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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

Stellung eines päpstlichen Vikars, allerdings ohne Erfolg. Trotzdem ver-stand es Hinemar, die Bedeutung des durch Ebo stark mitgenommenenerzbischöflichen Amtes zu Rheims binnen kurzem wiederherzustellen undsich in Verbindung mit west- und ostfränkischen Klerikern im Prädestinations-streite eine führende Rolle zu sichern, was ihm durch die VerbannungGodescalcs in den Rheimser Sprengel wesentlich erleichtert wurde. Alsaber schließlich der von ihm aufgeforderte Johannes Scottus in seiner Schriftüber die Prädestination von der Kirche überhaupt völlig abweichende Lehrenvorgetragen hatte, verfaßte zunächst Wenilo von Sens einen Auszug ausdieser Schrift, den zu widerlegen er dem Bischof Prudentius von Troyesübertrug, und dann ließen sich Florus von Lyon und auch der ErzbischofAmulo hören. Da sich die Streitigkeiten in die Länge zogen, griff Hinemarendlich 856 selbst zur Feder und er schrieb nun ein äußerst umfangreichesWerk, von dem sich aber nur der Widmungsbrief an König Karl erhaltenhat. Indes auch hierdurch wurde der Streit natürlich nicht aus der Weltgeschafft und Hinemar schrieb dann 859 ein neues großes Werk über diePrädestination und den freien Willen, das aber die Sache ebenfalls nicht zumAustrag bringen konnte und großenteils aus weitschweifigen Kritiken überdie für dieses Gebiet reichlich berufenen Synoden besteht. Schon im nächstenJahre scheint man dann den Streit aus Opportunitätsgründen beigelegt zuhaben. Doch hatte sich im Verfolg dieser theologischen Streitigkeiten eineandre Kontroverse entwickelt, in die auch der von der Kirche so hart be-handelte Godescalc eingriff. Sie betraf die Trinitätsfrage und handeltedarüber, ob die Gottheit eine dreifaltige genannt werden könne. Als Gode-scalc für die Richtigkeit der trina et una deitas eingetreten war, schriebHinemar 860 zwar gegen dessen Aufstellungen das Werk De una et nontrina deitate, ohne aber den Gegner wesentlich zu widerlegen, wozu ihmdie philosophische Bildung fehlte. So besteht die Schrift hauptsächlich ausgehäuften Väterzitaten. Auch sonst beteiligte sich Hinemar an den dog-matischen Fragen der Zeit, wie er ein Buch über die Sakramente und eineSchrift über Bilderverehrung schrieb, die beide verloren sind. Was sichvon dogmatischen Schriften Hincmars erhalten hat, zeigt den Verfasser alseinen in hohem Grade streitbaren und mit den Gegnern scharf umspringendenGeist, dem es aber doch meist an der selbständigen Auffassung gebrach,so daß er auf die Aneinanderreihung von anscheinend beweiskräftigenStellen aus den Werken der Väter angewiesen war. Der Umfang der vonihm gelesenen und angeführten patristischen Literatur ist groß, er erstrecktsich von Cyprian bis auf Isidor und Beda, läßt aber die im angeblichenDekret des Gelasius als apokryph übergangenen Schriften unberücksichtigt. 1 )Für Hinemar ist das Dogma in seiner Entwicklung mit den Vätern ab-geschlossen, jede darüber hinausgehende Neuerung verwirft er. Er ver-gleicht sich daher in gewisser Beziehung Männern wie Alchvine und Hrabanund gehört wissenschaftlich nicht zu den führenden, selbständigen Geistern

') Vgl. Schrörs, Hinemar, Erzbischof vonReims .S. 173 f. Zu den benutzten Autorenkommt aber noch eine ganze Eeihe christ-licher Dichter, darunter, als besonders wichtig

das Gedicht Prospers de ingratis und dasCarmen de Providentia divina. Außerdem Hege-sippus (M. 125, 462 B. 846 B).