat,schließlich jedoch der heftigste Verteidiger des Ketzers geworden sei; end-lich sei er, der in den Wissenschaften ausgezeichnet unterrichtet gewesen,nach der Herausgabe mehrerer sich widersprechenden und dem Glaubenentgegenstehenden Werke gestorben (861). Und ebenso schreibt Hincmarin einem Briefe an den Erzbischof Egilo von Sens, daß Godescalc an demBischof Prudentius einen Anhänger gehabt habe, der in den Jahrbüchernder Könige Westfrankens an einer Stelle zum Jahr 859 eine Bestimmungdes Papstes Nicolaus über die doppelte Prädestination anführe, die er sonstweder gehört noch gesehen habe. Diese Jahrbücher seien schon verbreitetund auch der König habe ein Exemplar, und es sei dasselbe Werk, daser (Hincmar) einst in Gegenwart Egilos von Prudentius empfangen unddiesem zurückgegeben habe. Die angeführte Stelle findet sich in denAnnales Bertiniani zum Jahr 859 und es ist danach sicher, daß Prudentiusdie Jahrbücher von 835 bis 861 geschrieben hat. da dieser Teil ein sichgleichbleibendes Gepräge besitzt und Prudentius 861 starb. Dieser schreibtbis 840 wenigstens ungefähr noch die Geschichte des Gesamtreiches, späteraber beschränkt er sich auf westfränkische Verhältnisse und lenkt nichtselten den Blick auf seine spanische Heimat. Besonderes Interesse hattenfür ihn aber allerhand Naturereignisse, die auch schon in der Überarbeitungund Portsetzung der älteren Reichsannalen nicht selten gebucht wordenwaren. Auch die völlige Antikisierung der geographischen Namen hatPrudentius' Darstellung 2 ) mit diesen Annalen gemeinsam.

Die Fortsetzung der Annales Bertiniani von 861 bis 882 stellt nun nebenden Taten des Königs das Wirken des Erzbischofs von Rheims durchausin den Vordergrund und da der Verfasser ein hochgestellter Geistlicher inder Rheimser Provinz gewesen ist und die Annalen fast bis zum TodeHincmars geführt wurden, so ist in dieser Fortsetzung nur Hincmar alsVerfasser zu erkennen. Er bearbeitete einen viel reichhaltigeren Stoff als

1 ) Ein Brief von ihm an Amulo von LyonMG. Ep. 6,72 N. 81.

2 ) Jedenfalls nach Caesar und dem Itine-

rarium Antonini; vgl. diese Namen Ann. Ber-tiniani ed.Waitz p.VI.