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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

Inhalt und Quellen. Der Verfasser beginnt mit der nun schon zurMode gewordenen Fabel vom trojanischem Ursprung der Franken und gehtdann zu der völlig fabelhaften fränkischen Vorzeit über. Daran schließtsich die Geschichte der merovingischen Zeit, die vielfach mit Sagen durch-setzt ist. Von c. 35 an wird die Darstellung, die sich bis dahin eng anGregor von Tours anschließt, selbständig. Sie läßt durchaus die neustrischenVerhältnisse hervortreten und nimmt auf die austrasischen Dinge wenigRücksicht. Allmählich wird der Bericht eingehender, das Walten desMajordomus tritt bedingender hervor und für die Zeit vom Ende Fredegarsan bildet das Werk die einzige größere Quelle unter den erzählenden Be-richten für die Frankengeschichte. Für seine Erzählung selbst stand demVerfasser eigentlich nur Gregor von Tours zu Gebote, dessen Bücher 16von c. 535 in umfassendem Maße von ihm ausgeschrieben wurden. Außer-dem wird c. 4 1 ) (p. 244, 19 ff.) der kürzere Prolog zur Lex Salica benutzt(ed. Behrend p. 125) und c. 38 und 40 an mehreren Stellen die Fortsetzungder Chronik des Marius Aventicensis ausgeschrieben. 2 ) Endlich beruft sichder Verfasser c. 44 beim Tode Chlodovechs IL (p. 316, 23) in den WortenHuius mortem et finem nihil dignum historia recolit. Multa enim scriptomeins finem condempnant; nescientes finem nequitiae eins, in incertum de eoalia pro aliis referunt auf verlorene Darstellungen der fränkischen Geschichte(vgl. Krusch p. 317). Den Fredegar hat er jedenfalls nicht gekannt, woaber beider Darstellungen voneinander abweichen, verdient Fredegar jeden-falls den Vorzug; erst in späterer Zeit wird der Liber glaubwürdiger.

Wenig später, d. h. vor 737 (p. 328, 8 Theudericum . . . qui usque nuncin regno subsistit, d. h. Theuderich IV.) ist das Werk durch einen gleichfallsunbekannten Verfasser überarbeitet worden. 3 ) Dieser glaubte, daß er denGregor von Tours vor sich habe, und betitelte seine Ausgabe Liber s. GregoriiToronis episcopi gesta regum Brancorum. Er hat kleine Zusätze gemacht,wie c. 2 und 5 aus Isid. Et. 10, 2, 101 und 97; ferner fügte er einiges ausGregor hinzu wie c. 8 p. 250, 29. Auch den Wortlaut hat er nicht seltengeändert und einiges, was A aus Gregor entnommen hatte, weggelassen.Daß diese Bearbeitung im Jahre 736 schon vorlag, ergibt sich aus ihrerBenutzung in der Continuatio Fredegarii, s. Krusch p. 219; vielleicht stammtsie von einem Austrasier. Vgl. Krusch p. 218220.

Portleben, Handschriften, Ausgaben. Das Werk hat sich vom 9.11. Jahrb.großer Beliebtheit erfreut und wurde, da es für einen ziemlichen Zeitraum die einzige Quellebildete, vielfach benutzt. Kurz nach dem Entstehen der Bearbeitung B wurde diese vomVerfasser der ersten Continuatio Fredegarii zugrunde gelegt, wie auch Ademar von Cha-bannes in seinen Historiae im 11. Jahrh. eine solche Hs. verwertete. Das Werk wurdeweiter benutzt vom Verfasser des Chronicon universale um 761, im Breviarium Erchanbeiti,von Regino in seiner Chronik, von Widukind in den Res gestae Saxonicae, vom Verfasser

') Der von Krusch p. 241 adn. 2 notierteAnklang an den Prolog stammt aber jeden-falls aus der Vulgata, wie überhaupt derganze Eingang viele Reminiszenzen an dasBibellatein aufzuweisen hat. Nämlich p. 241,10 Isai. 3, 1 Auferct . . . valldmn et fo>iem;los. 5, 4 Unioersi hellatores viri. 16 los. 22,17multique de populo corruemnt. 242, 9 Deut.26, 5 crenitque in gentem magnam.

'') Nachgewiesen von M o n o d a. a. 0.S. 224 ff.

3 ) Diese Ueberarbeitung ist von KruschB genannt worden, während A den Liber h.Fr. bezeichnet. Ueber eine von Ekkehard be-nutzte Bearbeitung s. Waitz, Forsch, z. deut-schen Gesch. 3, 145 ff. Schon im 9. Jahrb.wurde B auch exzerpiert, wie im Vindob. 473s. IX, vgl. Krusch p. 233 N 50.