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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
forschen, durchzieht die ganze Schrift, die irische Gründlichkeit zeigt sichhier in hellem Lichte. — Im ersten Buche bespricht Adamnan Jerusalemund die benachbarten Örtlichkeiten und zwar fast ausschließlich nach demBerichte Arculfs, der nur an wenigen Stellen aus der Chronik des SulpiciusSeverus 1 ) (p. 239, 10 ff. und 246, 23 ff. ut alibi scriptum repertum est) und ausHieronymus (in Ezech. p. 240, 5 f. und ep. ad Paul, et Eust. p. 240, 17) er-gänzt wird. Buch II behandelt die übrigen Orte und Gegenden und Merk-würdigkeiten Palästinas, und hierfür werden als schriftliche Quellen häufigdas Onomasticon des Hieronymus und Hegesippus herangezogen, das ersterep. 258, 18 unter dem Namen Locorum liber, Hegesipp dagegen p. 269, 13unter der Bezeichnung de tertio Iudaicae captiv'üatis libro. 2 ) Im drittenBuche wendet sich Adamnan, der Reise Arculfs und dessen Berichte gemäß,nach Konstantinopel und gibt hier zuerst, jedenfalls nach Arculf, münd-liche Lokaltradition wieder (p. 284, 15 De cuius conditione hanc traditionemcives a maioribus promulgatam enarrant dicentes); überhaupt aber scheintsich hier die ganze Erzählung auf Arculf zu stützen, vgl. p. 295, 20—24.Über die Quellen handelt eingehend Geyer S. 10—18, wo auch S. 18—34der Beweis erbracht wird, daß der sog. Eucherius de locis sanctis nichtdie Quelle für Adamnan sein kann, sondern daß diese Schrift ein Exzerptaus Beda de locis sanctis sein muß, das im 8. Jahrhundert angefertigt wurde;daselbst S. 39—47 stilistische Untersuchungen, die für das irische Lateinwichtig sind.
Das Werk kam durch Adamnans Geschenk an Aldfrid zu den Angelsachsen und diesehaben es später neben den Iren wohl auf den Kontinent gebracht. Im 9. Jahrh. wird esaus alten Bibliotheken nicht selten genannt, nämlich in Murbach (Strafib. Philvers. S. 273,40).in Würzburg (B. 18, 6), Reichenau von Reginbert geschrieben (B. 10, 30), 3 ) Lorsch (B. 37,434 und 553 = 38, 90), später s. X—XI in Bobbio (B. 32, 21 und 312), s. XII in Stablo(Gottlieb. Ueber mittelalt. Bibl. S. 288 N. 179), Salzburg (B. 115, 179)/) Corbie (B.79,114i, 3 )Clum (Delisle, Le cab. des mscr. 2, 468 N. 285. 286. 420) und s. XV" in Canterbury St. Aug.(James, The anc. libr. of Cant. and Dover S. 295 N. 911). Handschriften: Die früheren Aus-gaben (vgl. P. Geyer, Adamnanus. I. S. 10ff.) fußten auf wertlosen Hss., erst P. Geyer,Adamnanus. IL (Erlangen 1897) S. 5—53 hat die Klassifikation der Hss. vorgenommen unddrei Reihen aufgestellt, deren erste in Verbindung mit einer Hs. der zweiten für die Text-gestaltung ausschließlich in Betracht kommt, nämlich Vindob. 458 s. X (aus Salzburg), Paris.13048 (aus Corbie) und Turic. 73 s. X (aus Reichenau). Unbestimmt ist, welche Hs. Christianvon Stablo im Matthäuskommentar benutzt hat. Ausgaben: ältere bei R. Röhricht, Bibl.geogr. Palaestin. s. v. Arculfus; kritische Ausgabe (Vorläufer P. Geyer, Adamnanus. II. (1897)S. 54—66) rec. P. Geyer in Itinera Hierosolymitana s. IUI— VIII p. 221—297 (Corp. SS. eccl.lat 39, Vindob. 1898). — Es ist noch hervorzuheben, daß Adamnan an mehreren Stellen seinesWerkes (Grabkirche p. 231, Zionsbasilika p. 244, Basilika auf dem Oelberg p. 250, Kirchezu Sichern p. 270) die von Arculf gezeichneten Grundrisse einiger Kirchen von den Wachs-tafeln auf Pergament brachte und sie seiner Schrift einverleibte, vgl. p. 230, 10 Bas itaqueqtiaternalium figuras ecclcsiarum iuxta exemplar quod mihi . . . sanctus Arculfus in payi-
') So befand sich dies später so selteneWerk s. VII bei den Iren in Hy. Mir ist alseinzige Aufschrift die in Murbach s. IX be-kannt (Straßb. Philvers. S. 272, 36 CronicaSeveri libri II). Die einzige Hs. Vat. Pal. 824s. IX stammt aus Hildesheim, s. Sulp. Sev.libri qui supersunt rec. C. Halm p. VI.
2 ) Auf Hegesipp als Quelle machte auf-merksam Er. Vogel, De Hegesippo, qui dici-tur, Iosephi interprete p. 39 ff. Ein Zitat ausJuvencus (p. 243, 4) gibt Geyer S. 40 f. Ver-
anlassung, den Sprachgebrauch auf Juvencuszu untersuchen, daselbst S. 41 ff. Sammlungdes Sprachgutes aus Hegesippus. Die daselbstS. 43 aufgeführten griechischen Wörter sindaber mit wenigen Ausnahmen (ippns.oria.poli-tanus) nicht bezeichnend.
3 ) Abschrift dieser ausgezeichneten Hs.istTuric.73 s. X, s. P. Geyer, Adamnanus II.(1897) S. 16 ff.
4 ) Kaum identisch mit Vindob. 458 s. X.'■>) Ist Paris. 13048 s. IX.