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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

sammen, 1 ) wie ihm auch ein Unbekannter ein Werk De processione spiritussancti widmete 2 ) und der Patriarch Paulinus von Aquileja auf seinenBefehl eine Schrift gegen die Ketzerei des Felix von Urgel verfaßte. 3 )

Ohne Zweifel hat sich Karl bewußt in den Mittelpunkt dieses regenwissenschaftlichen und literarischen Treibens gestellt und der Schärfe seinesBlickes scheint dessen Bedeutung nicht so leicht entgangen zu sein. Dennnachdem die Bibel und besonders Gregors I. Werke 4 ) in verbessertenExemplaren in der Hof bibliothek niedergelegt waren, hat sich seine Sorgeauch auf die profanen Schriftsteller erstreckt. So machte Alchvine dieKategorien Augustins, den Briefwechsel zwischen Paulus und Seneca unddie Briefe zwischen Alexander und dem Bragmanenkönig im Franken-reich heimisch (vgl. Alcuini Carm. 81), und es scheint, daß auch die Über-lieferung der Eklogen von Calpurnius und Nemesian, von Vitruv undSueton in die Nähe des Königs führt; 5 ) Vitruv mußte bei den großenköniglichen Bauten helfen, und für die Kaiserbiographien Suetons wird amHofe nicht geringes Interesse vorhanden sein, wie ja auch später Einhartdas Werk als Grundlage für das Leben Karls genommen hat. Auch dasGedicht des Q. Serenus in Verbindung mit Ämilius Macer, von dem hierdie letzte sichere Kunde verlautet, ist auf Befehl des Königs vielleicht vonseinem Notar Jacobus abgeschrieben worden, wozu Jacobus ein Gedicht überden Inhalt der Handschrift fügte. 6 ) Da der König ein großes Interesse fürAstronomie hatte, so ist es wohl möglich, daß die ältere Kompilation astro-nomischer Werke 7 ) von ihm beeinflußt und von dem Iren Dungal über-arbeitet worden ist, der in dieser Wissenschaft nicht geringe Kenntnissebesaß. Karl selbst besaß eine Metallscheibe, auf der neben einer Erdkarteauch astronomische Figuren und Berechnungen zu sehen waren. 8 )

Diese vielseitigen Anregungen, die der König gab, fielen doch meistauf fruchtbaren Boden und man erfährt aus manchen Zeugnissen, daß desKönigs Beispiel Wunder wirkte. Obwohl z. B. Bischof Arn von Salzburgnicht gerade zu den literarischen Persönlichkeiten gehörte in AlchvinesBriefen an ihn findet sich, abgesehen von der Erwähnung theologischerLiteratur, nicht eine einzige literarische Stelle, so rühmt doch das Salz-burger Nekrolog von ihm, daß er mehr als 150 Bücher habe schreiben

') MG. Ep. 4,535,26.'-) MG. Ep. 4, 490 N. 3.

3 ) MG. Ep. 4, 522 N. 17.

4 ) Hier kann auch der auf Befehl KarlsvonWigbod zum Octateuch zusammengestellteKommentar genannt werden, dessen Wid-mungsgedicht den Eugenius von Toledo be-nutzt; PL. 1.95N.8.

5 ) Siehe Traube, Abh.der bayer. Akad.21, 673. Unter den Kategorien Augustinsversteht Haureau, Hist. de la philos. scolast.1, 9397 den in der Bibliothek von York(Alcuin de SS. Euboric. eccl. 1549 in PL. 1,204) genannten Aristoteles.

G ) PL. 1, 97 N. 9. Vgl. Baehrens, PLM.3, 103 f. Davon war s. IX in Reichenau(B. 10, 31) nur noch Serenus vorhanden undam Ende von s. IX wurde hieraus Turic. C 78

in St. Gallen abgeschrieben. Macer wird vonErmoldus Nigellus in hon. Hlud. 1, 18 (PL.2, 5) erwähnt, so daß seine Existenz in derHs. des Jacobus sichergestellt ist. Es ist viel-leicht der lacobus diaconus, von dem sich imLucens. capit. S. Mart 490 s.VIII erhalten hatIncipit de natura rerum opuscnlmn Iacobi(darauf Inc. eplstulam Alcuini diaconi qui etFlaccus), s. Rück, Münch. SB. 1898, 2, 15.Der Dichter Jacobus kennt die Prologe derDisticha Catonis und Sedulius, s. Manitius,Neues Archiv 16, 615.

') Erhalten im Vat. Reg. 309 s. X, s. Vi-truv. ed.V. Rose 2 (1899) p. XXXI ff., vermehrtund vermindert im Paris, nouv. acq. 456, s.Traube, Neues Archiv 18,87. Auszüge invielen Hss.

8 ) Prudentii annal. 842 (MG. SS. 1,438).