332 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Versen des Johannes enthält, und in den Remigiusscholien zu Martian jeeine Stelle aus dem Hinloq des Theophrast, die nach Traube wohl auchauf Niederschrift des Johannes zurückgeht. 1 )
Außerdem hat Johannes Gedichte geschrieben. Eine kleine Sammlunghat er selbst oder haben seine Freunde angelegt, von denen Martin vonLaon die griechischen Worte und Verse, die in ihr enthalten sind, imLaudun. 444 auszog. Diese Gedichte sind meist von ganz christlicherRichtung und wenden sich lobpreisend an Karl oder seine Gemahlin Irmindrud.Trotzdem sich der Dichter hier häufig des Griechischen bedient, macht erhier wie auch anderwärts Ausfälle gegen die antike Dichtung, 2 ) und dieBetonung seiner Rechtgläubigkeit erscheint zuweilen fast geflissentlich. 3 )Doch fehlt auch hier die Phrase und der Wortprunk, die sich in der zeit-genössischen Dichtung so häufig breit machen. Auszuscheiden von denGedichten des Johannes sind die Integtimenta secundum magistrum IohannemAnglicum, die in 249 Distichen eine moralisierende Erklärung zu OvidsMetamorphosen geben und nach Traube 4 ) erst aus dem 13. Jahrhundertstammen. Und auch das Gedicht Nobilibus quondam fueras ist nach Traube 6 )nicht von Johannes verfaßt, sondern stammt von einem neapolitanischenGrammatiker aus dem Jahr 878. Es enthält außerordentlich scharfe In-vektiven gegen Rom und erscheint als Vorläufer der englischen Satirendes 11. und 12. Jahrhunderts; bemerkt sei, daß hier Vs. 11 der aus Sidon.Apoll, epist. 9,14 bekannte Vers Borna tibi subito motibus ibit amor eingeführtwird. Übrigens hält Pascal 0 ) das Gedicht für älteren Ursprungs alsTraube.
Zeugnisse. Zum Namen des Johannes s. Floss bei Migne 122 p. XIX und Traube,PL. 3, 518 n. 1, wo das Material gesammelt ist, und Münchener Abhdl. 19, 360 f.; danachstand in der Aufschrift der Uebersetzung des Pseudodionysius Iohannes Eriugena, was sichz. B. noch im Bern. 19 s. X — XI findet, durch spätere Abschreiber aber zu Ierugena ver-derbt wurde. Der Name heißt also Johannes Scottus oder Joh. Eriugena, aber nicht tauto-logisch Joh. Scottus Erigena. Daß er aus Irland kam, sagt sehr bestimmt Prudentius depraedest. 3 (Migne 115, 1194) Te sohim omnitim acutlssimum Galliae transmisit Hibernia,Die Zeit seiner Ankunft bestimmt sich nach dem freundschaftlichen Verhältnis mit Pru-dentius am Hofe (846 Bischof von Troyes). Der enge Verkehr mit dem König ergibt sichaus dem Ton der Briefe MG. Ep. 6, 158—162 N. 14 f., sowie aus den Gedichten an Karl. 7 )Zum Bekanntenkreis des Johannes s. Traube, PL. 3, 519 N. 4. 8 ) Zur Vorbildung s. Christ-lieb, Leben u. Lehre d. Joh. Scotus Erigena S. 10 f. und Huber S. 42 ff. Daß er keine geist-liche Würde besaß, bezeugt Prudentius de praedest. 3 (Migne 115, 1043) te barbarum etnulUs ecclesiasticae dignitatis gradibus insignitum nee unquam a catholicis insigniendum;hierzu stimmt der Ausdruck in Nicolaus' I. Briefe (Ivonis Decret. 4, 102) quidam vir Iohannes.Doch ist Erziehung und Bildung zum Geistlichen bei ihm unzweifelhaft.
De praedestinatione. Aufforderung durch Hincmar und Pardulus,
s. MG. Ep. 5,630 f. N. 8, daselbst p.631,13 ff. die Entschuldigung für sein
Werk. Einzige Hs.9) Paris. 13368 s. IX.
1 ) PL. 3, 522 n. 2. Doch vgl. unten.
2 ) 2, 1, 9 f. p. 527 Uli composito falso subimagine veri Fallere condocti verslbus Arca-dicls.
a ) Vgl. 2, 8, 47-67 p. 539, wo aber auch49 I IOyC TG AOPOC TG erscheint.4 ) PL. 3, 526 n. 8.'-) PL. 3, 554 ff.
6 ) Poesia latina medievale p. 85 f.
7 ) Vgl. Willi. Malmesber. Gesta pontif. 5,
240 (ed. Hamilton p. 392) transigebatque cumeo (sc. Cardio) tarn seria quam ioca individwus-que comes et mensae et cubiculi erat.
8 ) Frühere Freundschaft mit Johannes be-zeugt Prudentius de praedest. 1 Blasphemiastuas ... eo molestius accepl quo te familiariusamplectebar, pecullariiis dillgebam.
9 ) In alten Aufschriften ist es nur zufinden in, Cluni s. XII (Delisle, Le cab. desmscr. 2, 465 N. 199).