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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

falls fanden sich im Verkehr dieser Akademiker neben wissenschaftlichemErnst auch vielfach Humor und witzige Rede, wie das aus ihren Gedichtenoft genug hervorgeht; die Mischung der Nationen die Akademie setztesich aus Franken, Spaniern, Angelsachsen, Italienern und Iren (nach mittel-alterlichem Sprachgebrauch Schotten genannt) zusammen mag hierzufördernd beigetragen haben. Der Zusammenfluß von Gelehrten, Schrift-stellern und Dichtern war so bedeutend, daß man noch in späteren Zeitenallerhand Geschichten davon zu erzählen wußte, z. B. von den zwei ruhm-redigen Iren, die mit Kaufleuten aus der Heimat nach Gallien gekommenwaren und dort öffentlich ausriefen: Si quis sapientiae cupidus est, veniatad nos et accipiat eam, nam venalis est apud nos. 1 ) Glaublicher ist, daßKarl aus den Iren seine Astronomen und Komputisten nahm, als daß ersie aus Italien mit den Grammatikern hätte kommen lassen, wie eine späteErzählung berichtet. 2 ) Diese Verhältnisse machen beinahe den Eindruck,als hätte man es mit den späteren Humanisten zu tun, und wenn auchandere Wissenszweige durch diese freie Betätigung wesentlich gewannen,die Philologie hatte erhebliche Vorteile davon. Mehrere Umstände trafenhierfür günstig zusammen: Karls Sorge für Hebung des geistigen Niveausim allgemeinen, seine Bemühungen um die Erlangung und Vervielfältigungreiner Texte, die Ausbildung der klaren und schönen karolingischen Minuskel,die besonders in Alchvines Schreibschule zu St. Martin in Tours gepflegtwurde, 3 ) und endlich die Freude und Lust an der eignen Produktion wiean den wieder neu auftauchenden Werken aus dem Altertum.

Hatten früher die Iren und Angelsachsen auf dem großen Umwegeüber ihr Vaterland die Werke der römischen Literatur, die sie aus Italienholten, den Franken übermittelt, so sorgten jetzt die beiden LangobardenPetrus und Paulus für den Bücherimport, und in wenig Jahrzehnten warendie Bibliotheken der hervorragenden Klöster zu bedeutenden Bücherschätzengelangt. So wurden die Klassiker durch Abschreiben im Kloster verbreitet.Wir wissen aus dem heutigen Bestände an Handschriften, daß die meistender uns noch vorliegenden Werke des Altertums durch Vervielfältigungeines oder zweier Archetypi allein der Tätigkeit der karolingischen Schreiberund Mönche verdankt werden, und genaue Subskriptionen wie Besitz vermerkezeigen zuweilen deutlich die Geschichte ihrer Überlieferung an. So wurdez. B. der alte Paris. 5730 zur Zeit des Abts Fridugis in St. Martin in siebenTeile zerlegt, 4 ) und der Vat. reg. 762 von sieben Mönchen quaternionen-weise geschrieben. 5 ) Ähnlich wurde die Vorlage für Paris. 10314 (Lucan)unter fünf Schreiber verteilt. 6 ) Als weitere Erzeugnisse aus St. Martin

a ) Monach. Sangall. (Notker) 1,1 (MG.SS. 2, 731).

s ) Ademari hist.2,8(MG.SS.4,118,20ff.).Vorher berichtet Ademar von zwei SängernTheodor und Benedikt qni a sancto Gregorioeruditi fuerant (!), die Papst Hadrian zu Karlgesendet habe.

3 ) Ihren Ursprung nimmt sie nach K.Menzel (Die Trierer Adahandschrift S. 1 ff.)am Hofe selbst, wo man sich italienischer

Vorlagen bediente.

4 ) Ihre Namen sind im Verbrüderungs-buche von St. Gallen erhalten, s. MG. Libriconfraternit. 1 Sp. 13 ff. und 234 ff. (ed. Piper).

6 ) Siehe Schwenke, Zentralbl. f. Biblw.1890,440. Chatelain,Rev. dephil. 14,79ff.und Palöogr. d. class. lat. PL 117 (= f. 201 b);Traube, Münch. SB. 1891, 426.

6 ) Vgl. Lucan ed. Hosius* p. XXXIVund n. 2.