226 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
treten, werden doch als letzte Reminiszenz an das frühere schulmäßigerlernte Latein sämtliche Flexionsendungen beibehalten, allerdings ohneUnterschied in der Bedeutung und ohne das Geschlecht der Wörter zuscheiden. So entsteht allerdings eine wilde Sprache, die oft gar nichtleicht zu verstehen ist. Vgl. hierüber Br. Krusch, Neues Archiv 7, 486—494und 0. Haag, Romanische Forschungen 10, 835—932.
Portleben, Handschriften, Ausgaben. Das Werk hat zunächst einige Fort-setzungen erfahren (s. unten). Benutzt wurde es im 8. bis 10. Jahrh. nicht selten, nämlichim Chronicon universale um 761 (s. Krusch, Neues Archiv 7, 291) und zwar mit den Port-Setzungen, vielleicht von Paulus diaconus (s. Monod, Rev. crit. 1879, 1,276), mit Fort-setzungen vom Verfasser der Kompilation bis 806, in den Gesta Dagoberti (SS. rer. Merov.2,401—423), vom Verfasser der Domus Carolingicae genealogia, vielleicht in der SalzburgerDenkschrift MG. SS. 11, 1 (s. Mitt. d. Inst. f. österr. Gesch. 11, 443), mit den Portsetzungenim Chronicon Vedastinum, endlich von Aimoin (Krusch, Neues Archiv 7, 291). Exzerpiert 1 )wurde es schon s. VIII — IX, nämlich im Mottensis 134; dem Exzerptor diente der alte Claro-montanus als Vorlage. Diese letztere Hs. steht der Abfassung des Werks ziemlich nahe,es ist Paris. 10910 s. VII — VIII, bei weitem die beste Hs. 2 ) Die übrigen Hss. teilt Krusch(Neues Archiv 7, 265—344) in vier Klassen. Hervorzuheben sind Bern. 318, Harlei. 5251 s. IX:Leid. Voss. Q. 5, Vat. reg. 713 s. VIII—IX, Vindob. 482 s. IX, Vat. reg. 213 s. X, Troyes 802s. IX — X. In alten Katalogen ist das Werk schwierig aufzufinden/ 1 ) doch läßt sich die Auf-schrift von Lorsch s. IX (B. 37, 94 = 38. 19) mit der Hs. Troyes 802 und diejenige vonSt. Claude du Iura 1492 (Bibl. de l'ecole des eh. 50, 335, 68) mit Vat. reg. 213 identifizieren;vgl. Manitius, Neues Archiv 32, 658. Ueber die hs. Verhältnisse s. Krusch, Neues Archiv7, 249—345 und in seiner Ausgabe p. 9 —15. Ausgaben: besonders von Ruinart, GregoriiTuron. opera etc. (Paris 1699) p. 542—703 und von Br. Krusch, SS. rer. Merov. 2, 18—168.Allgemeines: Ebert 1,606. Teuff el-Sch wabe § 499, 1—3. Wattenbach 1, 114 ff.H. Brosien, Krit. Unters, d. Quellen z. Gesch. Dagoberts I., Göttingen 1868. A. Jacobs,Geographie de Fredegaire etc. 2 Paris 1861. G. Monod, Etudes sur les sources de l'hist.Merov. 2, Paris 1885.
Fortsetzungen. Die erste Fortsetzung des Werkes ist nach Krusch(p. 8 der Ausgabe) von einem Austrasier im Jahre 736 geschrieben worden.Ihr Verfasser änderte das ganze Werk insofern, als er den Liber Genera-tionis entfernte und an seine Stelle des Q. Julius Hilarianus Schrift Decursu temporis setzte. Seine eigne Arbeit reicht von c. 1—17 (p. 168-176ed. Krusch) und ist in c. 1—10 nur ein Auszug des Liber historiae Fran-corum c. 43—53, 4 ) bereichert mit einigen Zusätzen über das Haus derArnulfinger; erst vom Jahr 724 an wird seine Arbeit selbständig. Einzweiter Fortsetzer fügte c. 18—33 hinzu und behielt die frühere, beinahenach annalistischem Schema laufende Darstellungsweise bei, nur daß dasbedeutende Walten des karolingischen Majordomus noch mehr in den Vorder-grund gestellt wird: der merovingische König wird nicht mehr erwähnt.Beide Fortsetzungen sind auf Veranlassung von Pippins Oheim Childebrandgeschrieben worden, wie c. 34 ausführlich erwähnt wird: (p. 182, 14) Usquenunc Muster vir Chüdebrandus comes, avunculus praedicto reg-e Pippino, hanehistoriam vel gesta Francorum diligentissime scribere procuravit. Abhinc abMustre viro JNibelungo, filium ipsius Clüldebrando, itemque comite, succedatauetoritas. Der zweite Fortsetzer hatte noch die Erhebung Pippins zum
') Vgl. Krusch, Neues Archiv 7, 258ff. | 3 ) Manche Aufschrift mag sich unter
Eine weitere Exzerptenhs. istGuelferbyt. Gud.139 s. XV. Verarbeitung von Exzerpten imParis. 7351 s. XIII.
2 ) Faksimile bei Delisle, Le cabinet desmscr. Planches 13, 1.
dem Namen Gesta Francorum verbergen, wieauch das Werk von dem Fortsetzer genanntwird, vgl. p. 182. 15 ed. Krusch.
4 ) Und zwar in der Bearbeitung B, s.Krusch p. 219.