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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

ständige Chronik, die nach den Regierungsjahren der Frankenkönige an-geordnet ist.

Verfasser, Ort und Zeit der Abfassung. Die Inhaltsangabe desWerkes zeigt dessen mühsame Zusammenstoppelung und das Fehlen jedeseinheitlichen Planes. Nachdem man lange Zeit an einem einzigen Verfasserfestgehalten, unternahm Krusch die schwierige Arbeit, die einzelnen Haupt-teile als verschiedenen Autoren gehörend herauszulösen und die Fragenach den Verfassern in scharfsinniger Weise zu beantworten (NeuesArchiv 7, 423455). J ) Er unterscheidet drei Verfasser: A hat das Sammel-werk angelegt, den Liber Generationis mit Auszügen aus Hieronymus undIdacius verbunden und bis 603 reichende, wohl in Avenches abgefaßteburgundische Annalen aufgenommen und bis 613 fortgesetzt; ihm gehörenalso 1, 124; 2, 156. 57. 59; 4, 139 und er hat in Avenches geschrieben.B hat zu 1 und 2 Zusätze gegeben (1, 25. 26; 2,58. 6062), ein Exzerptaus Gregor 26 als Buch 3 hinzugefügt 2 ) und im Buch 4 die Geschichtebis auf seine Zeit fortgeführt; er schrieb um 642 zu Avenches. C endlichhat einige Ergänzungen 3 ) zu der austrasischen, oströmischen, westgotischenund vielleicht auch wendischen Geschichte gemacht (4, 81. 82. 87. 88, wahr-scheinlich 36 und vielleicht 48). Er schrieb um 658 vielleicht in Metz.

Diese Resultate Kruschs hat G. Schnürer (Collectanea Friburgensiafasc. IX: Die Verfasser der sog. Fredegar-Chronik. Freiburg 1900) einerbesonnenen Kritik unterzogen und dabei hat sich ihm folgendes ergeben.Zunächst ist wichtig, daß auch er drei Verfasser unterscheidet. Nach ihmaber reicht die Arbeit von A bis 616/17 und endet mit 4, 44 ; 4 ) zu ihrgehört auch noch Buch 3. Der Verfasser war wohl in Genf zu Hause,hat aber sein Werk in Luxeuil oder in Remiremont geschrieben. Er standdem burgundischen Majordomus Warnachar nahe und geht darauf aus,das Andenken der Brunichilde zu verunglimpfen; vielleicht war er derehemalige Notar Theuderichs Agrestius (S. 85 ff.), der 627 oder 628 getötetwurde. Ist dies richtig, so wäre der Name Agrestius für Fredegar ein-zusetzen. B hat die Zeitgeschichte bis 642 oder 643 fortgesetzt. Er hatwahrscheinlich in Südfrankreich geschrieben, da er die Gebiete jenseitsder Loire in seiner Darstellung bevorzugt, 5 ) und er stand dem burgundischenMajordomus Flaochad nahe. Er muß längere Zeit in der Nähe der könig-lichen Villen um Paris gelebt haben und hat in seiner Geschichtschreibungder Wahrheit nicht Gewalt angetan. C hat als offener Anhänger des austrasi-schen Majordomus Grimoald um das Jahr 658 seine Ergänzungen in durch-aus austrasischem Sinne geschrieben. Wahrscheinlich sind alle drei Verfasserkönigliche Notare gewesen. Vgl. Schnürer a. a. 0. S. 232ff. 6 )

Bedeutung des Werkes. Abgesehen vom vierten Buche bietet dasWei'k eigentlich nur ein literarhistorisches Interesse. Es zeigt nämlich,

') Vgl. Schnürer a. a. O. S. 5 f.

2 ) Hiergegen s.Schnürera. a.O. S. 161 ff.,der den Gregorauszug A zuweist.

3 ) Schnürer S. 211 ff.

4 ) Vgl. Schnürer a. a. 0. S. 147 ff.

5 ) Vgl. Schnürer a. a. 0. S. 94 ff.

6 ) Schnürers Forschungen wurden aus-führlich kritisiert von L. H a 1 p h e n, Rev.histor. 79, 41 ff. Er setzt den Endpunkt vonA Lib. 4, 42 an, lehnt aber die Hypothesenüber die Verfasser ab.