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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

Bedeutend ist der Umkreis der von Johannes benutzten Literatur. 1 ) Ausder älteren lateinischen Literatur führt er nur Vergil und Plinius an, ausder späteren Martianus Capeila, Boethius, 2 ) Hilarius, Hieronymus, Am-brosius und besonders Augustin. Von den Griechen kennt er Epiphanius,Gregor von Nyssa, Maximus Confessor, Pseudo-Dionysius Areopagita undvielleicht Gregor von Nazianz. Als ein nicht unwichtiges Moment für dieBeurteilung von Johannes' Denkweise scheint noch angeführt werden zumüssen, daß er auf schönrednerische Zitate überhaupt ganz verzichtet unddaher der Anführung von Dichterstellen aus dem Wege geht. Er stehtin dieser Beziehung in seiner Zeit einzig da.

Dieselbe Enthaltsamkeit im Zitieren, die ja auf eine große geistigeSelbständigkeit des Autors hinauskommt, beobachtet Johannes auch inseinen mehr philologischen Schriften. Hier ist vor allem sein Kommentarzu Martianus Capeila zu nennen, von dem noch wenig bekannt ist 3 ) undder von Remigius von Auxerre ausgeschrieben wurde. Das Werk läßt dengelehrten, mit tüchtiger Sprach- und Literaturkenntnis ausgestatteten Er-klärer erkennen. Freilich in der wunderlichen Etymologie von Eigennamenund durch andere Mißverständnisse hat auch er seiner Zeit den Tributgezahlt. Das Werk war und ist höchst selten, da es von dem des Remigiusverdrängt wurde, das durch seine der Schule mehr angepaßte Erklärungs-weise mehr Aussicht auf Geltung hatte.

Ferner beschäftigte sich Johannes eingehend mit Boethius. Er ver-faßte ein Leben des berühmten Philosophen, das sich im Laur. 78,19 s. XIIfol. 3 b erhalten hat und mit lohannis Scoti verba incipiunt*) beginnt. Vongrößerer Wichtigkeit aber ist ein Kommentar zu den Opuscula sacra desBoethius, die Johannes in einem Exemplar besaß, dem der vierte Traktatfehlte, weshalb seinem Kommentar auch die Erklärung hierzu mangelt;diesen Mangel bat später Remigius von Auxerre ausgeglichen, der auchdiesen Kommentar des Johannes sich zu eigen machte und die Lücke er-gänzte. Die scharfsinnigen Untersuchungen von E. K. Rand haben dieZugehörigkeit des Werkes zu Johannes erwiesen und die urkundliche Be-zeugung bringt der Fuldaer Katalog des 16. Jahrhunderts in seinem großen-teils auf das 9. Jahrhundert zurückgehenden Bestände. 6 ) Der Kommentarläßt grammatische Schulung erkennen, zeigt den Verfasser als guten Keimerder kirchlichen Autoren, der aber auch hier wieder der Poesie nicht ge-neigt ist, als Verehrer des Griechischen und als tiefsinnigen, original an-gelegten Theologen, dessen Kühnheit sich mit der Selbständigkeit desDenkens die Wage hält, die er in seinem philosophischen Hauptwerk beweist. 6 )

') Siehe J. Dräseke in Studien z. Gesch.d. Theol. u. d. Kirche Bd. 9 Heft 2, wo S. 10bis 27 die lateinischen, S. 27—63 die griechi-schen Autoren zusammengestellt sind.

2 ) Siehe über den Einfluß des Boethiusauf Johannes auchE.K. Rand, Johannes Scot-tus S. 19 f.

3 ) Die von Haureau, Notices etExtraits20, 2, 1 ff. gegebenen Auszüge vermehrte E.K. Rand, Johannes Scottus S. 21 f. um einwichtiges Stück über die Antipoden.

*) Dieselben Worte stehen am Anfangeines kleinen Traktats über die Kategorienund deren griechische und lateinische Benen-nungen im Sangall. 274 s. IX p. 4.

5 ) Beihefte z. Zentralbl. f. Biblw. 26, 96Rep. 4 Ord. 4, 1 Joannis super Boetium de s.trinitate. fol. Hie Über est maneus et mutihis.

6 ) Wörtlichen Anklang an De divis. nat.(2, 34 col. 613) hat nur (ed. Rand) p. 65, 6ff.,doch vgl. hierzu Rand S. 18 und n. 3.