Einleitung zum zweiten Buche.
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weisen sich aus Bern. 165 (Vergil), Paris. 6115 (Sueton), 1 ) Leid. Voss. F. 73(Nonius Marcellus), Leid. Voss. Q. 20 (Curtius). 2 ) Neben Tours entwickeltesich in Fulda eine höchst bedeutende Schreiberschule, wo wegen des Zu-sammenhanges mit England die insulare Schrift noch gepflegt wurde; vonhier ging z. B. aus Fuld. Bonifat. 1 (Tatian), Vindob. 107 (Avien), Harlei. 2767(Vitruv), Vatic. 1873 (und Hersfelder Fragmente: Ammian). 3 ) Für die Er-haltung der klassischen Literatur sind diese beiden Schulen neben anderen(z. B. St. Gallen, Fleury) ungemein wichtig, und es ist sehr zu bedauern,daß gerade aus Tours und Fulda keine oder keine vollständigen Bibliotheks-kataloge des 9. Jahrhunderts mehr vorliegen.*) Die Hauptschwierigkeitenfür diese karolingischen Schreiber und Philologen bestanden in der rich-tigen Deutung der schriftlichen Vorlagen, nach denen sie arbeiteten, dennweder Kapitale noch Unciale, noch die insulare Schrift, mochte sie irischoder angelsächsisch sein, noch auch die langobardische Schrift waren leichtzu lesen, und da bei der nun eingeführten Worttrennung neben dem Lesenauch das Verständnis des gelesenen Textes nötig wurde, so gab es dochsehr viel Bedenken, die beim Schreiben überwunden werden mußten. Sohatte der Korrektor ein reiches Feld für seine Tätigkeit, namentlich wennes ihm oblag, die Varianten einer zweiten Handschrift in das Exemplarzu bringen oder dieses nach einer zweiten Handschrift genau durchzu-korrigieren. Es gehörte schon eine große Summe von Wissen dazu, eheeine solche karolingische Minuskelhandschrift, über deren Schönheit wirheute nicht geringes Behagen empfinden, in die Bibliothek als fertig ein-gestellt werden konnte.
Was uns heute an vorkarolingischen Handschriften der Klassiker nochvorliegt, ist ungemein geringfügig gegenüber den Schriftstellern, derenErhaltung wir der schreibenden und kritischen Tätigkeit des 8. und 9. Jahr-hunderts verdanken; es ist immer ein seltener Fall, wenn heute noch dieVorlagen dieser alten Philologen überliefert werden, nur bei wenig Schrift-stellern kommen wir über das 9. Jahrhundert hinaus. Die Einsicht in denkarolingischen Arbeitsapparat hat es der heutigen Philologie ermöglicht,die Überlieferungsgeschichte mancher Klassiker 6 ) urkundlich festzustellenund damit deren Textkritik auf eine höhere Stufe zu bringen.
Die vielfachen Anregungen aber, die von Karl dem Großen ausgegangenwaren und die in den alten Klöstern wie in den neuerrichteten Stifterneinen nicht geringen Umschwung in der literarischen wie wissenschaftlichenBetätigung hervorriefen, sind nun keineswegs mit dem Tode des Kaisers
Sie hatten sich vielmehr so eingelebt, daß sie
in Vergessenheit geraten
J ) Pol. 71 ist abgebildet bei Chatelaina. a. 0. PL 183; die erste Zeile in Capitalisrustica, die zweite in turonischer Halbunciale.
2 ) Pol. 68 bei Chatelain PL 188,1, vgl.Traube. Neues Archiv 27, 269.
3 ) SieheTraube,Mttnch.SB. 1900,494ff.
4 ) In Pulda müßten z. B. die Germaniaund die Annalen des Tacitus aufgeführt wer-den, da je eines der beiden "Werke von Rudolfund im nahen Mainz verwendet wurden. —Ein sehr wichtiges Beispiel für eine philo-
logische Bibliothek des 9. Jabrh. bietet dasVerzeichnis im Berol. Santen.66 s.EK (Haupt,Hermes3,221f. Becker20); sie enthielt u. a.dieExempla elocutionis des Messius Arusianus.5 ) Pur Terenz z. B. hat das B. Klotz,Grundzüge altrömischer Metrik S. 563 f. ge-tan. Ein geradezu klassisches Beispiel füreine solche Untersuchung hat L. Traube inseiner Textgeschichte der Regula S. Benedictigegeben (Abh. d. bayer. Akad. 21, 601—731).