Johannes Scottus.
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über die Trinität Gottes nur bildlich zu verstehen seien, und daß für dieseNamen im objektiven Wesen Gottes kein Grund vorliege, daß Gott vielmehr• über alle Verhältnisse zu setzen sei. 1 ) Die Welt ist ein Ausfluß und einProdukt des göttlichen Wirkens, das dem göttlichen Sein immanent undeins mit ihm ist. Gott und die Welt sind ein und dasselbe, Gott ist allesund alles ist Gott. Und so wie alles natürlich Geschaffene zum Anfangseiner Bewegung zurückkehrt, deren Ende ihr Anfang ist, so ist das Zielund das Ende der Bewegung der Welt Gott. Aus der Einheit strebt alleszur Vielheit in die Einheit, und die Einheit ist Gott. Mit Gott wesensgleichist der Logos, in dem Gott die Ideen schafft, die der aus Gott durch denSohn hervorgehende heilige Geist in die Einzelwirkungen der Erscheinungs-welt umsetzt; der Logos ist Prinzip und Ende der Welt. 2 ) Er bildet dieBrücke von der Einheit Gottes zur Vielheit der Welt und die Brücke vonder Vielheit der Welt zur Einheit in Gott. Die Auflösung der Welt undihre Rückkehr zu Gott erfolgt nicht in Zukunft und am Ende der Tage,sondern sie muß fort und fort erfolgen. Sämtliche Kreaturen verschmelzenmit Gott und sind mit ihm eins, Gott ist nun alles in allem. — Mit derOrthodoxie der Kirche mußte dies Werk in scharfen Konflikt treten,allerdings hat Johannes durch vermittelnde Ideen mancher häretischenÄußerung die Spitze abgebrochen. 3 ) Für die Auffassung der Einzelwissen-schaften interessant sind Kap. 3 und 4 des 5. Buches, wo von Sonne undMond ausgegangen wird und dann der Weg von der beseelten Natur zuden sieben freien Künsten 4 ) führt; auch hier nämlich wird der Satz er-wiesen, daß alles von der Einheit ausgeht, zur Vielheit führt und zur Ein-heit zurückkehrt, so daß Ausgang und Ziel in allem ein und dasselbe sind. —Wahrscheinlich ist das große und bedeutsame Werk, das für Jahrhundertein der Geschichte des menschlichen Geistes einzig dastehen sollte unddurchaus nicht den Anfang eigentlich scholastischer Wissenschaft bezeichnet,nur wenigen Eingeweihten unter den Zeitgenossen zugänglich gewesen.Jedenfalls ist nichts von einem Verbot des Buches im 9. Jahrhundert be-kannt 5 ) und erst im Jahr 1225 erließ Honorius III. eine Verdammungs-bulle gegen das Werk, da man in ihm neue Nahrung für die Albigenser-ketzerei fürchtete: alle Exemplare sollten an Ort und Stelle verbranntoder nach Rom gesendet werden; wer das Buch fünfzehn Tage nach Be-kanntwerden der Bulle noch besitze, solle der Exkommunikation verfallenund als Ketzer erklärt werden. Es ist aber billig zu bezweifeln, daß diesersehr verspätete Angriff auf das bedeutende Werk die erwünschten Folgenhatte, denn noch erscheint es in zwei Katalogen des 14. und 15. Jahr-hunderts und fünf französische Handschriften haben sich von ihm gerettet. —
1 ) Vgl. 2, 35 (Migne 122, 614 C) Nequemim talis unitas est seu trinitas qualis abulla creatwa potest excogitari . . . Siquidempliis quam unitas est et plus quam trinitas.
2 ) Ueber denLogos s.GeorgBuchwald,Der Logosbegriff des Johannes Scotus Erigena(Leipz. 1884) S. 10 ff.
3 ) Siehe hierüber Th. Wo t s c h k e, Fichteu. Erigena S. 29. 35 f. 43 f. 46 f.
4 ) Mit Ausnahme der Grammatik undRhetorik, vgl. Migne col. 869 D.
5 ) Im 12. Jahrh. wurde es von HonoriusAugustodunensis für seine Clavis physicaestark ausgebeutet, wie J. A. Endres, Hon.Augustodunensis S. 65—69 u. 141—145 nach-weist. Das war schon im Mittelalter bekannt,s. die Aufschrift aus Göttweih Neues Archiv32, 702.