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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Walahfrid Strabo.

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Schrift ist besser als der der meisten zeitgenössischen Werke und die

Hinweisung auf griechische Ausdrucks weise als Vorbild für die lateinische

Kirchensprache und auf deutsche Umbildungen aus beiden Sprachen gibt

dem Werke einen wissenschaftlichen Anstrich. Wo mag aber Walahfrid

Griechisch gelernt haben? Bei Hraban sicher nicht, die Spuren führen

vielmehr wohl nach St. Gallen, wo man Griechisch verstand. 1 )

Hss.: Sangall. 446 s. IX; Monac. 17184 s. XII, Vatic. 1146, Vindob. 914 s. X; Exzerptebieten andere Hss., s. Capit. reg. Fr. 2, 473, 11 ff. Ausgaben: rec. Alois. Knöpfler, München1890. 2 1899; besonders Capitularia reg. Francorum ed. Boretius et Krause 2, 474—516.Vgl. Ebert 2, 164 ff.

Gedichte. Die bisher noch nicht besprochenen Gedichte Walahfridsvertreten seine Briefe, von denen sonst sehr wenige erhalten sind, obwohlsich bei der Bedeutung des Gelehrten und seiner literarischen Stellungvermuten läßt, daß eine Menge Briefe verloren gegangen sind. Die Gedichtezeigen, daß Walahfrid mit einem nicht geringen Teile des fränkischenKlerus in Korrespondenz stand, und die meisten stellen Erlebtes dar, wennauch häufig das Lob an Höherstehende übermäßig aufgetragen wird. MancheGedichte sind literarisch wichtig. So nennt er 5, 35, 4 die beiden Seneca,5, 50 ist mit Benutzung von Martianus Capella, 5, 23 mit Benutzung derConsolatio des Boethius geschrieben, 2 ) 5, 41 (Similitudo impossibilium)scheint in Nachahmung von Anth. lat. 390 geschrieben zu sein, 5, 89 be-handelt astronomisch-chronologische Stoffe und 5, 3, 5 verspricht der Autordem Thegan ein „Gedicht des Pygmäen und des Giganten", das demnach viel-leicht von David und Goliath handelte. Aber auch die Form der Gedichtehat Interesse. Vor allem ist Walahfrid nach Boethius der erste Dichter,der eine ganze Anzahl lyrische Versmaße gebraucht; es finden sich beiihm asklepiadeische, glykoneische, adonische und anakreontische Verse,außerdem Hendekasyllaben, jambische Dimeter und Trimeter und sapphischeStrophen, außerdem, falls Append. 5, 3—5 ihm wirklich angehören, auchrhythmische Hexameter. Merkwürdig ist dann der Reim, den mehrereGedichte (51—54. 57. 59. 60) 3 ) vollständig besitzen, wie es früher nur inAugustins Rhythmus gegen die Donatisten, in zwei Gedichten der Instruk-tionen Commodians und in De iudicio domini von Verecundus der Fall ist;der Reim also dürfte in Carm. 5, 50, 1 und 2 nicht davon abhalten, dieseGedichte dem Walahfrid beizulegen, und wir besitzen in den erwähntenStücken eine Anzahl Gedichte, in denen der sog. leoninische Reim noch vorder Mitte des 9. Jahrhunderts völlig durchgeführt ist. Auch für starkenBinnenreim zeigt Walahfrid zuweilen Vorliebe, 4 ) ebenso für Alliteration undAssonanz sowie für die Akrostichis. 5 ) Besondere Vorliebe zeigt Walahfrid

1 ) Die Ueberschrift zu Carm. 5, 50 p. 397ist griechisch gefaßt; Dummler (ib. n. 3)glaubt allerdings, daß das Gedicht von einemSchüler Walahfrids an diesen geschickt wurde.

2 ) So auch 5, 76,71; der vorhergehendeVers zeugt von Kenntnis des Optatianus Por-firius.

3 ) Ich ergänze daher in 5, 60, 4 am Endet'ualo, da der Reim Strabo einen prosodischenFehler enthalten würde. Dagegen ist 5, 51,13

die Ergänzung Grimald wegen des fehlendenReimes unmöglich.

'») Carm. 1, 22, 25 terroris ab oris, 23, 27insane profane und besonders 1,3,218 Ille fe-roxque rapaxque minax mendaxque sagaxque.

6 ) Alliteration z.B. l,ll, 24; 1,16,2; 1,19,12. 35. 3, 295; 4,146. 203. 5, 8, 27. 5, 83,5,3; Assonanz 1,3, 416. 641.765; Akrostichis1, 3, 394-461. 5, 88.