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Die Chronik des sogenannten Fredegar und Fortsetzungen. 225
mit wie geringen Mitteln in der Geschichtschreibung während des 7. Jahr-hunderts auch hochstehende Leute sich begnügten. Noch geringer, als dieMittel sind, ist aber die Form. Es fehlt nämlich bei A an jeder Ver-arbeitung, nacheinander werden die Quellen abgeschrieben oder exzerpiertund zu den einzelnen Büchern zusammengestellt, so daß zeitlich und ört-lich Zusammengehöriges weit voneinander getrennt wird. B gibt allerdingsin seiner Fortsetzung der von A begonnenen fränkischen Geschichte einebedeutend bessere Darstellung mit verhältnismäßig objektivem Urteil. Dieursprüngliche Anlage von A hat nach Schnürer (S. 159) folgende Gestalt:Prolog, Chronik des Hieronymus, Chronik des Idacius, Liber generationis,Chronik des Isidor, Chronik Gregors. Hier wurde nun von A die Franken-geschichte bis 616/17 fortgesetzt. Als B das Werk in die Hände bekam,war es (vielleicht durch einen Abschreiber) in vier Bücher eingeteilt worden,B stellte dann den Lib. generationis an die Spitze, gab Hieronymus-Idaciusals Buch 2, ließ dann Gregor folgen und gab den Prolog vor der Fort-setzung. Nach den Erweiterungen von C wurde das Werk in Kapitel geteiltund mit Registern versehen.
Erstes Auftreten der Trojanersage. 1 ) Nach Schnürer S. 168ff.(besonders S. 184) hat A die Angaben bei Gregor mit der Volkssage undden Mitteilungen römischer Historiker verbunden; er wußte nichts voneinem auf Priamus zurückgehenden Königsgeschlecht. Er hat aber durchErwähnung von dem Troja ähnlichen Namen (Trogia 3, 2 p. 93, 8 Kr.) Ver-anlassung zu der Erdichtung des trojanischen Ursprungs der Franken ge-geben. Wahrscheinlich hat in Buch 2 (Hieronymus) ursprünglich etwasüber die Vereinigung der Latiner und Phrygier gestanden, das dem Vergilnacherzählt worden ist, und diese Erzählung mag den Stoff für die Sagegeboten haben (Schnürer S. 186. 187—205). Der Interpolator dieser Sageaber kann weder A noch B noch C gewesen sein, er hat wahrscheinlichnach der Hinrichtung Grimoalds in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhundertsgeschrieben. — Nicht wenige der späteren Interpolationen spiegeln übrigensdie Gegensätze, welche im 7. Jahrhundert das Frankenreich zerklüfteten,deutlich wieder (Schnürer S. 217—229. 230).
Sprache. Probe aus dem Prolog Lib. 4 p. 123, 15 Opiaveram et ego,vt mihi subcumberit talia dicendi fagundia, vt vel paululum esset ad instar;sed carius auritur, ubi non est certa perennitas aque. Mundus iam seniscit,ideoque prudentiae agumen in nobis tepiscit, ne quisquam potest huins temporenee presumit oratoribus precedentes esse consimilis. Ego tarnen ut rusticitas etstremitas sensus mei valuit, studiosissime de hisdem libris breviatem, quantumplus potui, aptare presnmsi. Während auf der einen Seite Konsonantismusund Vokalisation des beginnenden romanischen Zeitalters 2 ) deutlich hervor-
') Die Fredegarhss. der vierten Klasse, I es enthält nach einem Exzerpte aus Daresbesonders Vat. Reg. 213 s. X und Troyes 802 | die Darstellung vom Ursprung der Römers. IX—X (aus Lorsch) haben mitten in den I aus Hieronymus und ist von dem ersten Fort-
gewöhnlichen Auszügen ausHieronymus einenAbschnitt Historia Daregitis I Frigii de ori-gine Francorum. Das Stück ist zuerst hrsg.von G. Paris, Romania 1874 S. 138-144,dannvonKrusch,SS.rer.Merov.2,194—200;
Handbuch der klass. Altertumswissenschaft. IX, 2. 15
setzer eingeschoben worden.
2 ) Vgl. p. 18, 20 De filies Noe in trebuspartibus. 43, 18 De emperiwm Gage et Clau-diae (= G-aii et Claudii).