Druckschrift 
1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
Seite
227
Einzelbild herunterladen
 

Der Liber Historiae Prancorum. 227

Könige dargestellt, und dann beginnt mit dem Jahr 753 das Werk desdritten Fortsetzers, der, wie oben berichtet wird, auf Geheiß von Childe-brands Sohne Nibelung schrieb. Diese Fortsetzung reicht von c. 3454und führt die Geschichte des Frankenreiches unter Pippin bis zu dessenTode und dem Regierungsantritt seiner Söhne. Sie schreitet, wie früher,Jahr für Jahr vorwärts und scheint mit den Ereignissen gleichzeitig ge-schrieben zu sein; sie bietet eine bedeutend ausführlichere Darstellung vonPippins Regierung als die beiden ersten Fortsetzungen. Namentlich wirdhier über die Verhältnisse des Frankenreiches zu Odilo und Thassilo vonBayern, zu Aistulf von Langobardien und zu Waiofar von Aquitanien ein-gehend berichtet.

Die Sprache, in welcher diese Fortsetzungen geschrieben sind, läßterkennen, daß die Fertigkeit im lateinischen Ausdruck in der ersten Hälftedes 8. Jahrhunderts gegenüber dem 7. Jahrhundert noch tiefer gesunken ist.Alle diese Fortsetzer waren natürlich Geistliche, obwohl sie von kirchlichenVerhältnissen nichts berichten. Die geringste Fähigkeit im Ausdruck zeigtdie dritte Fortsetzung; hier ist Formenlehre und Stil in hohem Grade bar-barisch, 1 ) und auch die Orthographie ist wie im großen Werke und denübrigen Fortsetzungen äußerst verwirrt. 2 )

Handschriften usw. Vat. reg. 213 s. X. Harlei. 8671 s. X. Montepess. 158 s. X.Paris. 4883 A s. XI. Heidelb. 864 s. IX, vgl. Krusch, NA. 7, 294-321. Ausgaben s. oben.Breysig, De continuato Fredegärii scholastici chronico, Berlin 1849. Hahn, Archiv 11,805840; besonders Krusch, NA. 7, 495515 und Ausgabe p. 8 f. Wattenbach 1, 141 ff.

36. Der Liber Historiae Francorum.

Im Jahr 727, d.h. im sechsten Jahr Theuderichs IV. (ed. Krusch p.328, 8Theudericum . . . qui nunc anno sexto in regno subsistit) unternahm es einNeustrier, ein Buch von der Herkunft der Frankenkönige und von derGeschichte der Frankenstämme zu schreiben (p. 241, 5 Principium regumFrancorum eorumque originß vel gentium illarum ac gesta proferamus). Dader unbekannte Verfasser für den heiligen Audoenus von Rouen eine außer-ordentliche Verehrung zeigt. 3 ) so ist es höchst wahrscheinlich, daß er inRouen oder in dessen Sprengel geschrieben hat, 4 ) namentlich da Kruschnachgewiesen hat, daß der Entstehungsort des Werkes nördlich von Pariszu suchen ist. Zweifellos aber ist, daß sich der Verfasser längere Zeit inParis aufgehalten hat, da er sich mit den dortigen Verhältnissen ziemlichvertraut zeigt. Daraus kann aber nicht geschlossen werden, daß das Werkin Paris entstand, wie G. Monod behauptet hat, 6 ) noch auch, daß er Mönchin St. Denis gewesen ist, wie G. Kurth annahm. 6 )

') Probe: p. 187, 21 Ic/itur rex Pippintis,urbem captam liac r.egionem illam totam va-statam, cum praeda vel spolia multa, Deo'in.viliante, inlesum exercitum, Herum remea-vit ad proprio,.

-) Vgl. hierzu die Ausgabe von Kruschp. 15 f., wo die Verwilderung in der Orthographieder Eigennamen sehr deutlich gemacht wird.

a ) Vgl. ed. Krusch p. 315, 1. 318, 29 ff. tom. 18, 261-291.

15

321, 17 ff. 27 ff.

A ) Cauer, De Carolo Martello (Berlin1841) S.14f. Krusch in der Ausgabe p.216f.

'") Mem. de la Soc. de l'hist. de Paris etde l'Ile de France 3, 229 ff. Die auf Paris be-züglichen Angaben hat Krusch in der Vor-rede zur Ausgabe S. 215 zusammengestellt.

s ) Bull, de l'Acad. roy. de Belgique, Ser. 3