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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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220 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

Historia Francorum in zehn Büchern. Das Werk zerfällt in dreiTeile: 1. Buch 1—4 bis zum Tode Sigiberts, verfaßt 575. 2. Buch 5 und 6zwischen 580 und 585 geschrieben. 3. Buch 7—10, 30 in den Jahren 585bis 591 geschrieben; der Epilog c. 31 ist 594 verfaßt (p. 449, 22; 450, lf.),Nach Vollendung des Werkes überarbeitete Gregor die ersten sechs Büchernoch einmal und machte Zusätze (s. Arndt p. 17 n. 10), doch ist es jeden-falls unrichtig gewesen, daß man hieraus auf spätere Interpolationen ge-schlossen hat (s. Arndt p. 17. 18).

Ohne Zweifel war Gregor durch seine hohe Stellung und seinen Ver-kehr mit den Königen und Großen des Landes besonders dazu befähigt,Geschichte zu schreiben. Er brachte aber zum Berufe des Historikers auchstrenge Wahrheitsliebe mit. Seine Quellen, die er für die früheren Partiender Darstellung reichlich benutzen mußte, nennt er nur selten. So benutzter besonders die Chronik des Hieronymus, Orosius und Victorius, die Kirchen-geschichte des Eusebius-Rufinus, die Recognitionen des Clemens, die Chronikund die Vita Martini des Sulpicius Severus, die Briefe des Sidonius unddes Ferreolus, die Schriften des Avitus. Außerdem aber hat er mehrereQuellen verwertet, die nicht mehr vorliegen, besonders den RenatusProfuturus Frigiredus und den Sulpicius Alexander. Von ersterem *)erwähnt er 2, 8 p. 71, 5 quid de Aetio supra memorato Renati Frigiredinarret historia tacere nefas putavi. Nam cum in duodecimo historiarum librorefert . .. adiecit .. . und 2, 9 p. 75, 10 Renatus Profuturus Frigiretus cui iamsupra meminimus cum Romam refert a Gothis captam et subversam ait . ..An beiden Stellen folgen größere Stücke, die wörtlich abgeschrieben sind.Auch aus Sulpicius bringt Gregor ein größeres Stück 2, 9 p. 72, 13 Namcum multa de eis Sidpici Alexandri narret historia ... Nam cum dicit...adiungit. . . Beide Autoren hatten über die fränkische Geschichte geschrieben,uud es ist möglich, daß Gregor sie auch anderweit benutzt hat. Sonst hatGregor auch vielfach Annalen 2 ) zu Rate gezogen, besonders diejenigen,welche aus der Bearbeitung der ravennatischen Konsularfasten in Arlesentstanden waren, s. Holder-Egger, Über d. Weltchronik d. sog. SeverusSulpitius und südgall. Annalen des 5. Jahrhunderts (Gott. 1875) und NeuesArchiv 1, 276ff.; ferner standen ihm Annalen aus Angers (2, 18. 19) undburgundische Annalen (2, 13. 3, 11. 4, 10, s. W. Arndt in Sybels hist. Ztschr.28, 415 ff.) zu Gebote, die auch von Marius von Avenches benutzt wordensind. Auch die Benutzung von Annalen aus der Auvergne, und aus Poitiers,sowie von westgotischen Annalen glaubt W.Arndt (Praef. p. 22. 23) nach-weisen zu können. Nach alledem steht es fest, daß Gregor über ein aus-gebreitetes Quellenmaterial verfügt hat. Für die späteren Zeiten hatte ersich jedenfalls eigne Aufzeichnungen gemacht und mit diesen verband erin ausgedehntem Maße die mündliche Tradition, die für die frühere Ge-schichte zum Teil schon völlig sagenhaft geworden war. Aber auch epischverarbeitete Sagenstoffe hat Gregor reichlich verwertet, wie vor kurzem

') C. Schirren, De lordane S. 7 hält j 2 ) Er nennt diese Quellen 2, 9 p. 77, 6

ihn für den Bischof Profuturus von Bracara, j Natu et in Consolaribus Ugimus, Theuclomerem

an den Papst Vigilius 538 einen Brief richtet ] regeniFrancorum,fi,liumRichimeris quondmn,

(Jaffe, Regesta N. 907). j et Ascylam matrem eins, gladio interfectus.