256 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
stellern für das Gewinnen des sprachlichen Ausdrucks die Glossensamm-lungen, die alphabetisch angelegt wurden und in die viel altes Sprachguthinübergeleitet worden ist. Aus diesen oft sehr umfänglichen Lexicis ent-nahm man zuweilen seltnere Ausdrücke, die sich in ihrer Umgebung merk-würdig ausnehmen; besonders die Iren und Angelsachsen sind die Trägerund Fortführer der alten Glossenliteratur und sie zogen aus den Dichternund Prosaikern außerdem seltene Wörter aus, denen sie die Bedeutung inder Volkssprache überschrieben. Mit solchen im nationalen Sinne an-gefertigten Arbeiten aber hängt endlich die Übersetzung ganzer lateinischerWerke in die Volkssprache zusammen, die mit dem 9. Jahrhundert beginntund sich wohl zuerst auf Teile der Bibel erstreckt hat. Damit fängt dieHinüberleitung der christlichen Gedankenwelt ins Volkstümliche an: diechristlich beeinflußten Nationalliteraturen auf germanischem Boden habenhierin ihren Ursprung.