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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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324 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

geschmückt ist, wurde Theodulfs geschätztes Gedicht Praefatio bibliothecaeeingetragen. Diese Codices zeugen von außerordentlicher Geschicklichkeitund von großer Sorgfalt und von Geschmack im Schönschreiben. Karlwußte aber auch an seinen Hof große Gelehrte zu ziehen, und wenn unterseinem Großvater Paulus und Theodulf neben Alchvine geglänzt hatten, sokonnte sich Karl rühmen, einen Mann in seiner Nähe zu haben, der auchden Paulus an wirklicher Gelehrsamkeit weit übertraf, den Iren Johannes,der für den König nicht nur Werke aus dem Griechischen übersetzte,sondern an Karl auch griechische Verse richtete.

Über die früheren Lebensverhältnisse des Johannes Scottus ist nichtsbekannt. Wahrscheinlich kam er vor 845 an den Hof Karls des Kahlen,mit dem ihn bald ein sehr enges Verhältnis verband, wenn das auch vonspäten Nachrichten wohl stark übertrieben wird. Außer mit dem Königverkehrte l ) er besonders mit Prudentius, dem späteren Bischof von Troyes,mit Wulfad, dem spätem Bischof von Bourges, und in Laon, wo er sichwegen der dortigen Irenkolonie wohl öfters aufhielt, mit dem BischofHincmar. Wahrscheinlich hatte er schon in der Heimat eine ungewöhnlichgroße Literaturkenntnis gewonnen und sich intensiv mit Philosophie undmit der griechischen Sprache beschäftigt. Diese außerordentliche Gelehrsam-keit wurde von König Karl besonders geschätzt, sie brachte aber denJohannes zu einer in hohem Grade kühnen und selbständigen Stellungnahmebezüglich der wichtigsten theologischen Fragen der Zeit, und seine großeBegabung für Philosophie, deren Studium er zuerst wieder mit der Durch-dringung christlicher Wissenschaft verband, führte ihn nicht nur zu ein-gehender Beschäftigung mit griechischen Werken und deren Übersetzung,sondern setzte ihn auch in den Stand, ein von den meisten Zeitgenossenunverstandenes großes philosophisches Werk zu schreiben, das erst nachJahrhunderten als mit den Lehren der Kirche unvereinbar und als ketzerischangesehen wurde. Aus der ganzen Richtung seiner literarischen Tätigkeitergibt sich aber, daß Johannes, falls er nicht selbst Kleriker war, wenigstensden Unterricht für den geistlichen Stand genossen hat; jedenfalls aber er-hielt er keine der geistlichen Weihen, als Schützling des Königs ließ ersich an einem rein der Wissenschaft geweihten Leben genügen.

Das früheste unter den erhaltenen Werken des Johannes ist wahr-scheinlich sein Buch über die Prädestination, das durch die häretische An-sicht Godescalcs bezüglich der Prädestinationslehre angeregt wurde. Näm-lich Hincmar von Rheims und Pardulus von Laon hatten sich an Johannesgewendet und ihn gebeten, gegen Godescalcs Auffassung zu schreiben. Esist anzunehmen, daß Johannes damals noch nichts Philosophisches ver-öffentlicht hatte und daß sein enges Verhältnis zum König ihn als diehierfür geeignete Person erscheinen ließ. 2 ) Wohl schrieb er gegen Godescalc

') Ohne Zweifel ist er auch Lehrer ge-wesen, was bezüglich Wicbalds (vgl. Gestaepisc. Autissiod.. MG. 13,399) und Helias' fest-steht (vgl. Gautberti grammaticorum diaöo/jj

im Rhein. Mus. 22, 634; allerdings ist diese j d. Joh. Scotus Erigena S. 34Quelle chronologisch nur mit Vorsicht zu ge

brauchen).

a ) Vgl. J. Hub er, Johannes Scotus Eri-gena S. 59 und n. 1; bezüglich der Uebernahmedes Auftragss.Th.Christlieb,Lebenu.Lehre