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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Übersiedlung mit der politischen Lage zusammen, 1 ) jedenfalls aber ergabsich aus dieser ein Umstand, der hinsichtlich der allgemeinen literarischenVerhältnisse von den wichtigsten Folgen begleitet wurde, nämlich die Über-siedlung des Paulus ins Frankenreich. Im Jahre 776 war es im Friaulzur Empörung gegen die fränkische Herrschaft gekommen, an der Paulusselbst wie sein Bruder Arichis beteiligt waren. Arichis wurde ins Franken-reich gefangen abgeführt und sein Vermögen eingezogen. Nach Verlaufvon sechs Jahren 2 ) wagte Paulus an König Karl eine persönliche Bitteum Milderung der Lage des unglücklichen Bruders: er schrieb eine Elegiean Karl, in der er um Gnade bat und die er dem Könige durch Petervon Pisa überreichen ließ (Neff S. 57). So reiste er 782 ins Frankenreichund richtete am 10. Januar 783 von dem Ufer der Mosel an seinen AbtTheudemar einen Brief, in dem er seine baldige Rückkehr verspricht, wennsein Vorhaben gelungen sei. Die Aufnahme, die er in der Fremde fand,war ausgezeichnet, doch war ihm das Leben am Hofe wenig angenehm.Wahrscheinlich erfolgte die erbetene Freilassung, und Karl war froh, denlangobardischen Dichter und Gelehrten in seinem Reiche weilen zu sehen,ja er trat mit Hilfe des Petrus von Pisa sogar in eine poetische Kor-respondenz mit Paulus, aus der sich einiges erhalten hat. So bittet ihnKarl in einem Gedichte, die fränkischen Geistlichen, die seine nach Kon-stantinopel verlobte Tochter Rothrud begleiten sollten, im Griechischen zuunterrichten; das lehnt Paulus freilich ab, da er kein Griechisch mehrkönne, 3 ) doch er fügt die Übersetzung eines griechischen Epigramms demGedichte bei. Auch gab man sich gegenseitig Rätsel auf, und Karl ver-anlaßte den Paulus, für seine 783 gestorbene Gemahlin Hildegard undderen Töchter Adelheid und Hildegard sowie für Pippins Töchter Adel-heid und Rothaid, seine Schwestern, die in St. Arnulf zu Metz begrabenwaren, Grabschriften zu verfassen, unter denen sich die für die KöniginHildegard durch echt königliches Lob auszeichnet. Ebenso schrieb Paulusauf Bitten des Abts Aper von St. Hilarius zu Poitiers eine Grabschrift fürden berühmten Dichter Venantius Fortunatus. Mit seinem Aufententhalt inMetz aber hängt noch ein wichtiges Werk zusammen. Er verfaßte nämlichauf die Bitte des Bischofs Angilram eine Geschichte der Metzer Bischöfe,in der er den Ahnherrn der Karolinger Arnulf aus Dankbarkeit gegenKarl nicht wenig hervorhob; und in diesem Werke hat er das Vorbild füralle späteren Bistumsgeschichten hinterlassen. Paulus behandelte auch dieMetzer Bischöfe in einem kurzen Gedichte. Für die Geschichte der Wissen-schaft ist freilich ein anderes Werk, das er mit einem Briefe dem KönigKarl widmete, ungleich wertvoller. Das ist der Auszug aus PompejusFestus, mit welchem Werke sich Paulus auch schon in der Erklärung zurRegel Benedikts bekannt erweist. Durch den Auszug aus dem vollständigenWerk des Festus hat er von diesem nicht weDig gerettet, wenn auch seineAuszüge das Original nur in großer Verdünnung wiedergeben. In demBriefe an Karl verspricht Paulus auch Größeres zu leisten.
') K. Neff, Die Gedichte des Paulus Dia-conusS.23f. faßt diesen Aufenthalt im Klosterals Verbannung.
2 ) Zur Zeit s. Neff S. 53.
3 ) Zur Erläuterung seiner griechischenStudien zieht Neff S. 58 ff. einen kleinenDialog im Paris. 528 f. 134 b heran.