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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Johannes Scottus.

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' und zwar in heftigem Tone, aber unter seinen Händen wurde die Ent-gegnung zu scharfer Anklage gegen die herrschende Auffassung überhaupt.Im Geleitbriefe bedankt er sich äußerst demütig bei den Auftraggebern;des von diesen aber nicht geahnten Erfolges sicher, entschuldigt er zugleichsein Werk: „Wenn ihr darin etwas Wahres findet, so haltet es fest undschreibt es der katholischen Kirche zu; findet ihr Falsches, so verwerfet esund verzeiht es mir, da ich ein Mensch bin; was zweifelhaft ist, daranglaubet, bis die Autorität entschieden hat, ob es zu verwerfen oder wahroder für alle Zeiten zu glauben sei." Auch sollen sie ihm nicht die Gleich-stellung der göttlichen Voraussicht und der Vorausbestimmung vorwerfen,da er diese nur in Hinsicht auf die Einheit des göttlichen Wesens betonthabe. Für das ganze Werk ist es höchst bezeichnend, daß zu Anfang desersten Abschnitts auf die Philosophie als auf die Grundlage aller wirklichenErkenntnis hingewiesen wird; und zwar bringt Johannes vorsichtig genugeinen Satz aus Augustin als Stütze, aus dem gefolgert wird, daß die wahrePhilosophie die wahre Religion, und die wahre Religion die wahre Philosophiesei. 1 ) Die umfängliche Schrift stellt in neunzehn Abschnitten 2 ) dar, daß es einedoppelte Prädestination nicht gebe, nämlich daß von einer solchen bezüg-lich der Bösen nicht die Rede sein könne. Diese Lehre trat aber mit derkirchlichen in scharfen Widerspruch und Prudentius von Troyes verfaßteauf den Wunsch des Erzbischofs Wenilo von Sens eine ausführliche Wider-legung der neunzehn Kapitel 3 ) und das gleiche tat Florus 4 ) im Auftragder Kirche von Lyon und des Erzbischofs Remigius: erst später ergriffHincmar das Wort.

Spätestens im Jahre 858 überreichte Johannes dem Könige die vondiesem gewünschte Übersetzung der Caelestis hierarchia des Pseudo-DionysiusAreopagita, zu der zehn Briefe desselben Autors hinzukommen. Schon PapstPaul I. hatte einst an König Pippin die Werke des Pseudo-Dionysius alsGeschenk gesendet. 5 ) Sie haben aber am fränkischen Hofe unbenutzt ge-legen, da sie niemand lesen konnte. Vielleicht war dies Exemplar verlorengegangen, denn 827 wurden sie zu Compiegne dem Kaiser Ludwig durcheine griechische Gesandtschaft von neuem überreicht. Das Interesse anDionysius aber hing im Frankenreiche mit dem alten gleichnamigen Märtyrerzusammen, dessen Kloster nördlich von Paris von besonderer Bedeutung fürdie fränkische Kirche war, und demgemäß hatte Kaiser Ludwig etwa 835den Abt Hildvin von St. Denis aufgefordert, 6 ) aus griechischen und latei-nischen Quellen alles Wissenswerte über den Märtyrer zusammenzustellenund sein Leben zu bearbeiten. Dieser Aufgabe unterzog sich der Abt, 7 )doch waren seine literarischen Hilfsmittel nicht ausreichend, und daherwarf er in dem Werke den Märtyrer mit dem Areopagiten Dionysius zu-sammen und legte ihm c. 9—17 die Schriften bei, die dem Areopagitenfälschlich zugeschrieben wurden und die Kaiser Michael Ludwig dem Frommen

') Migne 122, 357 C. 358 A.

2 ) lieber den Inhalt vgl. besonders Hu-oer, Joh. Scotus Erigena S. 60—92, nament-lich 91 f.

, 3 ) Vgl. Ep. 5, 631 N. 9 und Migne 115,1009,

4 ) Migne 119, 101.

5 ) Vgl. MG. Ep. 3, 529, 20 ff.

6 ) Der Brief Ludwigs steht MG. Ep. 5,326 f.

') Die Widmung Ep. 5, 328 ff., das WerkMigne 106,23-50.