Johannes Scottus.
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Da nun in dem Kommentar (p. 49,14 ff.) auf Briefe Nicolaus' I. an diegallischen Bischöfe aufmerksam gemacht wird, so ergibt sich, daß Johannessich um 870 ruhig und unangefochten im Frankenreiche befand und nicht,wie spätere englische Berichte erzählen, nach England gegangen war, wo erangeblich als Märtyrer gestorben sein soll. Übrigens sucht der Kommentar,wie Rand nachwies, 1 ) an einigen Stellen eine mildere und modifizierte An-schauung zu übermitteln, da Johannes in seinem Hauptwerk doch bis zurGrenze der Häresie gelangt war.
Vielleicht hat sich Johannes auch mit Priscian beschäftigt, allerdingskann ein beiläufig erwähntes Scholion 2 ) zum Namen dieses Grammatikersauch zufällig in einem andern Werke gestanden haben. Bedenkt manaber die Namenserklärung zum Eingang des Martiankommentars, so istes doch nicht unwahrscheinlich, daß Johannes auch eine Erklärung zuPriscian geschrieben hat, zumal sich die Iren in ausgedehntem Maßstabemit Priscian beschäftigten, wie viele Handschriften erweisen. 3 )
Wahrscheinlich gehört dem Johannes aber auch noch eine Übersetzungaus dem Griechischen an. Im Zeitalter Justinians hatte Priscianus Lydusein Werk geschrieben, das sich als Beantwortung einer Anzahl Fragenaus der Psychologie, Physiologie, Physik und aus der Naturgeschichte aus-gibt, die der Perserkönig Chosroes an ihn gerichtet habe. Jede Frage 4 )hatte Priscian in einem längeren Kapitel beantwortet. Von diesen Solutioneshat sich nur die lateinische Übersetzung erhalten und zwar in einer altenCorbier sowie in drei späteren Handschriften. Quicherat hat zuerst aufJohannes als Übersetzer hingewiesen 5 ) und Traube hat sich dem an-geschlossen. 6 ) Vielleicht hängt hiermit eine andere Schrift des Johanneszusammen, die man im 15. Jahrhundert noch in Michelsberg besaß: Dis-putatio Tlieodori Graeci cum Iohanne Scoto. Außerdem gab es im 11. Jahr-hundert in Toul eine komputistische Schrift des großen Iren und ein Buchüber die Natur der Hunde; Traube 7 ) hält die letztere Aufschrift für richtigund meint, daß das Buch aus Auszügen aus Plinius, Solin, Ambrosius undIsidor bestanden haben könnte. Endlich sind noch einige Auszüge ausgriechischen Werken zu erwähnen. Macrobius hatte ein vergleichendesWerk über das griechische und lateinische Verbum geschrieben und Johannesbrachte dies, um das griechische Verbum besser erlernen zu können, ineinen Auszug, der die Reihenfolge des Originals wahrte; durch diese Ex-zerpte hauptsächlich hat sich die Kenntnis jenes Buches erhalten. Außer-dem findet sich im Laudun. 444, der Auszüge des Iren Martin aus den
') A. a. 0. S. 20 ff.
2 ) Vel secundum Iohannem Scottum Ce-sariensis ideo dicitur propter dignitatem i. e.regalis.
3 ) Nämlich Leid. bibl. publ. 67, Caroliruh.223, Sangall. 904, ferner die Hss. im Katalogvon Bobbio bei Becker 32, 512. 522. 525.
4 ) Z. B. 4 Warum in allen Klimaten vierJahreszeiten erscheinen? 6 Warum das RoteMeer alle Tage und Nächte Ebbe und Flut hat?
5 ) Bibl. de l'ec. des chartes Ser. 3 tome 4,253 f.
6 ) PL. 3, 522 n. 3 und E. K. Rand, Joh.Scottus p. IX n. 1; er weist auch auf die Mög-lichkeit von Fergus' Autorschaft hin. Die dorterwähnte Hs. in St. Amand s. D e 1 i s 1 e, Lecab. des mscr. 2,452 N. 198 Prisciani solutio-nes super hiis de quibus dubüavit Chosdroerex Persarum.
7 ) PL.3,757undE.K.Randa.a.O.S.12;Traube bringt p. 757 ein signifikantes Bei-spiel aus De divis. 3, 39 (Migne 122, 738 C),wo einiges Weitere auf physiologische Lite-ratur zurückgehen wird.