Johannes Scottus. 337
entweder teilweise gleiche Quellen wie Dunchad benutzte, oder selbst vondiesem abhängig ist; ich ziehe bei dieser Alternative den ersten Fall vor.So finden sich bei beiden sehr ähnliche oder fast gleiche Erklärungen zup. 47, 2. 50, 16. 51, 27 und besonders zu p. 141, 2 (Johannes) = 140, 23(Dunchad), wo beide eine Stelle ex tov nenlov QeofQäazov {xe"/vi]v Xöyovxögal; 2vQaxooios evQcno) erläutern, ein Werk, das damals also wohl nocherhalten war. Überhaupt aber scheinen die Erklärungen, die Johannes ausgriechischen Schriftstellern gibt, zahlreich zu sein, 1 ) seine Kenntnis derSprache steht unbedingt fest, wenn auch seine Schreibweise häufig nachder zu seiner Zeit geltenden Aussprache des Griechischen gerichtet ist.Jedenfalls ist der Kommentar aus einer großen Reihe von Quellen musivischzusammengesetzt und bezeugt eine ganz außergewöhnliche Literatur- undSprachkenntnis seines Verfassers. Übrigens treten in dem umfänglichenWerke eigentlich grammatische Dinge sehr zurück, und so hat auch dasdritte Buch De grammatica ganz auffällig wenig Scholien, fast nur Wort-erklärungen erhalten; sie stehen f. 72b—76a.
Beispiel: p. 79, 19 Lien Siculi Dianam vocant. Rien flumen vel renes. Lien et rien etglutten e observant ante ultimas syllabas in obliquis casibus, praedicta autem nomina omenet flmnen et tibicen non servant e ante ultimas syllabas sed mutant in i: flumen fluminls,lien vero lienis ut superiora declinantur, quia eiusdem declinationis sunt. Flemen est ulcusin cruribus. Item feminina dimisit exempla ut Sirena et Triten, irizo murmuro, inde trizansmurmurans; reo fluo inde rien fluens.
Das Werk findet sich nur in zwei Hss., nämlich im Paris. 12960 s. IX — X aus Corbie(schon im Katalog s. XII genannt (B. 79, 224 Martiani expositio a Iohanne Scoto) und in>Leid. 167, 2 ) denn die Erklärung im Berol. Phillipp. 1817 mit der Ueberschrift Expositio Mar-tiani a Iohanne Scotto cepta ist das Werk des Remigius (= Berol. Meerm. 179, s. Rose, DieMeermannhss. d. kgl. Bibl. zu Berlin S. 395), vgl. Rand, Johannes Scottus S. 81. Benutzungdes Johannes zeigt sich in der Schrift Vita patrum secundum fabulas im Monac. 21566 s.XIIIf. 20—68, die aus 116 Fabeln über Saturn, Rhea. Vesta, Aktäon, Prometheus u. a. besteht.Das in alten Katalogen genannte Commentum Martiani wird wohl ausnahmlos das des Re-migius sein. Vgl. besonders Hauröau, Not. et Extr. 20, 2, 1 ff. und M. Narducci, Bullett.di bibliogr. e di storia delle scienze matematiche e fisiche Bd. 15; E. K. Rand, Johannes Scot-tus, gibt S. 81 f. die Stellen, an denen Johannes von Remigius in dessen Martiankommentargenannt wird.
Boethiuskommentar. Die kurze Vita des Boethius, die im Laur. 78, 19f. 3b s.XII dem Johannes zugeschrieben wird, steht Boeth. ed. Peiper p. XXXIIals N. 3; sie stellt den Boethius als Schriftsteller vor und zeigt, daß ihrVerfasser besonderes Interesse am Griechischen hatte. E.K.Rand (JohannesScottus S. 3 ff.) weist nach, daß die Erklärung zu den Opuscula sacra (außerN. 4) des Boethius in einem Exemplar der 3)-Klasse von Johannes ein-getragen und bald als eignes Werk daraus gezogen wurde, sowie daß derHumanist und Stilist Heiric nicht der Verfasser sein kann (S. 16 ff.). Johannesverfaßte den Kommentar nicht vor 867, jedenfalls in seinen letzten Lebens-jahren. Die Zeit ergibt sich aus p. 49, 14 (Rand) haec autem heresis nvperorta est, tempore scilicet Nicolai papae . . . Quam rem refert ipse papa inepistolis, quas per Gallias mittens Graecos . . . damnavit. Zu den Fabeleienüber das Lebensende des Johannes s. Traube, PL. 3, 521 und 522 n. 1.
Die Ueberlieferung ist ziemlich ausgebreitet, Haupthss. sind Paris. 12957 s. IX, Bern.510 + 517 s. IX—X, Vat. Urb. 532 s. IX, s. Rand S. 28f. Genannt wird das Werk nur in
') So gibt er zu p. 3, 10 die griechischen | y.rjgv'£.Namen der Plejaden, zu 12,19 die der Musen, I 2 ) Vgl.M.Narducci, Bullett.di bibliogr
zu 19, 8 die der Parzen, zu 28, 23 erläutert e di stör, delle scienze mat. e fisiche 15, 62.er griechische Ziffern, zu 100, 5 dekliniert er J
Handbuch der klass. Altertumswissenschaft. IX, 2. 22