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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Einleitung zum zweiten Buche.

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lassen. 1 ) Und Bischof Leidrat von Lyon schenkte seiner Kirche eine ganzeAnzahl Bücher, die er hatte schreiben lassen, 2 ) wie er auch zwei theologischeWerke schrieb und Karl widmete 3 ) und dem Kaiser schrieb, daß er inseiner Kirche soviel als möglich Bücher habe schreiben lassen. 4 ) Mochtenun beim hohen oder niedern Klerus zumeist erst die WillensäußerungKarls maigebend gewesen sein, ehe das wirkliche Interesse für die Durch-führung der geistigen Reformen erwachte, bei Karl selbst sieht man deut-lich die Verbindung des sachlichen Interesses mit dem formalen, wie erz. B. seinen Amtleuten auf den Königsgütern vorschreibt, jährlich zu Weih-nachten einen genauen Bericht über Verwaltung und Zustand des Gutesan den Hof zu senden, 5 ) nämlich um diese Beamten zu zwingen, gut zuwirtschaften und ordentlich schreiben zu lernen. So wirkte der Königunbedingt auf seine Umgebung.

Wir lernen aber den König und Kaiser noch von einer andern Seitekennen. Daß Karl auf die Einrichtung von Schulen gehörig Bedacht nahm,ist von andrer Seite ausführlich erörtert worden, 6 ) wir haben hier nurkurz der Verbindung der Hofschule mit einer Art Akademie zu gedenken.Nachdem es dem König nämlich gelungen war, einen Alchvine, Peter vonPisa und Paulus an seinen Hof und an seine Person zu fesseln, 7 ) verbander sich mit diesen wissenschaftlichen Größen und weltlichen wie geistlichenHofbeamten zu einem engeren Vereine, in dem hauptsächlich wissenschaft-liche Fragen erörtert, Rätsel aufgegeben und Gedichte geschrieben undvorgelesen wurden, wobei sich die Mitglieder mit fingierten Namen be-nannten, was als ein Zeichen von engerer Freundschaft aufgefaßt wurde. 8 )Die Gedichte Alchvines und Theodulfs gewähren einen Einblick in dieSitzungen dieser Akademie und geben die Namen ihrer Mitglieder. Sohieß Karl David, Alchvine Flaccus, Paulinus Timotheus für Petrus undPaulus fehlen die Namen Angilbert Homer, Einhart Beseleel, RiculfFlavius Damoetas, Beornrad von Sens Samuel, Mundschenk Eberhard Nemias,Seneschalk Audulf Menalcas, Kämmerer Meginfrid Thyrsis, Muadwin Naso,unbekannte Mitglieder Drances, Maro, 9 ) Sulpicius, Idithun und Corydon.Man sieht deutlich, daß die antiken Pseudonyme die biblisch-christlichenüberwiegen und man erkennt aus den dichterischen Namen die hohe Wert-schätzung der Poesie in diesem Kreise. Die Bedeutung Karls ergibt sichaus dem Namen David, und Alchvine feiert den König einmal als ein wunder-bares Wesen mit zwei Häuptern und sechzig Zähnen, die nicht die Größeder Elefantenzähne, wohl aber elfenbeinerne Schönheit besäßen. 10 ) Jeden-

') MG. Ep. SS. 9, 770.

2 ) Nämlich Paris. 152 (f. 2125). Lug-dun. 152. 524. 526, s. Delisle, Notices et Ex-traits 35, 2, 831 ff.

3 ) MG-. Ep. 4, 539 N. 28 und 540 N. 29.

4 ) MG. Ep. 4, 543, 10.

6 ) Capitul. de villis 62 (Capit. reg. Franc,ed. Boretius 1, 88, 40 ff.).

6 ) Siehe Abel-Simson, Jahrb. d. fränk.Reiches unter Karl d. Gr. 2, 566580. Daßhier S. 568 aus Capit. 1, 235 (s. Ebert 2, 9)gefolgert wird, Karl scheine den allgemeinenSchulzwang beabsichtigt zu haben, geht wohl

bei den damaligen Verhältnissen etwas zu weit.

7 ) Siehe Oebeke, De academia CaroliMagni, Aachen 1847. Wattenbach 1,173ff.

s ) Alcuini ep. 241 (MG. Ep. 4, 386, 24 ff.).

9 ) Von ihm hat sich ein Vers bei Alchvine(Carm. 39, PL. 1, 252, Vs. 4) erhalten. - DieNamen für Jesse und Theodulf fehlen. DieGedichte Alchvines sind Carm. 5. 26. 32. 39,die Theodulfs sind Carm.25 u. 27 (ed. Dümm-ler in PL. 1).

'») Ale. ep. 26 (MG. Ep. 4, 67, 12). Vgl.Neues Archiv 17, 399.