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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Gregor von Tours. 221

von L.Jordan (Studien z. fränk. Sagengeschichte, Archiv f. d. Stud. d. neuerenSprachen und Literaturen 114, 92; 115, 394; 116, 50; 117, 304) nachgewiesenwurde.

Das Werk erzählt kunstlos und ohne Redeschmuck allerdings in oftschwerfälliger Sprache*) die Geschichte der Merovinger, ohne zu übertreibenund ohne zu beschönigen. Der Standpunkt Gregors ist weder der desRömers noch der des Germanen, sein Werk zeigt die völlige Verschmelzungbeider Nationen. Vielmehr kehrt Gregor bei seiner Darstellung den katho-lischen Christen hervor und danach schrieb er auch die Worte über Chlodo-vech 2, 40 p. 104, 6 Prosternebat enim cotidiae deus hostes eins sub manuipsius et augebat regnum eins, eo quod ambularet recto corde coram eo etfacerit quae placita erant in oculis eins. 2 ) Die Sprache ist nicht mehrdas grammatikalisch erlernte Latein der Schriftsprache, sondern die ver-wilderte Form der Umgangssprache, der es auf richtige Form und syn-taktische Regeln nicht irgendwie mehr ankam. Stark beeinflußt wirdGregors Ausdrucksweise von der Bibelsprache mit ihren vielfachen dichte-rischen Anklängen und ihrem Bilderreichtum. 3 )

.fortleben, Handschriften, Ausgaben. Frühzeitig wurde das Werk benutzt, sofinden sich die Bücher 26 als Hauptquelle im ersten Teil des sog. Fredegarius und imLiber historiae Francorum benutzt; ferner wird das Werk in der alten Vita Vedastis, vonPaulus diaconus und vom Verfasser des Chronicon Vedastinum verwertet. In alten Kata-logen wird es aber nicht eben häufig genannt, s. Manitius, Neues Archiv 32, 657 f. 4 )Auch ist die Zahl der Hss. nicht groß, wohl aber gibt es sehr alte darunter, nämlich s. VIIParis. 17654 (Delisle, Le cab. des mscr. Planches 12, 1. 109 Bll. in Faksimile in Biblioth.nationale, Depart. des mss. Hist. des Francs de Greg, de Tours. Reproduct. reduite du ms. enonciale 17654). 17655 (Delisle, Planches 12,2). Camerac. 624 und drei Fragmente einer Hs.zu Leiden, Rom und Kopenhagen; ferner Casin. 275 s. XI XII und Bruxell. 9403 s.VIII u. a.,s. Arndt p. 2328. Ausgaben von Th. Ruinart, Paris 1699 (= Bouquet, Rerum Gall. etFranc. SS. 2,74 und Migne, Patr. 71) und besonders von W. Arndt, Hannov. 1884 (= Script.rer.Merov. 1,1). Allgemeines: Hist. litt, de la France 3, 372. Köpke, Kl. Schriften 289. Ebert1,566. K. Weimann, Ueber die sittlichen Begriffe in Gregors von Tours Historia Fran-corum. Leipz. 1900.

Liber de cursibus ecclesiasticis. Das Werk, das von GregorHist. Franc. 10, 31 p. 449 als von ihm geschrieben erwähnt wird, ist vonFr. Haase entdeckt und 1853 erstmalig herausgegeben worden. Es führtim Bamberg, den volleren Titel Incipü de cursum stellarum ratio qualiterad officium implendum debeat observari und ist literargeschichtlich von nichtgeringem Interesse. Es zeigt nämlich, daß Gregor seine für jene Zeitimmerhin bedeutenden Kenntnisse in den Dienst des Klerus stellte und daßer somit, wenn auch auf einem kleinen Gebiete, zum Lehrer der Kirchewurde, was ja später Beda in viel höherem Maße gewesen ist. Hierausergibt sich bei Gregor ein wirkliches wissenschaftliches Interesse, und sowenig wir ihn heute als einen wirklichen Historiker gelten lassen können,so zeigt er sich in der kleinen Schrift über Astronomie durchaus mit der

') Sprichwörter finden sich 5,18 p.211,9 I 2 ) Vortreffliche Charakteristik bei Wat-

und 6, 32 p. 272, 19; vgl. Manitius, Philo- j tenbach 1,106111. Hauptschriften: Loe-

logus 57, 574. W. Meyer, Gott. Abh. NF. 4,5, 4 zweifelt, daß der jetzige Text auf einfertig gearbeitetes Manuskript zurückgeht,und hält weder die Orthographie noch diegrammatischen Barbarismen unsrer Hss. fürecht.

bell, Gregor von Tours und seine Zeit' 2 , Leipz.1869. G. Monod, Müdes crit. sur les sourcesde l'hist. Merov., Paris 1872, S. 21-146.

3 ) Hauptschrift: M. Bonnet, Le latin duGregoire de Tours, Paris 1890.

4 ) Einiges daraus schon bei Arndt p.28.