Einleitung zum zweiten Buche.
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Neuerungen steuerte auch die römische Kurie bei, denn erstlich mußtedem Könige daran liegen, in Rom liegende Originale in sorgfältiger Ab-schrift zu erhalten, und zweitens war die genaue Kenntnis der in Romüblichen offiziellen Schrift, der Scriptura Romana, unerläßlich notwendig.Schon bei seiner Anwesenheit zu Rom 774 überreichte Papst Hadrian demKönige eine Handschrift des kanonischen Rechts mit einem Gedichte inrhythmischen Hexametern, dessen Form ungemein tief steht und bezeichnendist für den Mangel an jeglichem sprachlichen Gefühl an der Kurie, worüberdas Akrostichon nicht hinwegtäuscht. 1 ) Wie anders nehmen sich hiergegendie Distichen aus, die Karl einem kostbaren Geschenk an Hadrian hinzu-fügen ließ, nämlich einem Psalter in Gold geschrieben! Diese Widmungs-verse stammen von einem Dagulf, 2 ) der mit ähnlichen Versen ein Buchan Karl gewidmet hat und der von seinem Schüler Deodatus in einemWidmungsgedicht an einen Moulinus gerühmt wird. Schon früher, imJahre 781, zum Andenken an seinen Aufenthalt in Rom und an die TaufePippins, ließ Karl ein kostbares Evangeliar auf Purpur in Gold und Silberschreiben und zwar durch einen Godescalc, der in einem beigeschriebenenGedicht Karl den Großen preist — Vs. 7 Providus ac sapiens studiosus inarte librorum — und die Veranlassung des Werkes mit ihrem Datum genauangibt, wobei er die Schreiberverse zur Mensuratio orbis benutzt, die erjedenfalls in der königlichen Bibliothek gefunden hatte. 3 ) Im gleichen Jahresandte Papst Hadrian an Karl eine Abschrift des Briefes Leos I. an denKlerus und die Vornehmen in Konstantinopel, 4 ) und bald darauf bat wohlKarl den Papst um das Sakramentar Gregors L; aber schon hatte PaulusDiaconus für den König beim Papst die gleiche Bitte getan, und das Werkwurde durch den Abt Johann von Ravenna an den fränkischen Hof ge-schickt. 5 ) Auch Papst Leo III. hat an Karl ein größeres Büchergeschenkgemacht, und es ergibt sich aus einigen Subskriptionen in den Abschriftender an Karl gesandten Geschenke — darunter befindet sich auch eine vonPetrus von Pisa gesandte Grammatikerhandschrift —, daß man in derköniglichen Bibliothek einen Authenzitätsvermerk anbrachte, der in dieAbschriften überging. 6 ) Paulus diaconus widmete dem Könige einen Auszug*aus dem Werke des Pompeius Pestus, 7 ) der Abt Adam von Masmünsterübersandte ihm 780 mit einem Gedicht die Abschrift des GrammatikersDiomedes, 8 ) der Erzbischof Magno von Sens stellte für ihn die Abkürzungenaus juristischen Schriften zusammen 9 ) und verfaßte auf seinen Befehl eineSchrift über das Mysterium der Taufe, 10 ) und ein andrer Bischof stelltezur Unterrichtung Karls ein Werk über die Gebräuche der Taufe zu-
') Poet. lat. 1,90 N. 3; Vs. 22 Languvardaac Erula virtute divina prostravit gente.
2 ) Die Hs. ist Vindob. 1861, die Versestehen PL. 1, 91 N.IV; die andre Widmungib. IV, II. Bas Gedicht Deodats aus Harlei-anus 3658 s. XV PL. 1, 92 N. V.
3 ) DieHs. ist Paris, nouv. acq. 1203. DasGedicht steht PL. 1, 94 f.; zur Mensuratio vgl.Traube, Münch. Sitzber. 1891, 406.
4 ) MG. Ep.3. 601, 6 ff.
5 ) Cod. Carol. 92 (Jaff e, Bibl. rer. Germ.4, 274). Waitz, SS. rer. Langob. p. 603.
6 ) Siehe Traube, Abh. d. bayer. Akad.21,675 f.
■>) MG.Epist. 4,508 N. 11.
8 ) PL. 1,93 N. 6.
9 ) Mommsen bei Keil GL.4,285.315.10 ) MG.Epist.4,534N.25. Diesem Magno
widmete Theodulf sein De ordine baptismi,s. Ep. 4,533 N. 24.