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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

für Archaismen, unter denen der paragogetische Infinitiv öfters hervortritt, 1 )sowie für griechische Wörter, die aber nicht immer richtig flektiert werden. 2 )Zuweilen hascht er auch nach seltenen lateinischen Ausdrücken, die ihmdurch seine ausgebreitete Lektüre zuflössen. 3 ) Die Prosodie ist im all-gemeinen rein, es finden sich nur wenig durch die Zeit bedingte Fehler. 4 )Eigentümlich klingt bei Walahfrid Carm. 1, 3, 104 die Anrufung der Musen,während in einem andern Gedicht (5, 23a, 13 f.) die Zerlegung der Hexa-meter in je drei adonische Verse schon einen spätmittelalterlichen Eindruckhervorruft. Jedenfalls ist in den Gedichten der Inhalt wie die Form gleichwichtig und interessant, und die Worte im Epitaph, das Hraban seinemSchüler gesetzt hat, sind durchaus zutreffend (Hrab. Carm. 88,7) Nam docuitmultos, metrorum iure peritus Dictavit versus, prosa facundus erat.

Haupths. für die Gedichte: Sangall. 869 s. IX mit veränderter Reihenfolge der Qua-ternionen. Ferner Val. reg. 4G9 s. IX (aus St. Gallen) und Sangall. 899 s. IX—X, 573 s. IX—X;also die Ueberlieferung geht auf St. Gallen zurück, wohin ja auch viele Spuren in Walah-frids Wirken und Werken zeigen. Hauptausgabe von Dummler, PL. 2, 275—423. Vgl.Ebert 2, 148—162.

Nachleben der Gedichte. Daß Carm. 1, 4, 16 als Vs. 248 in Micons poetischemFlorileg steht, wurde schon oben bemerkt. Aber auch in ein anderes metrisches Werk sindVerse von Walahfrid aufgenommen worden. Nämlich im Sangall. 831 s. XI steht ein metri-scher Traktat, dessen Belegverse dem Walahfrid zugeschrieben werden Pedes disülabi gm-tnor exemplis guadrujplicibus comprehensi versus Walfridi Strahl abbatis in Augia. Dümmlerschloß den Traktat von der Ausgabe aus, aber die Verse können recht gut von Walahfridstammen, der wohl, wie Carm. 5, 49 und 48 zeigen, öfters für Lehrzwecke dichtete undMemorialverse für die Einprägung der Versfüße geschrieben haben kann, wie das schonAldhelm in seiner Metrik getan hat. Diese Verse hat der Verfasser des Traktats benutzt,dessen Anfang von J. Huemer (Neues Archiv 10, 167 ff.) veröffentlicht wurde. Hier werdenerst die Versfüße von den Disyllabi bis zu den Hexasyllabi aufgezählt, ähnlich wie amSchlüsse der Grammatik Hrabans. und dann werden von den ersten drei Arten je drei Füßenebeneinandergestellt und daraus ein kurzes Gedicht mit dürftigem Zusammenhange gebildet.Hierauf folgt der Abschnitt De flguris metrorum und daran schließen sich Exempla figu-rarnm XXXII et duarum per dactilos et spondeos in leoninisch gereimten Versen, die sichja auch sonst bei Walahfrid finden.

Die metrische Vita S. Galli.

Auf den Wunsch des jüngeren Gozbert von St. Gallen unternahm es wohlein Mönch dieses Klosters, 5 ) Walahfrids Leben des heiligen Gall in Versenzu besingen. Schon Walahfrid hatte sich mit dem Gedanken getragen,war aber durch den Tod verhindert worden, und dann hatte Gozbert Walah-frids Schüler Ermenrich in stürmischer Weise aufgefordert, dies Werk zuunternehmen, doch hatte es dieser abgelehnt. Schon im Jahr 834 schriebnun der unbekannte Mönch das Leben Galls ab und wurde auch damalsschon von Gozbert um die Versifizierung gebeten. Doch erst nach sech-zehn Jahren stellte er sie fertig und übersandte sie dem Gönner mit kurzerWidmung, in der er sich über den langen Verzug entschuldigt. In dem

') Vgl. 1,14, 20. 15, 14. 3,178. 335. 634.4,145.192 (nachLucrez). 5.1,49. 51,3. 77,9,4.

2 ) Vgl. 1, 20, 22. 3, 932. 5, 5, 33. (50, 2.7. 9). 54. 14. 15. 18. 21. 56, 21. 66, 7. 71,15.8,3,3. 6.3. 8.3. 9,1.4. 10,1. 13,1.2. Sonder-bar sind die Formen echonem und echone 5,23, 14. 18.

3 ) So 5,7, 4. 9,2,8. 19,19. 23,226. 24,25. 31, 10. 34. 16.

4 ) So 1, 3, 230. 5, 5, 26. (50,1, 31).

5 ) Das scheint aus der Vorliebe für dasGriechische hervorzugehen, vgl. Vs. 611. 920.1078. 1133. 1147. 1310. 1770. 1783 (in denbeiden letzten Versen ist das Fremdwortgriechisch geschrieben). In den GedichtenHartmanns von St. Gallen (PL. 4, 317—321N. 1—4) findet sich 4, 79 f. sogar ein griechi-sches Distichon.